Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1328.

Die Ulmer Schachtel war nicht für Kram gedacht

Die „Heimatsachen“ im Donauschwäbischen Zentralmuseum entpuppen sich gleichwohl als gar vielerlei Art

Eine der jüngsten kulturellen Veranstaltungen, die im Donauschwäbischen Zentralmuseum (DZM) Ulm das Interesse vieler Besucher weckte, war die Lesung mit Gerhard Ortinau. Der 1953 in Borcea, Kreis Calarasi (Rumänien) geborene Schriftsteller ist in Sackelhausen bei Temeswar/ Timisoara aufgewachsen. Er studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Temeswar.

Ortinau war in den 1970er Jahren eines der Gründungsmitglieder der „Aktionsgruppe Banat”, der Persönlichkeiten wie Richard Wagner, Rolf Bossert, William Totok, Johann Lippet und Ernest Wichner angehörten und dem auch Herta Müller und Horst Samson nahestanden. Nachdem Ortinau Arbeitsund Publikationsverbot in Rumänien erhielt, verließ er das Land.

Seit 1980 lebt Gerhard Ortinau in Berlin und erhielt im Laufe der Jahre mehrere Stipendien und Literaturpreise. Ortinau setzt sich in seinen Werken häufig mit Fragen der deutschen Minderheit in Rumänien auseinander. Diese Thematik findet sich auch in den beiden Erzählungen, mit denen der Schriftsteller in der Anthologie „Deutsche Erzähler aus Rumänien nach 1945“ vertreten ist. Die von Olivia Spiridon herausgegebene Publikation wurde im Rahmen der Veranstaltung im DZM kurz präsentiert. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen, durchgeführt.

Die Lesung mit Gerhard Ortinau war einer der zahlreichen Programmpunkte, die die Ausstellung „Heimatsachen. Donauschwäbische Grüße zum baden-württembergischen Geburtstag“ im Donauschwäbischen Zentralmuseum begleiteten. Aufgrund der guten Publikumsresonanz wurde die Sonderschau bis zum 3. Februar 2013 verlängert.

Die Präsentation ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Ludwig-Uhland- Instituts für Empirische Kulturwissenschaft der Eberhard-Karls-Universität Tübingen mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und dem Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm. Im Mittelpunkt der Schau stehen Menschen, die zum erfolgreichen Zusammenwachsen des Südweststaates beigetragen haben. Es handelt sich dabei vorrangig um Donauschwaben, die seit 1944/45 als Flüchtlinge, Heimatvertriebene oder Aussiedler hier eine neue Heimat fanden. Sie haben das Land in vielerlei Hinsicht bereichert und erheblich zur Entwicklung Baden-Württembergs beigetragen.

Die Ausstellung und die Begleitpublikation nahmen den 60. Landesgeburtstag zum Anlass und präsentierten dabei herausragende Aspekte der donauschwäbischen Welt. Zu Beginn des Projektes wurden die donauschwäbischen Heimatortsgemeinschaften aufgefordert, dem Land Baden-Württemberg ein symbolisches Geburtstagsgeschenk zu überreichen. 100 Heimatortsgemeinschaften und Vereine haben sich an der Aktion beteiligt und 500 Geburtstagsgeschenke beigesteuert.

Es handelt sich um Erinnerungsstücke aus der alten Heimat in Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien, aber auch um Dinge, die die Verbundenheit mit ihrer neuen Heimat Baden-Württemberg ausdrücken. Der bei dieser Gelegenheit veröffentlichte Katalog enthält detaillierte Hintergrundinformationen zu den Exponaten.

Die Ausstellung „Heimatsachen“ bildete auch den Ausgangspunkt für ein weiteres Projekt des DZM Ulm. Es handelt sich um die Tagung „Junges Publikum für alte Sachen“, die sich an die Betreuerinnen und Betreuer von Heimatmuseen ehemaliger Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem östlichen Europa richtete. Die Tagung wurde in Zusammenarbeit mit dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg (Stuttgart) und dem Institut für Empirische Kulturwisschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen abgehalten.

Die Wanderausstellung „Die Gerufenen. Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa“ der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen und des Bundes der Vertriebenen wird am 28. Februar im DZM Ulm eröffnet. Die informative Präsentation umfasst eine Zeitspanne von 800 Jahren und deckt geographisch halb Europa ab, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und vom Böhmerwald bis zum Kaukasus. Es geht unter anderem um Mähren, um das Baltikum, um die Westkarpaten, um Siebenbürgen, die Gottschee, den Donauraum, Wolhynien, Galizien, um die Bukowina und Bessarabien sowie um den Wolgaraum.

(KK)

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