Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1283.

Die Verpflichtung zu Freiheit und Demokratie

Eberhard Günter Schulz zum 80. Geburtstag

Der Präsident der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR, Professor Dr. Eberhard Günter Schulz, feierte am 27. Oktober dieses Jahres seinen 80. Geburtstag. Viele Menschen werden an diesem Tag dankbar und in herzlicher Verbundenheit an ihn gedacht und ihm Glückwünsche gesandt haben, denn sein Wirken in vielen Bereichen des kulturellen Lebens ist hoch anerkannt.

1929 in Neusalz an der Oder in Niederschlesien geboren, mußte Eberhard Günter Schulz wie so viele andere Flucht und Vertreibung aus der Heimat ertragen. Doch konnte er die Schulzeit erfolgreich im westlichen Teil Deutschlands beenden und das Studium an der Universität Marburg absolvieren. Dort begann er als junger Assistent seine wissenschaftliche Laufbahn, die mit der Ernennung zum Professor für Philosophie an der Universität Duisburg gekrönt wurde. Schwerpunkt seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit wurde die Philosophiegeschichte des 18./19. Jahrhunderts, insbesondere das Werk von Immanuel Kant.

Es zeichnet Eberhard Günter Schulz aus, daß nicht der bloße Rückblick auf die Vergangenheit Ziel seines Forschens ist. Vielmehr betrachtet er die Analyse der Geschichte der Philosophie und der Lehrmeinungen der Philosophen vergangener Zeiten als Mittel zur Gewinnung grundsätzlicher und auch für die Gegenwart gültiger Erkenntnisse.

So schält sich z.B. bei der Lektüre der Aufsätze von Eberhard Günter Schulz, die in seinem Sammelband „Kants große Entdeckungen" vereint sind, für den Leser heraus, daß Kant mit seinen Thesen entscheidende Einsichten in die philosophischen und auch politischen Grundlagen vermittelt hat, wenn er etwa feststellt: „Das größte Problem für die Menschengattung, zu dessen Auflösung die Natur ihn zwingt, ist die Erreichung einer allgemein das Recht verwaltenden bürgerlichen Gesellschaft." In seiner Erläuterung dieses Satzes arbeitet Schulz die Aktualität der These heraus: „Dieses größte und schwerste Problem bedeutet nichts anderes, als daß die Menschen die moralische Verpflichtung haben, sich überall auf der Welt zusammenzuschließen zu freiheitlich demokratischen Rechtsstaaten, wie wir sagen, oder zu republikanisch verfaßten Staaten, wie Kant sich ausdrückt…"

Das andere große Gebiet im Lebenswerk von Eberhard Günter Schulz stellt die ehrenamtliche Arbeit dar, die dem Thema Vertreibung und deutsche Kultur der ehemals deutschen Provinzen und Siedlungsgebiete gewidmet ist. Im Artikel „Das Schicksal der Vertreibung", abgedruckt im Sammelband „Gedanken über Deutschland in Europa 1967–2007", zeigt der Jubilar den philosophischen Gesamtzusammenhang auf, in dem die Vertreibung steht, aber auch hier bleibt er nicht bei der rechtsphilosophischen Betrachtung stehen, sondern verweist auf die Folgen der Vertreibung für die teilweise auch positive Entwicklung der betroffenen Völker und Menschengruppen.

Eberhard Günter Schulz leistet seit vielen Jahren mit großem persönlichen Einsatz Hervorragendes für die Kulturarbeit der Vertriebenen. Seit 1972 ist er Vorsitzender der Stiftung Kulturwerk Schlesien. Seit ebenso langer Zeit wirkt er im Vorstand der – bis vor kurzem so benannten – Stiftung Ostdeutscher Kulturrat (OKR), deren Präsident er seit dem 1. Januar 2000 ist. Er übernahm die Leitung des OKR in schwerer Zeit; denn zum 30. Juni 2000 beendete die Bundesregierung die institutionelle Förderung der Stiftung. Dank der glänzenden Kenntnisse von Professor Schulz im Finanzwesen und seines ständigen umsichtigen Agierens in dieser schwierigen Materie gelang es ihm, das dem OKR gemäß der Westvermögen-Zuführungsverordnung anvertraute Vermögen zu erhalten, namhafte Spenden einzuwerben und so den Fortbestand und die Weiterarbeit der nun als Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR firmierenden Einrichtung zu ermöglichen. Vor allem konnte auch die vom OKR herausgegebene Zeitschrift „Kulturpolitische Korrespondenz" erhalten und damit eine breitere Öffentlichkeit informiert, angesprochen und in die Kulturarbeit der Vertriebenen einbezogen werden. Demselben Ziel galten und gelten die Verleihungen von Preisen an Medien, Wissenschaftler und im Rahmen der Erzählwettbewerbe an Menschen, die sich mit den Problemen der Vertreibung und der Überwindung ihrer schwerwiegenden Folgeerscheinungen auseinandersetzen. All dieses konnte durch den großen Einsatz von Professor Schulz trotz des Verlustes der institutionellen Förderung fortgeführt werden.

Sehr weit bekannt wurde Eberhard Günter Schulz als Initiator und Gestalter von zwei oft gezeigten Ausstellungen. Zwischen 1964 und 1966 erarbeitete er unter Einbeziehung von 68 Spezialisten eine umfassende Informationsschau über die Deutschen im Osten, die unter dem Titel „Leistung und Schicksal" als Projekt der Stiftung Haus des Deutschen Ostens in Düsseldorf lief. Für den Ostdeutschen Kulturrat gestaltete er unter Mitarbeit von anderen Fachgelehrten die Ausstellung „Große Deutsche aus dem Osten", deren erweiterte Fassung den Titel trägt: „Im Dienste der Menschheit. Bedeutende Persönlichkeiten aus dem historischen deutschen Osten". Ein Begleitbuch gibt ausführliche Erläuterungen zu den auf den Tafeln gezeigten und kurz charakterisierten Persönlichkeiten.

Zahllos sind die von Eberhard Günter Schulz veröffentlichten Artikel, seine Vorträge und die von ihm vorbereiteten und geleiteten Tagungen zur deutschen Kultur im östlichen Europa. Durch seine breite und unermüdliche Wirksamkeit gelang es ihm, auch jüngere Menschen, die als Kinder oder Nachfahren nicht bewußt das Leben in der verlorenen Heimat wahrnehmen konnten, zur Geschichte der deutschen Kultur jenes Raumes hinzuführen. Mit großem Respekt vor seiner bewunderungswürdigen Lebensleistung, die er trotz gesundheitlicher Schwierigkeiten unvermindert fortführt, gelten Eberhard Günter Schulz sehr herzliche Glück- und Segenswünsche für die kommenden Jahre.

Roswitha Wisniewski (KK)

«

»