Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1396.

Direktor kommt von direkt

Lothar Hyss leitet das Westpreußische Landesmuseum Warendorf

Ein musealer Sessel taugt augenscheinlich nicht zum Zurücklehnen, und das hat Lothar Hyss auch nie getan
Bilder: Dieter Göllner

Mit 38 war er einer der jüngsten Museumsdirektoren, als er am 1. April 1998 seinen Dienst in Münster-Wolbeck antrat. Als neuer Direktor des Drostenhofes folgte er dem in Rente gehenden Hans-Jürgen Schuch. Der gebürtige Schlesier Lothar Hyss, seines Zeichens promovierter Kunsthistoriker, sammelte erste Berufserfahrungen im Haus Schlesien bei Königswinter. Dann wechselte er in die westpreußische Thematik. Und dort blieb er bis heute – zwei Jahrzehnte lang.

„Ich hatte viel Glück im Leben“, bekennt Lothar Hyss in der Rückschau. Bereits in Münster-Wolbeck brachte er neuen Wind in altes Gemäuer. „Meine Aufgabe war es, dem Westpreußischen Landesmuseum neue Akzente und Schwerpunkte zu geben“, erinnert sich der Direktor. Das Ergebnis war nicht nur die Erneuerung der Dauerausstellung, sondern das waren auch viele interessante thematische Präsentationen. Auch knüpfte er Kontakte zu Einrichtungen im In- und Ausland und legte den Grundstein für die engen Partnerschaften mit dem Nationalmuseum oder dem Historischen Museum Danzig.

Bald entsprachen die räumlichen und technischen Gegebenheiten dem Erneuerungs-Konzept nicht mehr. Das Museum war nicht behindertengerecht, es war schlecht isoliert, die Lager- sowie Ausstellungsräumlichkeiten reichten nicht mehr aus. So begann die langwierige Suche nach einem neuen Standort. Lothar Hyss und die Verantwortlichen der Einrichtung zögerten nicht lange, als sich die Möglichkeit ergab, das alte Franziskanerkloster in Warendorf zu nutzen. 2011 wurde der Mietvertrag unterzeichnet, drei Jahre später gab es nach größerem Umbau und aufwendigem Umzug die feierliche Eröffnung.

Für Lothar Hyss ist die Leitung des Westpreußischen Landesmuseums mehr als ein Beruf, es ist sprichwörtlich eine Berufung. Ein neues Ausstellungs-Konzept sollte von Anbeginn Brücken zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft errichten. Wichtig war der Museumsleitung, dass sich die Einrichtung harmonisch in die neue Kulturlandschaft integriert und dass sie von immer mehr Besuchern angenommen wird.

Lothar Hyss ist stolz darauf, dass im neuen Ambiente mit moderner Infrastruktur viele Exponate – wie etwa Bernstein-Objekte – erstmals zu sehen sind oder – wie die Danziger Tapisserie von 1620 – im neuen Glanz erstrahlen. Dem Museumsdirektor lag auch viel daran, dem teilweise problematischen Miteinander von Polen, Kaschuben, Niederländern und Deutschen im einstigen Westpreußen und heutigen Polen Raum zu geben. So wird dem Besucher ein Nachbau einer Häftlings-Pritsche aus dem KZ Stutthof gezeigt, wobei Flucht, Vertreibung und Migration, aber auch Facetten der Aussöhnung dargestellt werden. Zumal in diesem Themenkreis arbeitet das Museum über die Außenstelle in Krockow/ Krokowa nahe Danzig eng mit polnischen Museen zusammen.

Einen Schwerpunkt seiner 20jährigen Laufbahn hat Hyss dem Veranstaltungsprogramm gewidmet. Vorträge, Lesungen und museumspädagogische Aktionen für Schüler und Jugendliche sowie Veranstaltungen des Kulturreferats und der Kulturstiftung Westpreußen gehören heute zum regelmäßigen Angebot. Aussagen wie „Wir sind in Warendorf angekommen“ oder „Unser Museum soll keine Insel, sondern ein offenes Haus für alle sein“ finden ihr Echo in den vielen positiven Einträgen im Gästebuch bzw. den zahlreichen Klicks auf der Homepage.

Lothar Hyss will jedoch auf allen publikumswirksamen Ebenen die Werbetrommel für das Museum rühren. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des seit kurzem ins Leben gerufenen Vereins zur Förderung des Westpreußischen Landesmuseums im Franziskanerkloster Warendorf, dessen Erste Vorsitzende Magdalena Oxfort ist, die Kulturreferentin für Westpreußen, das Posener Land und Mittelpolen. Der Verein will die ehemalige Klosteranlage und das Westpreußische Landesmuseum bei den ehrgeizigen Projekten unterstützen, um sie noch mehr in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

D. G. (KK)

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