Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1369.

Donauraumschiffchen

„8000 Jahre Geschichte aus Kroatien“ – so lange gibt es jenes noch nicht, der Raum aber war immer ein „Schnittpunkt der Kulturen“

„Die Geschichte von Vinkovci offenbart uns die Bedingungen der Entstehung dessen, was wir heute eine ‚gemeinsame europäische Kultur‘ nennen, die wir in Portugal und in Norwegen, in Litauen und in Griechenland, in Italien und in Schweden, in Kroatien und in Frankreich zu finden glauben, ohne immer genau definieren zu können, was wir damit meinen. Bei Vinkovici handelt es sich nicht nur um eine Stadt, die in einer schönen Region liegt und die auf jeden Fall eine Reise wert ist, sondern auch um einen Ort, der uns als eine Art Exempel sehr viel über Europa erzählen kann, wenn wir nur die Zeichen zu lesen vermögen. Dank der besonders reichhaltigen Vergangenheit wird die Stadt zu einer Art Paradigma, bei dem sich vor uns Einblicke in die bisweilen verborgene Dynamik der gemeinsamen europäischen Geschichte öffnen.“

Das schickte die in Split geborene Autorin, Herausgeberin, Übersetzerin und Seite-13-KK1369Kulturvermittlerin Alida Bremer als Gastrednerin bei der Vernissage der neuen Sonderausstellung im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm voraus. Das DZM stellt erstmals seine Räume für die Gastpräsentation eines Partnermuseums zur Verfügung. Die aktuelle Sonderschau unter dem Motto „Vinkovci – Schnittpunkt der Kulturen. 8000 Jahre Geschichte aus Kroatien“ ist in zwei Bereiche gegliedert. Zum einen sind Schautafeln des Stadtmuseums Vinkovci zu sehen, auf denen in Text und Bild die Geschichte der Stadt von der Jungsteinzeit bis in die jüngste Vergangenheit aufgezeigt wird. Zum anderen bringt sich das DZM-Team mit einem lokalen Ergänzungsteil in Form eines Zeitstrahls in die Präsentation ein, über den die Besucher die Geschichte der Ulmer Region mit jener Vinkovcis vergleichen können. Außerdem werden auch zu den Themen Jungsteinzeit, Römische Zeit und Donauschwaben interaktive Schwerpunkte zum Mitmachen einbezogen.

Vinkovci (deutsch Winkowzi) ist eine Stadt im Osten Kroatiens mit rund 35 000 Einwohnern. Das Stadtmuseum Vinkovci präsentiert sich im DZM mit Schätzen aus seiner Sammlung, die vom Leben und Sterben, vom Mit- und Gegeneinander verschiedener Kulturen erzählen. Die jüngsten Exponate stammen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, die ältesten sind 8000 Jahre alt.

In der Ausstellung wird die Besiedlungsgeschichte der Stadt mit informativen Text- und Bildtafeln sowie anhand von Exponaten beleuchtet. Dazu zählt u. a. ein Gefäß aus der Kupferzeit, das mit geheimnisvollen Symbolen verziert ist. Weitere Objekte erzählen von den ersten Ackerbauern in Südosteuropa, vom Alltag in der römischen Colonia Aurelia Cibalae und von der Besiedlung durch Slawen im frühen Mittelalter. In Vinkovci wurden auch Spuren aus der Zeit der Türkenkriege und Zeugnisse der deutschen Bevölkerung, die seit dem 18. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hier lebte, entdeckt.

Neben den uralten Keramikgefäßen sind auch Goldmünzen mit dem Konterfei zweier römischer Kaiser und eine fantasievolle Gewandfibel sowie ein Knochenkamm aus der Zeit der Völkerwanderung und ein Feuerwehrhelm aus der Habsburgermonarchie zu sehen. Auch eine Gehschule, mit der einst donauschwäbische Kinder laufen lernten, ist dabei.

In der Präsentation wird deutlich, dass sich Gemeinsamkeiten sowohl zwischen Deutschland und Kroatien als auch über den Donauraum hinaus ergeben, die viele Völker und Kulturen in Europa verbinden. Die Ausstellung ist im DZM Ulm bis zum 18. September zu besichtigen.

(KK)

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