Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1221.

Drum prüfe, wer sich führen lassen will

Das touristische Angebot polnischer Studenten ist zu begrüßen und mit Einsicht und Umsicht zu genießen

„Wollten Sie sich nicht schon immer mal auf die Suche nach den Wurzeln Ihrer Familien begeben? Diese liegen in Polen, und Sie sprechen kein Polnisch? Sie möchten mehr erfahren über die Geschichte der Region, über ihre heutigen Bewohner und ihr einstiges Schicksal?“ So verlockend klingt der Eingangstext eines deutschsprachigen Prospektes, der anläßlich einer deutsch-polnischen Tagung Ende März im Collegium Polonicum in Slubice, der Nachbarstadt von Frankfurt/Oder, auslag.

Zahlreiche deutsche Teilnehmer lasen es mit Interesse. Telefonische Nachfragen bestätigten, daß mit diesem Angebot Ostpreußen, Pommern, Ost-Brandenburg und Schlesien gemeint sind, aber auch Westpreußen und das Posener Land. Eigens ausgebildete polnische Studenten der Europa-Universität Viadrina begleiten, fungieren als Dolmetscher und erklären die Geschichte und Gegenwart der Reiseziele. Auch Einzelfahrten sind möglich. Es sollen bereits positive Erfahrungen vorliegen.

Offensichtlich wollen sich mit diesem Projekt Studenten etwas Geld verdienen, niemand wird sich dagegen aussprechen, zumal es ein sinnvolles Angebot ist.

Aber Fragen müssen gestellt werden: Welche Geschichte wird den Besuchern vermittelt? Ist es die deutsche Geschichte dieser Regionen bis 1945, die Geschichte der Vertreibungen, der Ansiedlungen polnischer Menschen und die Entwicklungen bis zur Gegenwart? Oder wird ein Geschichtsbild der wiedergewonnenen Gebiete vermittelt, das die Jahrhunderte vor 1945 einfach übergeht? Ist es ein Geschichtsbild, wie es heute in den polnischen Schulen gelehrt wird?

Diese Fragen haben mit Blick auf deutsche Interessenten durchaus ihren Sinn, denn es sind möglicherweise nicht nur Heimatvertriebene, sondern auch Menschen, die nicht zu den Erlebnisgenerationen gehören und deren Bild von ostdeutscher Geschichte in vielen Fällen mehr als lückenhaft ist. Ein Anruf ist allemal zu empfehlen; im Prospekt heißt es: „Ein individuelles Angebot erstellen wir Ihnen gerne“ (0335/2801652).

Karlheinz Lau (KK)

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