Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1244.

Ein „statthafter Ort“ für Friedrich I.

Das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen zeigt eines der seltenen Bildnisse von Preußens erstem König

Er wird immer noch in den Schulbüchern genannt und ist für die preußisch-deutsche Geschichte wichtig. Friedrich I. war Preußens erster König. Ein großformatiges Ölgemälde zeigt den Regenten auf seinem Thron. Im Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen-Hösel ist das dreihundert Jahre alte Bildnis nun für längere Zeit zu sehen. Nur wenige der damals von den Hofmalern geschaffenen großformatigen Porträts haben sich erhalten. Aus rheinischem Adelsbesitz kam diese private Leihgabe vor Ostern 2007 in eines der deutschen schlesischen Museen. Eine identische Arbeit befindet sich im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig.

Dieses Bild ist signiert vom Bildnismaler Friedrich Wilhelm Weidemann (1668, Osterrode – 1750, Berlin). Es dürfte im Jahrzehnt nach 1702 entstanden sein, als Weidemann als Königl. Preuß. Hofporträtmaler tätig und der Bedarf an Friedrichs Selbstbespiegelung groß war. Auch unter dem Nachfolger von Friedrich Wilhelm I., dem sog. Soldatenkönig, war der als preiswert geltende Künstler sehr geschätzt und produktiv.

Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. hatte sich 1701 in Königsberg selbst zum König in Preußen gekrönt. Fortan trug er den Titel Friedrich I. und begründete eine dynastische Linie der Hohenzollern, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges acht weitere Könige hervorbrachte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts strebten einige deutsche Monarchen eine formelle Standeserhöhung an.

Die Kurfürsten hatten nächst dem deutschen König eine herausragende Funktion. Ihnen kam seit dem Mittelalter das Wahlrecht im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation zu. Sie wählten und krönten den deutschen König, den über viele Jahrhunderte die Habsburger stellten. Ein weiterer Königstitel im Reich war somit reichsrechtlich unmöglich. Da kam es Friedrich zustatten, daß er mit dem Herzogtum Preußen im Osten über ein Territorium verfügte, das außerhalb der Reichsgrenzen lag. Da nun auch andere Kurfürsten, namentlich die Welfen in Hannover und die Wettiner in Dresden, sich außerhalb des Reiches mit Ämtern, Pfründen und Titel ausstatteten, wollte der brandenburgische Kurfürst nicht nachstehen.

Friedrichs Gemahlin Sophie Charlotte stammte aus dem Haus Hannover, so daß man die Anrechte und Bemühungen um die Thronfolge in Großbritannien kannte. Der Vater von Friedrich, der sogenannte Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1640–1688), hatte das karge Land an Oder, Havel und Spree schon in den Kreis der deutschen Großmächte gebracht. Sein Sohn wollte nun den Staat zu einer europäischen Macht ausbauen.

Die Regentschaft zwischen 1688 und 1713 ist aber ohne besondere Höhe­punkte geblieben. Der für den Absolutismus maßgebliche Territorialzuwachs blieb auch aus. So ist es im wesent­lichen die eigene Königskrönung im fernen ostpreußischen Königsberg, die in Erinnerung bleibt. Doch dieser Akt war nur im Einvernehmen mit dem Kaiser möglich. Selbst­bewußtsein wurde nicht mit Provokation verwechselt. Seit 1690 wurde in Wien verhandelt, bis sich Ende 1700 im Konflikt um die spanische Erbfolge eine für Brandenburg-Preußen günstige Lage abzeichnete. Längst gab es Vorbereitungen zur Krönung, die am 18. Januar 1701 mit barocker Großzügigkeit und Pracht­entfaltung vorgenommen wurde. Dabei kam es auch zur Stiftung der höchsten Auszeichnung, des Schwarzen Adlerordens.

Das große Ölbildnis mit repräsentativ vergoldetem Rahmen und stuckierten Herrschersymbolen ist für das Oberschlesische Landesmuseum eine wichtige Leihgabe. Zwar gab es zur Zeit Friedrichs I. noch keinen unmittelbaren Kontakt mit Oberschlesien, doch sein Enkel Friedrich II. ergriff sofort mit Regierungsbeginn die Initiative zur militärischen Einverleibung ganz Schlesiens in den brandenburgisch-preußischen Staat.

Die Geschichtsschreibung über Schlesien und die historische Erziehung in Schlesien war seither für zwei Jahrhunderte auf Preußen fixiert. Als erster König war Friedrich I. darum immer eine Bezugsperson. Sein Staatsbildnis ist somit ein guter Ausgangs­punkt für jeden, der sich mit der zum Königreich Preußen gehörenden Region zwischen Oder und Weichsel vertraut machen will.

Stephan Kaiser (KK)

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