Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1401.

Ein Fenster mit Blick auf die Geschichte

Denkmal für die umgesiedelten Deutschbalten in Estland

Der estnische Privatmann Tönis Kaasik hatte die Idee, zum 100. Jahr der Selbständigkeit Estlands ein Denkmal zur Erinnerung an die umgesiedelten Deutschbalten aus Estland auf seinem Grundstück aufzustellen. Vor vielen Jahren hatte er das ehemalige Gut Sackhof der Familie von Löwis of Menar erworben. Zehn Jahre benötigte er, um das Gebäude zu restaurieren und zu renovieren. Ein sehr schönes Hotel mit Restaurant entstand, das direkt auf der Steilküste am Finnischen Meerbusen liegt.

Die Einweihung des Denkmals fand am 18. Oktober 2018 statt. An diesem Tag verließ vor 79 Jahren das erste Umsiedlerschiff den Hafen von Tallinn/Reval.
Tönis Kaasik hatte einen Bus in Tallinn/Reval organisiert, der viele Esten und deutschbaltische Gäste abholte, nach Saka und am Abend wieder zurück brachte. Einige benutzten den eigenen PKW. Nach einer Fahrt von etwa zwei Stunden erreichten wir Saka, wo wir mit Kaffee, Tee, Obst und einer Menge verschiedener köstlicher Piroggen empfangen wurden.

Nach der baltischen Stärkung begaben sich über 100 Teilnehmer zum verhüllten Denkmal. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel begrüßte Tönis Kaasik die Anwesenden. In seiner Ansprache bedauerte er die Auswanderung der Deutschbalten. „Estland hat den Deutschbalten viel zu verdanken. In verschiedensten, wichtigen Bereichen des Zusammenlebens haben sie unendlich viel für Estland, seine Bevölkerung und die gemeinsame Heimat geleistet.“

Anschließend sprachen der deutsche Botschafter in Estland, Christoph Eichhorn, Anne-Ly Reimaa vertrat Indrek Saar, den Minister für Kultur. Sie zählte viele gemeinsame kulturelle Aktivitäten mit Deutschbalten in und außerhalb Estlands auf. Der Bildhauer Simon von Seakyll war leider nicht anwesend. Architekt Kalle Röömus wurde vorgestellt. Heiner von Löwis of Menar ergriff als letzter das Wort und berichtete über das Leben seiner Familie auf Gut Sackhof. Sie verließ das Gut und das Land 1939.

Zum Schluss begrüßte die Gemeindevorsteherin von Toila, Eva East, die vielen Gäste. Danach wurde das Denkmal enthüllt. Es steht auf der Steilküste, auf einer großen Rasenfläche, die zum ehemaligen Gut gehört. Man erblickt ein zweiflügeliges, geöffnetes Fenster, gehalten von einem stabilen Eisenrahmen, der auf einem Podest steht. Drei Störche mit ausgebreiteten Schwingen fliegen zum Fenster hinein. Symbolisch – sie fliegen in die Heimat zurück. Der Betrachter blickt durch das Fenster hindurch aufs Meer und in den blauen Himmel. Einen schöneren Platz hätte man nicht finden können.

Nach der Einweihung begaben sich alle Teilnehmer ins Gutshaus, wo ein Symposium mit Diskussion über die Umsiedlung stattfand. Dr. Olev Liivik (Estnisches Historisches Museum und Vorsitzender der Gesellschaft für deutschbaltische Kultur in Estland) oblag die Organisation der Veranstaltung mit fünf Vorträgen über die Umsiedlung: Dr. Olev Liivik, Estland (Warum sind die Deutschbalten 1939 gegangen und nicht geblieben?), Triin Tark, Universität Tartu/Dorpat (Wer wurde im Jahr 1941 umgesiedelt?), David Feest, Nordost-Institut Lüneburg (Zwischen Estland und Deutschland. Bankier Klaus Scheel und die Umsiedlung von Deutschbalten), Anne Untera, Estnisches Kunstmuseum Tallinn/Reval, (Deutschbaltische Kunst in den Wirren der Umsiedlung und später in estnischen staatlichen Museen), Tönis Liibek, Technische Universität Tartu/Dorpat (Deutschbaltische Familienalben und ihr Schicksal).

Ich denke, wir dürfen Tönis Kaasik sehr dankbar sein, dass er für die Deutschbalten, die über viele Jahrhunderte gemeinsame Geschichte in Estland gelebt und geprägt haben, eine sichtbare, bleibende Erinnerung geschaffen hat.

Babette von Sass (KK)

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