Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1281.

Ein’ feste Burg braucht die Identität

Festungsmodelle und -pläne aus Ratingen in Schlesien ausgestellt

Innerhalb einer Sonderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums (OSLM) über die schlesischen Festungen, die in verschiedenen schlesischen Städten von Jauer bis Neisse gezeigt wurde, nahm das Modell der Festung Silberberg einen besonderen Platz ein. Das Modell von Wolfgang Bleyl ist geeignet, den herausragenden Stellenwert dieser friderizianischen Bergfestung darzustellen. Die dreidimensionale Darstellung ist zwar gestalterisch unmaßstäblich überhöht, doch das macht die Kubatur noch deutlicher.

Damit werden die zentralen Ideen des Konzeptes und des Entwurfs sichtbar. Das Modell fand darum sehr guten Anklang. Während bei der Ausstellung ansonsten weitgehend Kopien von historischen Plänen herangezogen wurden, kann mit einem Modell das Publikum hervorragend angesprochen werden.

Die Ausstellung ist ein Beitrag zur historisch-politischen Bildung. Das OSLM zeigt damit der polnischen Bevölkerung die Baudenkmäler als konkrete Zeugnisse deutscher Geschichte. Heute wird viel vom gemeinsamen Kulturerbe gesprochen. Dazu braucht es neben Offenheit auch zutreffende Kenntnisse. Diese Präsentation trägt dazu bei. Die öffentliche Förderung, auch durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau, unterstreicht die Bedeutung des Kooperationsprojekts. Es umfaßt im wesentlichen die Zeit vom Beginn der preußischen Herrschaft in Schlesien bis zu den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts büßten die schlesischen Festungen ihre originäre Rolle immer mehr ein. Mit der Aufhebung des Festungsstatuts ergaben sich neue städtebauliche Möglichkeiten. Aus den Wällen wurden teilweise Grünanlagen, neue Ausfallstraßen wurden zu Boulevards.

Gegenwärtig wächst das Interesse an der schlesischen Festungsgeschichte. Die Ausstellung gibt historische Informationen, die für die zukünftige Erhaltung und Nutzung hilfreich sein werden. Die ersten Ergebnisse einer identitätsstiftenden Wirkung sind schon erkennbar. Gerade wurde eine innenstädtische Bastion in Neisse als städtisches Kulturhaus eröffnet. Dem Vergleich solcher Bauwerke im europäischen Kontext kommt künftig eine wichtige Rolle zu. Eine Erhaltung einst militärischer Bauwerke durch Revitalisierung funktioniert am besten, wo sich fundierte Informationen mit eigenen Eindrücken verbinden.

(KK)

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