Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1318.

Ein Mehr für Minderheiten

Was wäre das? fragt das Haus des Deutschen Ostens München

Während die internationale Politik sich nurmit Euro-Rettung, Sparpaketen und Energiewende befaßt, greift das Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München in seiner Eigenschaft als Institution des Freistaates Bayern für die Deutschen aus dem Osten und deren Kultur und als nachgeordnete Behörde des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen im Veranstaltungsjahr 2012 „Nischenthemen“ auf, die eine gründliche und grundsätzliche
Beachtung verdienen. Zwei internationale Fachtagungen hat das HDO deshalb bereits terminiert.

In Kooperation mit der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen,
der zentralen Lehrerweiterbildungseinrichtung in Bayern, und der Akademie für politische Bildung in Tutzing geht es in der Gemeinde am Starnberger See vom 19. bis zum 23. März 2012 um „Minderheiten in Europa“. Dabei nehmen die drei Veranstalter
mit namhaften Referenten historische und aktuelle Fragen zur Volksgruppen- und
Minderheitenpolitik in Europa in den Blick.

Der Lehrgang zur fächerübergreifenden politischen Bildung beschäftigt sich mit dem
stets aktuellen Gesamtkomplex der nationalen, ethnischen und religiösen Minderheiten in Europa. Ein Siebtel der Bevölkerung der Europäischen Union gehört autochthonen Minderheiten an. Das sind etwa 70 Millionen Menschen. In Europa insgesamt gibt es nach Schätzung des Europarates rund 200 verschiedene nationale Minderheiten. Bis heute bedeutet diese Vielgestaltigkeit nicht nur eine kulturelle Bereicherung, sondern ein erhebliches Konfliktpotential. In einer langen Menschen- und Völkerrechtsdiskussion sind daher Standards und Rechtsnormen zum Minderheitenschutz entwickelt worden, die ein selbstbestimmtes Leben gemäß der eigenen Identität ermöglichen und Konflikte ausräumen sollen. Im einzelnen sollen folgende Fragen untersucht werden: Selbst- und Fremdbilder: Was ist eine Minderheit?; Minderheit und Nationalstaat: Konfliktpotentiale in Geschichte
und Gegenwart; Selbstbestimmtes Leben: Minderheitenschutz im nationalen, europäischen und internationalen Recht; Unbekannte Lebenswelten: Minderheiten in Deutschland und Deutsche als Minderheit im europäischen Ausland; Europäisches Mosaik – Lebensweise, Selbstverständnis, rechtlicher Status von Minderheiten in Europa an ausgewählten Beispielen; Ausgegrenzt und mißverstanden? – Sonderfall Sinti und Roma in Europa.

Als Referenten erwartet werden u.a.: Staatssekretär Dr. Christoph Bergner aus dem
Bundesministerium des Innern, der auch Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten ist, Jan Diederichsen aus Flensburg, der Generalsekretär der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV), der auch als Leiter des Sekretariats der Deutschen Volksgruppe in Kopenhagen/Dänemark amtiert. Der Präsident des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), Bernard Gaida, und der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Warschau, Rüdiger Freiherr von Fritsch,
werden ebenso zur Podiumsdiskussion über Minderheitenpolitik in Europa unter
besonderer Berücksichtigung der deutschpolnischen Problematik erwartet wie der mit Wohnsitz in Oberschlesien und Bayern beheimatete Historiker Matthias Lempart. Daneben werden die Vertreter der Minderheiten aus Deutschland, Sorben, Dänen, Friesen über ihre aktuelle Lage berichten, sich mit Kultur, Schule, Sprachförderung, Rechtslage und Perspektiven auseinandersetzen. Über diese Themen wird auch der
externe Leiter des HDO-Forschungsprojektes zu den deutschen Minderheiten im Osten Europas, Dr. Meinolf Arens, exemplarisch für Ungarn und die Slowakei berichten; die Leiterin des Zentrums für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache in Mediasch/ Siebenbürgen/Rumänien, Ioana- Adriana Hermann, soll dies für die deutsche Minderheit in Rumänien tun. Zum Abschluß kommt ein „heißes“ Balkanthema zur Sprache, zu welchem sich der Kenner Erich Rathfelder aus Berlin äußern wird: „Separation als Lösung? – Minderheiten, Nationalismus und Konflikte auf dem Balkan“.

Für die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen moderiert wird die Tagung von Studiendirektor Siegfried Münchenbach, dessen Eltern aus Komotau/ Sudetenland stammen, für die Akademie für politische Bildung Tutzing zeichnet Dr. Michael Mayer verantwortlich, das Haus des Deutschen Ostens wird von Leitendem Regierungsdirektor Dr. Ortfried Kotzian vertreten, der auch als Referent tätig sein wird. Interessenten melden sich bei der Akademie für Politische Bildung Tutzing, Tagungssekretariat Ina Raus, Buchensee 1, 82327 Tutzing, oder per E-Mail an: i.raus@apbtutzing.de. Für Unterkunft und Verpflegung wird ein Tagungsbeitrag von 130 Euro fällig. Vegetarische Kost ist bei rechtzeitiger Anmeldung möglich, Rückfragen unter Telefon 08158/256-53.

Auch der Termin für die 4. HDO-Studienwoche in der Bildungsstätte Heiligenhof steht bereits fest, Anmeldungen sind dort möglich. Vom 4. bis zum 9. November 2012 wird das Haus des Deutschen Ostens zum Thema „Deutsche Kultur im Osten Europas: Grenzüberschreitende Kulturarbeit im Dienste der Völkerverständigung“ einladen.
Als Referenten werden die Inhaber der Stiftungslehrstühle der Bundesrepublik Deutschland in Olmütz/Olomouc, Fünfkirchen/ Pécs und Klausenburg/Cluj mitwirken. Im Jubiläumsjahr des Heiligenhofes ein wahrlich „schönes“ Studienthema.

Ortfried Kotzian (KK)

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