Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1356.

Einander zuhören und -schauen

Haus Schlesien aus Königswinter in Leubus/Lubiaz

einander-zuhoerenDas Sammeln und Bewahren schlesischen Kulturgutes und dessen Erforschung bilden den Schwerpunkt der Museumsarbeit des Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) Haus Schlesien. Die Einrichtung will mit Ausstellungen und Veranstaltungen die deutschgeprägte europäische Kulturlandschaft sowie das wechselvolle Schicksal Schlesiens und seiner Menschen unterschiedlicher Sprache und Nationalität anschaulich machen.

In der Dauerausstellung und in mehrmals im Jahr wechselnden Sonderschauen in Königswinter-Heisterbacherrott, aber auch im Rahmen thematischer Kooperationen mit deutschen und polnischen Partner-Museen zeigt Haus Schlesien dies- und jenseits der Grenzen Aspekte der historischen und kulturellen Vielfalt der Region auf. Hinzu kommt, dass im Sommerrefektorium und im nördlichen Teil der Prälatur von Kloster Leubus feste Ausstellungen zu verschiedenen Themen sowie eine jährlich wechselnde Schau installiert sind. Die deutsch-polnischen Ausstellungen stammen aus dem Haus Schlesien.

Eines der jüngsten Beispiele für ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt ist die neue Sonderausstellung, die Haus Schlesien und das Archäologisch-Historische Museum Glogau/Glogow vor kurzem im Kulturhaus von Leubus/Lubiaz, Polen, eröffneten. Ziel der Präsentation mit dem Titel „Der Weg ins Ungewisse. Vertreibung aus und nach Niederschlesien 1945–1947“ ist, das Schicksal der in dieser Zeit vertriebenen Deutschen und der in Schlesien angesiedelten Polen erfahrbar zu machen.

Die Beiträge zur Vertreibung der Polen sind im Muzeum Archeologiczne-Historyczne (Archäologisch-Historisches Museum) in Glogau entstanden. Sie geben die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion im Nachbarland wieder. Die Texte über Flucht und Vertreibung der Deutschen wurden im Haus Schlesien von Königswinter verfasst und spiegeln den öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs zu der Thematik in Deutschland wider. Im Rahmen der Präsentation kommen übrigens auch Zeitzeugen aus Leubus – ehemalige und neue Bewohner – zu Wort.

In besonderem Maße waren Polen und Deutsche von den Zwangsumsiedlungen und Grenzverschiebungen der Alliierten betroffen. Mehrere Millionen Deutsche und Polen flohen oder wurden aus ihrer Heimat vertrieben und mussten in einer fremden Umgebung von vorne beginnen. Obwohl sich diese Geschehnisse mehr oder weniger parallel ereigneten und auf den gleichen Raum beziehen, werden sie auch nach 70 Jahren noch überwiegend getrennt voneinander behandelt und erinnert. Die neue Sonderschau setzt hier an und stellt die unmittelbare Nachkriegsgeschichte und die Vertreibungserlebnisse beider Völker gemeinsam dar. Auf diesem Weg soll die Öffentlichkeit die eigene, vor allem aber auch die Geschichte der Nachbarn näher kennenlernen. Verständigung ist bekanntlich nur dann möglich, wenn einem neben der eigenen Vergangenheit auch die des Nachbarlandes vertraut ist.

Ein zweiter Teil des Ausstellungsprojektes, das die Vertreibungen in Nieder- und Oberschlesien zum Gegenstand hat, ist als Wanderausstellung angelegt und wird am 14. Juni im Haus Schlesien in Königswinter eröffnet. Diese ebenfalls zweisprachige Präsentation ist in Zusammenarbeit mit dem Muzeum Archeologiczne-Historyczne in Glogau und dem Museum in Neisse entstanden. Weitere Stationen sind ab Herbst im In- und Ausland geplant.

Einige der im Haus Schlesien entstandenen Ausstellungen können übrigens auch virtuell besucht werden. Die Präsentationen „Klosterdämmerung. 200 Jahre Säkularisation in Schlesien“, „Ernst Friedrich Zwirner. Ein schlesischer Baumeister im Rheinland“, „Natürlich Oder. Ein Fluss wird neu entdeckt“ und die beiden Ausstellungen „Revolution, Reform oder Restauration. Die Befreiungskriege und ihre Rolle in der deutschen Geschichtsschreibung“ und „Für, mit und gegen Napoleon. Schlesien 1806–1815“ sind online jederzeit offen.

Dieter Göllner (KK)

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