Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1333.

Eine Partei wurde zur Gemeinde

Ausstellung über die sudetendeutschen Sozialdemokraten in Stuttgart

Im Jubiläumsjahr der SPD zeigt das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg bis zum 24. Juli die Ausstellung „Die sudetendeutschen Sozialdemokraten. Von der DSAP zur Seliger-Gemeinde“.

Die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei (DSAP) wurde 1919 gegründet. Anfang der 1920er Jahre prägten nationale Auseinandersetzungen zwischen Tschechen und Sudetendeutschen die junge, tschechisch dominierte Republik. Die Führung der DSAP steuerte einen ausgleichenden Kurs, um soziale und wirtschaftliche Verbesserungen für die deutsche Arbeiterschaft zu erreichen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland 1933 betreuten Mitglieder der DSAP Tausende deutscher Emigranten, die auf der Flucht vor Hitler und seiner Geheimpolizei in die Tschechoslowakei kamen. Einige Jahre später waren die sudetendeutschen Sozialdemokraten selbst dem Terror des Hitlerregimes ausgeliefert. Das Münchner Abkommen sah 1938 die Abtrennung des Sudetenlandes von der Tschechoslowakei und dessen Eingliederung in das nationalsozialistische Deutsche Reich vor. Tausende sudetendeutsche Sozialdemokraten wurden wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt und verhaftet, viele ermordet. Anderen gelang die Flucht ins Exil, vor allem nach Skandinavien und Großbritannien. Im Jahr 1951 trat die Seliger-Gemeinde als „Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten“ die Nachfolge der DSAP in der Bundesrepublik Deutschland an. Sie ist benannt nach dem ersten Vorsitzenden der Partei, Josef Seliger.

Detailreich vermittelt die zweisprachige Tafel-Ausstellung der Seliger-Gemeinde die Geschichte einer Partei, die gekennzeichnet ist von Mut, Idealismus und dem Willen, eine demokratische Gesellschaft zu gestalten.

(KK)

«

»