Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1375.

Eine Vorstellung vom Unvorstellbaren

Ausstellung über Schicksale russlanddeutscher Familien in Düsseldorf

Angesiedelt unter Katharina II., umgesiedelt unter Stalin – oft in solche Lager: Zwangsarbeiter RD 1951 im Lager Kimpersai, Gebiet Aktjubinsk, Kasachstan; Bild aus der Ausstellung

Im 18. Jahrhundert wanderten viele Deutsche aus wirtschaftlichen Gründen nach Russland aus. Als Siedler ließen sie sich im Zarenreich nieder und erlebten die wechselvolle Geschichte der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche vom Russischen Zarenreich zum Sowjetsystem schmerzvoll mit. Als Spätaussiedler kehrten seit 1950, vor allem aber seit den 1990er Jahren rund 2,5 Millionen nach Deutschland zurück. Die Wanderausstellung, die bis zum 15. Januar 2017 im Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus Station macht, präsentiert Schicksalswege deutscher Familien in Russland und der Sowjetunion sowie ihre Integration in die heutige bundesdeutsche Gesellschaft.

Die Ausstellung wird von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V. präsentiert und ist Teil eines bundesweiten Integrationsprojektes, gefördert vom Bundesministerium des Innern und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Sie zeigt mit Tafeln und Schaubildern, Vorträgen und Filmen das wechselvolle Schicksal und illustriert die Historie und die kulturellen Verknüpfungen der Russlanddeutschen mit Russland.

Die Ausreise der Deutschen aus verschiedenen deutschen Kleinstaaten nach Russland hängt mit dem Manifest der Zarin Katharina II. zusammen, die von 1762 bis 1796 das Russische Zarenreich regierte. Die Auswanderung erfolgte angefangen von 1764/1765 bis 1862 mit der Gründung von 3536 deutschen Siedlungen an der Wolga, in der Ukraine, im Kaukasus, in Wolhynien und Bessarabien. Diese deutschen Kolonien wurden streng nach der Religionszugehörigkeit in den von Russland neueroberten Gebieten der ehemaligen Weltreiche der Mongolen und Osmanen angelegt. Doch bereits im Mittelalter siedelten Deutsche im Baltikum, ab dem 16. Jahrhundert in Moskau und ab 1703 in St. Petersburg.

Die heimisch gewordenen Russlanddeutschen mussten nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Jahr 1941 dort einen Leidensweg antreten. Zigtausende Russlanddeutsche verloren ihr Leben durch Deportation, Verschleppung und Ermordung, weil der sowjetische Diktator Stalin sie der Kollaboration mit dem von Adolf Hitler regierten Deutschland zieh.

Hunderttausende kamen in den 1990er Jahren zurück in das Land ihrer Vorfahren, das für sie als Synonym für Hoffnung und Gerechtigkeit stand – Deutschland. Vorurteile und Ablehnung schlugen vielen von ihnen entgegen. Die Ausstellung dokumentiert, wie die russlanddeutschen Rückkehrer unter oftmals schwierigen Bedingungen in Deutschland wieder Fuß fassten, ihre Integration in die Nachkriegsgesellschaft geschafft haben und wie gerade in Nordrhein-Westfalen Deutsche aus Russland heute das Land in vielfacher Weise mitgestalten.

(KK)

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