Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1250.

Eleganz auf steinigem akademischem Weg

Der Schlesienforscher Helmut Neubach hat es mit seiner Arbeit nie leicht gehabt, es sich aber auch nicht leicht gemacht

Diese Würdigung kommt spät, denn bereits seit 1962 beschäftigt sich der renommierte Historiker Helmut Neubach mit dem deutschen Osten. Schwerpunkte seiner Arbeit waren dabei immer seine schlesische Heimat, aber auch Posen und Westpreußen.

Helmut Neubach wurde am 27. 1. 1933 in der oberschlesischen Kreisstadt Grottkau geboren. Bis 1945 lebte die Familie in Brieg, von wo sie vertrieben wurde. Die erste Zuflucht fand sie in Thüringen, 1948 übersiedelte sie aus der Sowjetzone in die Bundesrepublik.

Der Neuanfang war schwer. Bereits als Schüler mußte Helmut Neubach beim Erwerb seines Unterhalts mithelfen. Er war Hilfsarbeiter im Straßen-, Haus- und Bergbau, aber auch der schreibenden Zunft gehörte er als Lokalreporter der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ an. 1954 legte er das Abitur am Gymnasium in Oberlahnstein ab und begann danach das Studium der Geschichte und Slawistik in Bonn, später in Marburg. Dank eines Stipendiums der Stadt Goslar, der Patenstadt von Brieg, war es ihm möglich, drei Semester am Lehrstuhl des Osteuropa-Instituts an der Freien Universität Berlin zu studieren.

1962 hat Helmut Neubach bei dem aus der Provinz Posen stammenden bekannten Historiker und Polenexperten Professor Dr. Gotthold Rhode promoviert. Er schrieb über die Polenpolitik Bismarcks. Nach der Promotion arbeitete Helmut Neubach bis 1968 als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Marburger Herder-Forschungsrates in zwei ostdeutschen historischen Kommissionen, doch schließlich wechselte er in den Schuldienst. In den 80er Jahren fand er wieder Anschluß an die wissenschaftliche Forschung mit verschiedenen öffentlichen Aufträgen und Stipendien.

Die Wende im Ostblock im Jahr 1989 veränderte auch die Einstellung zum und das Interesse am Osten. Im Sommer 1992 wurde Helmut Neubach als Akademischer Oberrat an die Universität Koblenz-Landau berufen.

An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß Helmut Neubach nicht nur ein gefragter Fachmann für den deutschen Osten war und ist, sondern auch für seine neue Heimat, den Rheingau und Rheinland-Pfalz. Er mußte feststellen, daß auch hier vieles noch unbearbeitet war und hat sich dieser Aufgabe mit ebensolchem Elan gewidmet wie der Forschung zu seiner alten Heimat.

Amtsträger im Vertriebenenbereich war Helmut Neubach nie, aber er stand diesen Einrichtungen immer sehr nahe und schrieb eine Vielzahl von Artikeln.

Daß ein derart verdienter Mann auch ausgezeichnet wurde, versteht sich von selbst. Im Jahr 2006 erhielt Helmut Neubach die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz und das Schlesierkreuz. Die Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen, der er seit 1962 angehört und wo er von 1992 bis 2005 Vorstandsmitglied war, ernannte ihn im Herbst 2006 zum Ehrenmitglied.

Unter seinen zahlreichen Arbeiten muß die „Kleine Geschichte Schlesiens“ ganz besonders hervorgehoben werden. Der Band erschien 2007 in Görlitz in 8. Auflage. Es wurden von diesem Heft bereits über 142000 Exemplare verkauft. Zur Zeit arbeitet Helmut Neubach mit Elan an der Fertigstellung eines Bandes über die Geschichte der Provinz Posen, auf die man gespannt sein darf.

Noch bis zum 17. Februar  stellt das Schlesische Museum zu Görlitz unter dem Titel „Beste Qualität zu civilen Preisen“ schlesisches Porzellan seit 1820 aus. Zur Finissage führt Dr. Martin Krüger noch einmal durch die Ausstellung, anschließend sind Kompositionen für Porzellan-Glockenspiel und Bläser zu hören.

Martin Sprungala (KK)

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