Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1334.

Entmündigung macht krank

Das kommunistische Verdummungspotential und die Mangelwirtschaft feiern in den Krankenstatistiken der östlichen Länder unselige Urständ

Der Weltgesundheitsreport 2012 der Weltgesundheitsorganisation WHO – World Health Organisation spart mit Kritik auch an den westeuropäischen Ländern nicht. Jetzt beschreibt auch das britische Medizinjournal „The Lancet“, das renommierteste der Welt, mit einer Serie den Gesundheitsstatus der Europäer in West und Ost, unterteilt nach den Staaten, in denen sie leben. Das Ergebnis zwingt zu gründlichem Nachdenken:

Die Unterschiede beim Gesundheitszustand der Bevölkerung zwischen Ost- und Westeuropa sind heute größer als vor 40 Jahren. Regelungen zum Alkohol- und Tabakkonsum, verbunden mit Fortschritten in der Medizin und der Einführung einer effizienten Gesundheitspolitik sowie einer vielseitigeren Ernährung haben in Westeuropa Erfolge gebracht, heißt es in der Untersuchung. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist dieser Fortschritt allerdings kaum zu erkennen. Mit Ausnahme der baltischen Staaten sei die Lebenserwartung für Neugeborene dort deutlich geringer als in Westeuropa, nämlich zwölf Jahre weniger für Männer und acht Jahre weniger für Frauen. Erst ab dem Jahr 2000 seien überhaupt einige Fortschritte zu erkennen. Neben dem vor allem in Russland und in der Ukraine exzessiven Alkohol- und Nikotinmissbrauch richtet sich die Kritik vor allem darauf, dass es kein Bewusstsein dafür gibt, auch kein politisches , dass eine Ernährung mit wenig Gemüse und Obst und dafür mit vielen gesättigten Fettsäuren Gesundheitsprobleme nach sich ziehen muß. Die unausgewogene Ernährung, fatalerweise geprägt von dem Mangel an frischen pflanzlichen Nahrungsbestandteilen, hat zu einem gehäuften Auftreten chronischer Erkrankungen geführt. Die Sterblichkeit aufgrund von Herz- und Kreislauferkrankungen einschließlich der Infarkte ist deshalb zehnmal so hoch wie in Westeuropa.

Entmündigung-mach-krankTreffend stellen die Autoren fest: „Die politische Geschichte Europas hat tiefe Unterschiede bei der Gesundheit der Bevölkerung hinterlassen.“ Auch in einigen Ländern Westeuropas seien massive Fehler bei der Gesundheitspolitik gemacht worden. Medizinische Erfolge haben sich dadurch verzögert.

Als Beispiel dafür führen die Autoren Länder wie Deutschland, Österreich und Dänemark an: Dort sei der Kampf gegen die Folgen des Rauchens zu spät aufgenommen worden. Auch in Finnland und Großbritannien seien Todesfälle in Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch zu lange ignoriert worden. So habe Finnland beispielsweise erst spät (2008) die Steuern für Alkohol erhöht, und auch da nur moderat. Die Zahl der Todesfälle ist seither zumindest leicht gesunken.

Auch wenn es in einigen Ländern Osteuropas Fortschritte gebe, habe sich in Tschechien an dem Dauerproblem der überhöhten Aufnahme von Speisefetten und noch mehr dem überhöhten Bierkonsum von 170 Litern pro Kopf und in Ungarn an dem der universalen Überernährung nichts geändert. Für Polen hat der Ministerpräsident selbst erklärt: „Das gesamte Gesundheitssystem und der Alkoholkonsum sind unsere Großbaustellen überhaupt!“

Der Gesundheitspolitik in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion stellen die Autoren ein besonders schlechtes Zeugnis aus: „Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren viele Bereiche der Gesundheitspolitik ernsthaft unterentwickelt, und sie sind es noch immer“, heißt es wörtlich. „Es findet fast gar keine Kontrolle des Tabakkonsums statt. Regelungen zum Alkohol hat es nur sporadisch gegeben.“ Noch immer wird in Russland unversteuerter Alkohol getrunken – weil er als Rasierwasser oder Tinktur oder als Reinigungsmittel für den Haushalt verkauft wird.

Dietmar Stutzer (KK)

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