Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1219.

Er liebte Schlesien und arbeitete für diese Liebe

Frank Ebisch zum Gedenken

In Breslau verstarb kürzlich Staatssekretär a. D. Frank Ebisch. Er wurde am 5. Juni 1936 in Neiße geboren. Uns verbanden fast vierzig Jahre, der größte Teil davon in gemeinsamer Arbeit für das Land Niedersachsen. Wir brauchten nie viele Worte, um uns zu verstehen. Unser durch unsere gemeinsame schlesische Abstammung geprägter Lebensweg erleichterte manche Entscheidung, die wir zu treffen hatten.

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems und der Verfestigung demokratischer Strukturen begleitete mich Frank Ebisch auf meiner ersten offiziellen Reise nach Schlesien. Gemeinsam erkundeten wir die Möglichkeiten, partnerschaftliche Verbindungen zwischen der Woiwodschaft Niederschlesien und Niedersachsen aufzunehmen. Seinem Einsatz auf Regierungsebene ist es zuzuschreiben, daß es dann am 22. April 1993 in Breslau zur Unterzeichnung der „Verständigung über die Zusammenarbeit zwischen der Woiwodschaft Niederschlesien und dem Bundesland Niedersachsen“ kam.

Im wesentlichen war es auch seine Initiative, daß der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen, der ursprünglich nur an Deutsche verliehen wurde, 1991 eine neue Ausrichtung bekam und Polen als Preisträger einbezog. Damit wurde der Preis zum deutsch-polnischen Begegnungspreis. Seitdem trägt der nicht mehr wegzudenkende Kulturpreis Schlesien dazu bei, den Gedanken der Verständigung und der Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen zu fördern und der gemeinsamen Pflege und Weiterentwicklung des Kulturgutes Schlesiens Inhalte und Richtung zu geben. Für seine Verdienste wurde er vom polnischen Präsidenten mit dem Offizierskreuz ausgezeichnet.

Wir haben viele Gespräche über schlesische Themen geführt, über die deutsche Vergangenheit und die polnische Zukunft. Für ihn war Verständigung kein politisches Schlagwort, sondern eine der Grundvoraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben von Individuen ebenso wie von Völkern. So sah er immer wieder bekümmert, daß in unserem Lande die Bereitschaft, sich dem Osten zuzuwenden, gering ist.

Über diese Sorge hinausgehend schrieb er mir vor zwei Jahren: „Ich weiß nicht, ob die Generationen nach uns dieses Werk so fortführen können, wie wir es begonnen haben.“

Dieser Zweifel plagte ihn zu Recht. Frank Ebisch liebte Schlesien. Er kam davon nicht los. Immer wieder zog es ihn mit seiner Frau dorthin, in seine Geburtsstadt Neiße, nach Breslau, Liegnitz und nicht zuletzt zum Grab seines Großvaters nach Konstadt. Daß sein Leben in der Landschaft, in der es begann, auch endete, ist voller Bedeutung und übersteigt die menschliche Vorstellungskraft. Aber über allem steht die bittere Tatsache: Er verließ uns viel zu früh. Schlesien und Niedersachsen haben ihm viel zu verdanken. Sein Tod ist Verpflichtung, in seinem Sinne weiterzuarbeiten.

Horst Milde (KK)

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