Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1355.

Es blüht und gedeiht – und heilt

Das Westpreußische Landesmuseum mit blütenreichem Neustart

Es-bluehtDas Ende vergangenen Jahres eröffnete Westpreußische Landesmuseum in Warendorf bietet seinen Besuchern mit der neu konzipierten Dauerausstellung facettenreiche Einblicke in die Geschichte und Kultur des historischen Westpreußen, dessen Gebiet heute Teil der Republik Polen ist. Im ehemaligen Franziskanerkloster aus dem 17. Jahrhundert werden unter dem Motto „Begegnungen mit einer deutsch-polnischen Kulturregion“ sowohl die Historie der Region, die Blüte und der Reichtum aus der Hansezeit dargestellt wie auch die dunklen Kapitel des Massakers im Birkenwald von Piasnitz und der Einrichtung des Konzentrationslagers Stutthof.

Seit Mitte April 2015 ist auch die Sonderschau „Klöster – Burgen – Stadthäuser: Gärten im Mittelalter“ zu besichtigen. Die Kuratorin Dr. Alice Selinger (Dreieich) betonte in ihrem Vortrag bei der Vernissage u.a.: „Verglichen mit der hoch entwickelten Gartenkultur der römischen Antike oder des islamischen Raumes waren die Gärten des Mittelalters in Mitteleuropa unspektakulär. Kenntnisse zu diesen Gärten haben wir vor allem aus der Buchmalerei und Dichtung.“

Neben den Klostergärten werden die Burg- oder Lustgärten der ritterlich-höfischen Gesellschaft als typische Erscheinungen des Hochmittelalters vorgestellt. Damals wurde nämlich der Garten zum ersten Mal in der Geschichte als Erholungs- und Entspannungsort wahrgenommen. Mit dem Aufblühen der Städte und des Handels entstanden im Spätmittelalter die bürgerlichen Gärten, die dem Vorbild der aristokratischen Anlagen nacheiferten. Die Klostergärten der Mönche gelten als die ersten systematisch angelegten und geplanten Gärten des frühen Mittelalters. Die gezüchteten Heilkräuter dienten sowohl der Versorgung der Klöster wie auch den mittelalterlichen Apotheken. Der Klosterplan von St. Gallen ist die früheste erhaltene Darstellung einer idealen Klosteranlage und entstand im Kloster Reichenau am Bodensee um 820. Auf dem Plan sind die Grundrisse von etwa 50 Gebäuden und mehreren Gartenanlagen zu sehen. Zu entdecken sind auch „heilige Zahlen“, die bei der Gestaltung der Klostergärten eine wichtige Rolle spielten. Im Mittelalter galten Zahlen als Symbole für den von Gott in perfekter Harmonie geordneten Kosmos.

Erwähnung findet auch Walahfrid Strabo (809 bis 849), ein Abt des Benediktinerklosters Reichenau am Bodensee. Der Dichter, Botaniker und Erzieher am Hof der Karolinger schrieb um das Jahr 840 das „Buch über die Kulturen der Gärten“, bekannt als „Hortulus“. In lateinischer Versform beschreibt er darin Pflanzen und deren Wirkung. Strabo informiert auch über die damaligen Methoden des Gärtnerns.

Als ein Meilenstein in der Entwicklung der Gartenkultur wird die Landgüterverordnung Karls des Großen dargestellt. In der „Karolingischen Renaissance“ im 8. Jahrhundert sollte die Kultur der Antike wiederbelebt werden, wobei die Verordnung „Capitulare de villis vel curtis imperii“ für die Bewirtschaftung der kaiserlichen Landgüter und Herrenhöfe eine bedeutende Rolle spielte.

Ein Thema, das im Mittelalter häufig von Malern und Buchillustratoren aufgegriffen wurde, ist der Hortus Conclusus, der „verschlossene Garten“. Dieses Bildmotiv ist eng mit der Mariensymbolik verknüpft. So wird auf vielen Marienbildern ein Garten mit Elementen gezeigt, die es auch in der Realität gab. Auf manchen Gemälden wiederum wird der Garten nur angedeutet, beispielsweise durch ein Stück Mauer oder ein Tor.

Die Sonderausstellung rund um mittelalterliche Gärten ist im Westpreußischen Landesmuseum Warendorf bis zum 9. Juni zu besichtigen. Zum Begleitprogramm gehören ein Vortrag von Professor Dr. Klaus Militzer (Köln) über „Jagd und Adelsfeste im Deutschen Orden“ (7. Mai), eine Sonderführung mit Pater Dominikus Göcking OFM (Warendorf) auf den „Spuren des Klosterlebens in Warendorf“ (10. Mai) sowie ein Vortrag von Professor Dr. Erik Fischer (Bonn) über „Hildegard von Bingen und die Universalität des Mittelalters“ (28. Mai).

D. G. (KK)

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