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Ausgaben: Ausgabe 1353.

„Es fällt nun, Mutter, Schnee in der Ukraine“

Der Anfang des Celanschen Gedichts für die ermordeten Eltern kann auch als Motto für eine höchst aktuelle Ausstellung in Augsburg gelten

Es-fällt-nunMit einer Ausstellung zur ukrainischen Bürgerbewegung auf dem Maidan und Boris Reitschusters Eröffnungsvortrag dazu zeigt sich das Augsburger Bukowina-Institut höchst aktuell.

Im Bukowina-Institut an der Universität Augsburg werden die Ereignisse in der Ukraine immer schon höchst aufmerksam verfolgt, denn man hat persönliche Kontakte in dieses Land. Der bayerische Regierungsbezirk Schwaben, Träger des Instituts, unterhält eine sehr lebendige Partnerschaft mit den beiden Regierungsbezirken der Bukowina: Czernowitz (Tscherniwzi) in der Ukraine und Suceava in Rumänien. Schon gleich nach der Wende nutzten die Mitarbeiter des Bukowina-Instituts die Gelegenheit, sich persönlich mit der Region auszutauschen, und seither gibt es einen regen Kontakt mit dortigen Universitäten und Institutionen, Dozenten und Studenten treffen sich auf gemeinsamen Tagungen, und viele Augsburger waren bereits auf einer der legendären Bukowina-Reisen (nach Nordrumänien und in die Westukraine) des Instituts.

Die Ausstellung „Ein neues Land“ des Prager Fotografen Eugen Kukla mit Bildern von der Bürgerbewegung auf dem Maidan war schon lange geplant. Dass ihre Eröffnung ausgerechnet am Tag nach der nächtlichen politischen Mammutrunde in Minsk stattfinden sollte, ahnte man da noch nicht. Deshalb war es auch ungewöhnlich für die Verhältnisse des kleinen Instituts, dass mehr als 200 Eröffnungsgäste kamen. Sicher auch wegen der Fotos und ihres Gegenstandes, aber gelockt hatte nicht zuletzt der Eröffnungsredner Boris Reitschuster, gebürtiger Augsburger, langjähriger Leiter des Focus-Büros in Moskau und bekannt als scharfer Putin-Kritiker.

Was er in seinem Vortrag „Putin x Russland = Demokratur“ zu sagen hatte, war nicht dazu angetan, große Hoffnungen in den soeben unterzeichneten Minsker Waffenstillstand zu nähren. Schonungslos erörterte der Journalist in freiem Vortrag seine Befürchtungen zur weiteren Handlungsweise des russischen Präsidenten und begründete sie mit seinen langjährigen Recherchen aus unmittelbarer Nähe in Moskau. Seine Kritik galt vor allem den westlichen Politikern, die die Situation in Russland nach seiner Auffassung vollkommen unterschätzen und sich „wie Sozialpädagogen statt wie strategische Politiker“ benähmen gegenüber einem Machthaber, der nach wie vor in den erlernten KGB-Kategorien denkt und seine Macht auf eine nur notdürftig als Demokratie getarnte Diktatur stützt.

Die aktuellen Leidtragenden dieser Politik sind die Ukrainer, nun im öffentlichen Fokus. Mit zahlreichen konkreten Erlebnissen belegte Reitschuster seine Haltung. Auch während der Geschehnisse auf dem Maidan wurde er Zeuge der organisierten prorussischen Gegendemonstrationen. Der Maidan-Fotograf Eugen Kukla bestätigte in seiner Einführung zur Ausstellung die friedliche Aufbruchsstimmung der orangenen Revolution, die er bei fünf Besuchen erlebt und auf seinen Bildern festgehalten hat. Diese Bilder einer angst-, aber auch hoffnungsvollen Vergangenheit der Ukraine haben jetzt eine weitere Dimension der Aktualität erreicht und werden damit zum Mahnmal für eine friedliche Lösung des Konflikts mit Russland. Im Bukowina-Institut sind sie bis zum 2. April zu sehen.

Halrun Reinholz (KK)

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