Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1348.

Es weltkriegt allenthalben

In Europa und Deutschland glücklicherweise nur in Medien und kulturellen Einrichtungen – auch ostdeutscher Observanz

Es weltkriegt1Der Vortrag von Prof. Mirosław Ossowski aus Danzig/Gdansk zum Thema „Ostpreußen in der deutschen Literatur nach 1945“ war eine der jüngsten publikumswirksamen Veranstaltungen im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg. Bei dieser Gelegenheit las Arno Surminski ergänzend aus seinen Werken. Das Programm begleitete die bis zum 28. September geöffnete Ausstellung zu Arno Surminskis 80. Geburtstag“.

Hintergrund: Dr. Mirosław Ossowski, geboren 1953, ist Professor am Institut für Germanische Philologie an der Universität Danzig. Er ist Autor zahlreicher Publikationen. Der Vortrag im Ostpreußischen Landesmuseum basiert auf seinem 2011 in Danzig auf Polnisch erschienenen Buch „Literatur der Rückkehr – Rückkehr der Literatur. Ostpreußen in der deutschen Prosa nach 1945“. Einen besonderen Schwerpunkt hat er auf Arno Surminski und die Schilderungen von Masuren in seinen Werken gelegt.

Anfang September 2014 schilderte Dr. Gerhard Scharf, Oberstudiendirektor a. D., in seinem Vortrag „Kriegsende – Vertreibung – Neuanfang“ die dramatischen Ereignisse nach dem Zusammenbruch der deutschen Ostfront in Schlesien im Mai 1945. Ebenfalls im September gab es eine Lesung zum Thema „Große Frauen aus Ostpreußen“. Die Wiesbadener Autorin und Kulturjournalistin Dr. Eva Wodarz-Eichner stellte aus ihrem Buch „Ich will wirken in dieser Zeit“ Frauen vor, die dieses Motto der Bildhauerin Käthe Kollwitz auf ihre ganz persönliche Weise umgesetzt haben.

Zur Person: Dr. Eva Wodarz-Eichner ist freie Journalistin und Buchautorin mit dem Schwerpunkt kulturhistorische Themen. Die Literaturwissenschaftlerin, Historikerin und Redakteurin arbeitet als Dozentin für literarisches und journalistisches Schreiben und moderiert Kulturveranstaltungen. Zu ihren Büchern zählen Biografien wie „Die großen Wiesbadener“ sowie historische Erzählungen und Ratgeber wie „Die Schiller-Strategie“.

Auch wenn das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg in diesem Jahr umgebaut wird und einige Abteilungen der Dauerausstellung nur begrenzt zugänglich sind, läuft der Betrieb weiter. Voraussichtlich wird das Museum ab Januar 2015 für mehrere Monate geschlossen.

Bis zum 19. Oktober 2014 ist im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm (DZM) die Sonderausstellung „Grüße aus dem Großen Krieg – Feldpostkarten von László Moholy-Nagy“ zu sehen (wir haben im vorigen Heft darauf hingewiesen). Der 1895 in Bácsborsód geborene und 1946 in Chicago verstorbene Maler, Fotograf, Typograf und Bühnenbildner war u. a. als Lehrer am Bauhaus in Weimar und Dessau tätig. Er gilt als Gründer des New Bauhaus und der School of Design in Chicago.

Im Jahre 1915 wurde László Moholy-Nagy zum Militärdienst in die ungarische Armee eingezogen. Auf rund 350 Feldpostkarten, die er an Freunde in Budapest schickte, zeichnete er den Alltag der Soldaten. Auch nach einer Kriegsverletzung gestaltete der junge Soldat und spätere Bauhauskünstler im Lazarett farbige Kreide- und Buntstiftskizzen vom Kriegsgeschehen. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von 114 Feldpostkarten. „Meine Begabung liegt in dem Ausdruck meiner Lebens- und Gestaltungskraft durch Licht, Farbe und Form. Als Maler kann ich die Substanz des Lebens geben“, brachte László Moholy-Nagy im Jahre 1919 sein Œuvre auf eine Formel. Die ausgestellten Feldpostkarten von László Moholy-Nagy stammen aus dem Besitz der Ungarischen Látványtár Kunststiftung & Sammlung.

Eine Tanz- und Theater-Performance „Die ersten Tage des Krieges, die letzten Tage der Menschheit“ des österreichischen „teatro caprile“ wird Ende September im Ulmer DZM dreimal aufgeführt. Bei dieser modernen Inszenierung geht es nicht um die vordergründigen Kriegsgeschehnisse, sondern vielmehr um komplexe Zusammenhänge der Zeit.

Es-weltkriegt2Wer die große Mobilitäts-Ausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel nicht besichtigt hat, kann das noch bis zum 5. Oktober nachholen. Die spannende Zeitreise durch Schlesiens Mobilitätsgeschichte ist im Rahmen der Sonderausstellung „Fahren, Gleiten, Rollen. Mobil sein im Wandel der Zeit“ zu erleben. Auch wenn einige der für diese Schau erworbenen Großobjekte – etwa der tschechische Eisenbahnwaggon vom Typ 780 im Außengelände und der Polski-Fiat 126p – dauerhaft in Ratingen verbleiben werden, sollten sich interessierte Besucher einen Rundgang durch die Ausstellung nicht entgehen lassen.

Am 13. und 14. September 2014 beteiligte sich das OSLM Ratingen am 4. Dampflokfest in Königszelt bei Schweidnitz, Niederschlesien. Die Veranstaltung im schlesischen Industrie- und Eisenbahnmuseum von Jaworzyna Slaska/Königszelt war ein beeindruckendes Event der Eisenbahnromantik. Am Dampflokfest nahmen diesmal sieben funktionstüchtige Dampflokomotiven aus Tschechien und Polen teil.
Die Erzählungen von der kleinen Hexe, dem Wassermann und dem Räuber Hotzenplotz sind bei Groß und Klein bestens bekannt. Es gibt Übersetzungen der Geschichten in 55 Sprachen. Die Helden Otfried Preußlers stehen bis zum 18. Januar 2015 im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums. In Zusammenarbeit mit dem Thienemann Verlag entstand eine spannende Präsentation, die neben Gestalten aus den weltberühmten Kinderbüchern auch den Autor Otfried Preußler (1923–2013) vorstellt, der sich seiner böhmischen Heimat stets verbunden fühlte. Hotzenplotz heißt übrigens nicht nur Preußlers Räuber, sondern auch eine kleine Stadt und ein Fluss.

Ab Ende September zeigt das OSLM auch eine weitere Sonderschau mit Neuerwerbungen aus der Sammlung Passek. Das Ehepaar Karl-Heinz und Gudrun Passek sammelte im Laufe vieler Jahre Schriftgut aus Breslau sowie verschiedene schlesische Reiseandenken und Ansichtspostkarten. Es war der Familie wichtig, die mit so manchen Entbehrungen zusammengetragene Sammlung einer Kultureinrichtung zu übergeben, die das Erbe bewahrt und den nachkommenden Generationen zugänglich macht. Dem OSLM gelang die Übernahme der privaten Kollektion mit Hilfe seines Fördervereins.

Bis zum 19. Oktober 2014 zeigt das Rheinbacher Glasmuseum eine dem Glasgestalter Josef Welzel gewidmete Werkschau. Die Ausstellung war als Auftakt zum „Römertag“ am 31. August konzipiert und versteht sich als eine Hommage an das gesamte Schaffen des Künstlers.

Der zum Glasschleifer und Graveur ausgebildete Josef Welzel war von der filigranen Struktur der doppelwandigen römischen Diatretgläser fasziniert. Er fand heraus, wie diese Gläser hergestellt wurden, und bewies, dass es möglich ist, die doppelwandigen, mit einem zarten Glasnetzwerk überzogenen Gläser aus einem einzigen Hohlglas herauszuschleifen. Während seiner Lehrtätigkeit an der Glasfachschule Hadamar hat er als Graveur, Schleifer und Formgestalter Generationen von Schülern geprägt. In der Ausstellung wird die Vielseitigkeit des Künstlers hervorgehoben, der sich als Bildhauer, als Erforscher der antiken Glaskunst und als begnadeter Graveur weltweiter Anerkennung erfreut.

Dieter Göllner (KK)

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