Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1244.

Europa von unten

Die Partnerschaft zwischen dem Bezirk Schwaben und der Bukowina zeigt, daß auch gelebt werden kann, wovon immer geredet wird

Als der Bezirk Schwaben am 2. Mai 1997 als erste deutsche regionale Gebietskörperschaft eine formelle Partnerschaft mit einer Region im Osten Europas einging, bewiesen die Initiatoren besondere Weitsicht:
„Wie sich mit dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union im Januar d. J. gezeigt hat, haben der Bezirk Schwaben und seine Partnerregion, die Bukowina, damit die europapolitische Entwicklung vorweggenommen“, betonte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert im Festsaal der schwäbischen Bildungsstätte Kloster Irsee.

Auch der offizielle Festakt des zehnjährigen Partnerschaftjubiläums zwischen dem Bezirk und der rumänisch-ukrainischen Bukowina war ein Beispiel gelebter Europapolitik: Neben Gästen aus dem rumänischen und ukrainischen Teil der Bukowina konnte der Bezirk Schwaben Vertreter seiner französischen Partnerregion, des Departements Mayenne, begrüßen, mit dem seit genau 20 Jahren eine Partnerschaft besteht. Seit dem Jahr 2000 gibt es zudem einen Vertrag „Vier Regionen für Europa“, der auch die Mayenne in Aktionen mit Schwaben und der Bukowina einbindet. „Solche Verbindungen sind trotz annähernd 4900 internationaler Kommunalpartnerschaften in Deutschland noch eher die Ausnahme“, betonte der schwäbische Bezirkstagspräsident Reichert vor zahlreichen Festgästen.

In Bayern gibt es bislang nur zwei kommunal-regionale Partnerschaften mit Rumänien, neben Schwaben ist die Stadt Landshut eine eingegangen. „Nach zehn Jahren können wir, insbesondere im kulturellen und sozialen Austausch, ein sehr positives Resümee ziehen“, unterstrich Reichert. Zahlreiche Projekte, unter anderem der fachliche Austausch und Weiterbildungsaktivitäten im Bereich der Psychiatrie, die humanitäre und fachliche Hilfe für rumänische Kinderheime sowie die engen Verbindungen der Universitäten Augsburg, Czernowitz und Suczawa bereicherten die Bilanz. „Leider ist es uns im Rahmen dieser Partnerschaft jedoch noch nicht gelungen, auch Kommunen aus Schwaben, Rumänien und der Ukraine zusammenzubringen, während wir mit der Mayenne heute 23 Gemeindepartnerschaften verzeichnen können.“

Gavril Mirza, Präsident des rumänischen Bezirksrates Suczawa, sowie aus der Ukraine Wolodymyr Kulisch, Vorsitzender der Staatlichen Gebietsadministration Czernowitz, Ivan Schelepnytsky, Präsident des Gebietsrates Czernowitz, und Jean-Marc Allain, Vizepräsident des Conseil Général de la Mayenne, würdigten gemeinsam mit Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert beim Festakt den Alt-Bezirkstagspräsidenten Dr. Dr. h. c. Georg Simnacher als „Vater der Partnerschaften“ des Bezirks Schwaben. „Als Dr. Simnacher 1988 die Gründung des Bukowina-Instituts einleitete, war die rasante Öffnung und Entwicklung im Osten noch nicht absehbar – diese Kontakte zur Bukowina waren ein mutiger und weitsichtiger Schritt“, so Reichert, der seinen Vorgänger als Schwaben durch und durch, aber auch als echten Europäer bezeichnete.

Auszeichnungen für ihren ehrenamtlichen Einsatz im Bereich der Partnerschaft erhielten seitens des Bezirkes Schwaben Dr. Loreley Hasovschi, Leiterin der Psychiatrie im rumänischen Burdujeni/Suceava, Bertram Sellner, ehemaliger Pflegedirektor am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren, Dr. Serhij Osatschuk vom Bukowina-Zentrum an der Universität Czernowitz, der Trainerstab der U16-Mannschaft in Schwaben, Walter Stutzmüller, Richard Mayershofer und Wolfgang Marek, die mit dem ebenfalls ausgezeichneten Journalisten Wilfred Läbe das Jugendfußballturnier „Vier Regionen für Europa“ zusammen mit dem Augsburger Bukowina-Institut und dem Europa-Büro des Bezirks Schwaben betreuen, sowie Daniela Stefanescu, Leiterin des Kinderheimes im rumänischen Gura Humorului.

Mit der selten vergebenen Sieben-Schwaben-Medaille wurden das Bukowina-Institut über dessen Vorstandsvorsitzenden Professor Dr. Reinhold Werner sowie Petru Stirbu, Generaldirektor der Bezirksverwaltung in Suczawa und langjähriger Bezirksrat, der sich seit Beginn mit großem Engagement für die Partnerschaft einsetzt, ausgezeichnet.

Die Festlichkeiten wurden mit Instrumental- und Gesangseinlagen der Gäste aus den beiden Gebieten der Bukowina schwungvoll umrahmt, die Gruppen und Solisten traten auch Sonntag nachmittags im Park des Klosters Irsee abwechselnd mit schwäbischen Volksmusikgruppen auf, die vorher an der feierlichen Verleihung der „Schwäbischen Nachtigall” für beste Volksmusikgruppen in Schwaben teilgenommen hatten.

Luzian Geier (KK)

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