Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1362.

Experten der Exposition

Im Haus Schlesien, Königswinter, zeigen deutsche und polnische Museumskuratoren, wie man was am besten zeigt

Ziel der Veranstaltung war es, verschiedene Aspekte der Thematik „Flucht und Vertreibung“ zu beleuchten, einschlägige Projekte in profilierten Einrichtungen zu erörtern und nicht zuletzt, die Sichtweise und das Verständnis beider Nationen kennenzulernen und zu diskutieren. Die Teilnehmer waren aufgefordert, ihre Projekte und Planungen vorzustellen und über ihre Erfahrungen zu berichten. Verschiedene Vorträge befassten sich mit dem Umgang mit der Nachkriegsgeschichte in Politik und Öffentlichkeit beider Staaten sowie der öffentlichen Förderung diesbezüglicher Projekte.S11--Kuratorentagung---Nicola-Remig-+-Edward-Halajko-vom-Museum--Neisse

Nicola Remig, die Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums für schlesische Landeskunde in Königswinter-Heisterbacherrott, betonte in ihrer Begrüßungsansprache: „Hauptanliegen der Tagung ist, den Dialog der Einrichtungen untereinander zu fördern, unterschiedliche Ansätze zu diskutieren und eventuell Ideen für gemeinsame Projekte zu entwickeln. Den Kultur- und Bildungseinrichtungen kommt im Bereich der Verständigungsarbeit eine wichtige Rolle zu, und durch den Austausch wird der Blick für die sensiblen und spannungsreichen Aspekte in der deutsch-polnischen Geschichte geschärft.“ Während der Tagung wurde auch das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn besucht, es gab eine Lesung und Zeitzeugengespräche.

Die an der Arbeitstagung teilnehmenden Kuratorinnen und Kuratoren starteten ihre Begegnung mit einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Der Weg ins Ungewisse. Die Vertreibung aus und nach Schlesien 1945–1947“. Anhand der Exponate und der zweisprachigen Dokumentation führte die Kuratorin Silke Findeisen vom Gastgeberhaus in die Thematik ein und betonte: „Es freut uns, dass die Ausstellung gerade von unseren polnischen Gästen gut angenommen wird. Aber auch Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, die mit dem Themenkomplex Flucht und Vertreibung verbunden sind, haben sich sehr interessiert gezeigt.“

Im Dialog mit der Museumsleiterin Nicola Remig erklärte Edward Hałajko vom Muzeum Powiatowe w Nysie, Neisse: „Ich begrüße die Idee, eine solche Tagung zu veranstalten, weil sie Gelegenheit bietet, die unterschiedlichen Perspektiven zum Thema Vertreibung darzustellen. Im Dialog lernt man viel besser den Standpunkt der anderen Seite zu verstehen, vor allem die Art und Weise, wie die erlebte Tragödie im sozialen Bewusstsein verankert ist.“

Edward Hałajko hielt übrigens im Rahmen der Tagung auch einen Vortrag, in dem er das Problem der Aussiedlung und die neue Realität im Jahr 1945 am Beispiel von Stadt und Kreis Neisse darstellte. Dabei schilderte der Referent nicht nur die Ursachen der Umsiedlung der polnischen Bevölkerung aus den Ostgebieten, sondern auch die Zerstörung und den Wiederaufbau der Neisser Altstadt in den Jahren 1945 bis 1955. Hałajko bedauerte, dass die einstige architektonische Perle Schlesiens so zögerlich und ideologisch gelenkt wieder aufgebaut wurde und dass nur wenige historische Bauelemente authentisch erhalten blieben.

Mit Interesse verfolgten die Tagungsteilnehmer die Vorträge „Exodus des Bartschtales“, in dem Hans Nitschke von der Heimatkreisgemeinschaft Militsch-Trachenberg ein deutsch-polnisches Ausstellungsprojekt präsentierte, sowie das Referat von Sandra Kastner über „Flüchtlinge und Vertriebene in Hof. Die neue Abteilung der Dauerausstellung im Museum Bayerisches Vogtland“.

Neben dem Themenblock zu Sonderausstellungen und grenzüberschreitenden Projekten – zu dem u. a. Patricia Erkenberg vom Haus des Deutschen Ostens, München, beitrug – gab es Vorträge unter dem Motto „Das Bewahren der Erinnerung an Flucht und Vertreibung im öffentlichen Raum“. Leszek Kania und Jerzy Dober vom Muzeum Ziemie Lubuskiej, Zielona Góra/Grünberg, beleuchteten „Materielle Spuren der ehemaligen Einwohner Grünbergs im Museum des Lebuser Landes“, Manfred Spata aus Bonn sprach über polnisch-deutsche Gedenktafeln in der Grafschaft Glatz. Weitere Referate hielten Tadeusz Orawiec vom Muzeum Ceramiki w Bolesławcu, Professor Dr. Winfrid Halder und Dr. Katja Schlenker vom Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus, Dr. Christine Absmeier vom Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart, sowie Przemysław Burchardt vom Muzeum Tkactwa w Kamiennej Górze.

Während eines gemeinsamen Besuches der Bunzlauer Heimatstube in Siegburg führte Peter Börner von der Bundesheimatgruppe Bunzlau durch die Einrichtung. Ergänzend stellte das Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft der Universität Mainz ein thematisches Filmprojekt vor. Die Tagungsteilnehmer nutzten während ihres Aufenthaltes ausgiebig auch die Bibliothek und das Archiv von Haus Schlesien.

Dieter Göllner (KK)

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