Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1235.

Extreme Artillerie

Schwerstbatterie auf der Halbinsel Hel als Museum eingerichtet

Viele Jahrzehnte lang bildete das Endstück der Halbinsel Hel eine Militärzone – die Befestigungszone Hel (Rejon Umocniony Hel – RUH). Die ersten Befestigungsanlagen entstanden in dieser Region im Jahre 1920, als Hel wieder zu Polen gehörte, im Jahre 1936 entstand die RUH und wurde nach und nach ausgebaut. Der Hauptausbau begann jedoch im Zeitraum 1939–1940, nachdem die Halbinsel von der deutschen Armee besetzt worden war. In dieser Zeit wurden dort die schwersten Artilleriegeschütze gebaut.

Es entstanden drei Geschütze mit dem Namen Schleswig-Holstein, darunter die Nummer 2 als schwerstes mit einem Kaliber von 406 mm, das war zu dieser Zeit das größtkalibrige Geschütz. Über größere Kaliber verfügten später lediglich deutsche Bahngeschütze und japanische Panzerkreuzer. Von den Ausmaßen der Batterie zeugt die Tatsache, daß im Kanonenlauf ein erwachsener Mensch mit etwas Mühe Platz findet; eine Kanonenkugel wog bis zu 1000 kg! Die monströse Batterie setzte sich aus sechs Objekten zusammen: einem Feuerleitturm, zwei Munitionsschutzräumen und drei Artilleriegeschützpunkten. Die Mannschaft eines jeden Artilleriegeschützpunktes bestand aus 88 Matrosen.

Vergleichbare Befestigungsanlagen in Norwegen verfügen heute nicht mehr über den Kasernenteil, und jene, die sich ehemals in Frankreich befunden haben, sind nach dem Krieg zerstört worden. Die einzige bis heute vollständig erhaltene Anlage, mit dem Kasernenteil, dem Maschinenraum, der Munitionskammer, der Schmalspurbahn für den Munitionstransport zu den Geschützen, ist die auf Hel befindliche Batterie Schleswig-Holstein. Nach dem Krieg ging sie in der polnischen RUH auf und wurde bis 1974 genützt, als man die Seeartilleriebataillone auflöste, da sie durch treffsicherere Raketengeschütze ersetzt wurden. Die Batterieobjekte befanden sich jedoch noch lange auf geschütztem Militärsperrgebiet und blieben dadurch in einem guten Zustand erhalten.

1999 wurde dieses Militärobjekt ins Denkmalregister aufgenommen und kamen in die Obhut der Gesellschaft der „Freunde Hels“, die sich entschlossen, daraus ein Museum zu bilden. Im vorigen Jahr wurde das Museum eröffnet, man kann nun zwei reparierte und voll ausgestattete Objekte besichtigen: einen siebenstöckigen Feuerleitturm und die monströse Kanone Nummer 2. Die Gesellschaft der „Freunde Hels“ beabsichtigt, auch noch die anderen Objekte der RUH in den Museumsbestand aufzunehmen.

Das Museum befindet sich direkt vor dem Stadtrand Hels, so daß Interessierte die beeindruckenden Ausmaße dieser Militärobjekte ohne besondere Umstände in Augenschein nehmen können. Mehr Museumsinformationen mit Fotos finden sich unter www.helmuzeum.pl.

Gerhard Olter (KK)

«

»