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Ausgaben: Ausgabe 1320.

Facebook, analog und aristokratisch

Porträtfotos von und um Fürstin Daisy von Pleß in Ratingen

Der schlesische Adel stand im Oberschlesischen Landesmuseum bereits bei der „Schloßgeschichten“-Schau im Jahre 2011 im Fokus. Seit kurzem ist in Ratingen-Hösel erneut eine „adlige“ Ausstellung zu sehen, in der sich alles um eine besonders schillernde Persönlichkeit dreht. Es handelt sich um die extravagante Fürstin Daisy von Pleß (1873–1943), Gräfin von Hochberg und Freifrau zu Fürstenstein, und ihr soziales Umfeld.

Über 100 Besucher aus dem In- und Ausland wohnten der feierlichen Eröffnung der Sonderschau „Vom Glanz des europäischen Hochadels. Fürstin Daisy von Pleß und ihr Umfeld in Porträtfotos“ bei. Zu den Ehrengästen gehörten Vertreter des Victoria & Albert Museums und der Royal Collection aus der britischen Hauptstadt sowie von der niederländischen Stiftung Huis Doorn. Ko-Kurator Russel Harris entschuldigte seinen erkrankten polnischen Partner Maciej Kluss vom Schloßmuseum Pleß und führte in die Ausstellung ein. Er erzählte u. a. über die Entdeckung der Negative mit den Daisy-Porträts im Lafayette-Fotoarchiv vor einigen Jahren sowie über die Kontaktaufnahme mit dem Daisy-Biographen John Koch und mit Maciej Kluss. Koch ist übrigens ein gebürtiger Schlesier aus der Nähe von Schloß Fürstenstein, der heute in Kanada lebt. Aus der britisch-polnischen Kooperation entstand die im Jahre 2006 erstmals im Schloßmuseum Pszczyna präsentierte Dokumentation „Daisy von Pleß. Die glücklichen Jahre“.

Auch die neue Ausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum, die im Rahmen des Polen-NRW-Jahres 2012 gezeigt wird, ist in Verbindung mit dem Schloßmuseum in Pleß/Pszczyna und dem Victoria & Albert Museum, London, zustande gekommen. Es ist übrigens das erste Mal, daß das Schloßmuseum eine umfangreiche Kollektion großformatiger Fotografien aus den Beständen des Londoner Museums in Deutschland zeigt.

Bis Mitte November 2012 ist in Ratingen-Hösel eine Auswahl von 42 Fotoprints sowie Plattenkameras und kostbare Kleider aus der Zeit um 1900 zu sehen. Die Fotos stammen aus dem im Jahre 1880 in Dublin gegründeten Lafayette-Fotostudio, das Kaiser, Könige und Adlige aus Europa, Afrika und Asien ablichtete. Als das Fotostudio 1952 schloß, umfaßte es eine bemerkenswerte Sammlung von Negativen, die mit genauen Datums- und Namensangaben der porträtierten Personen versehen waren. Rund 3500 Glasplattennegative und zahlreiche Zelluloid-Negative aus der Zeit von 1885 bis 1937 wurden dem Victoria & Albert Museum, London, übergeben.

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung kann der Betrachter schnell erkennen, daß Fürstin Daisy in der Tat eine bemerkenswerte Frau mit vielen Facetten war. An der Seite ihres Mannes, des schlesischen Magnaten Hans Heinrich XV. von Hochberg, führte die Adlige britischer Herkunft zunächst ein prunkvolles und weithin sorgloses Leben. Berühmt waren Daisys Jagdgesellschaften. Zu den Freunden der schönen und extravaganten Fürstin gehörten Vertreter des europäischen Hochadels und die Mächtigen ihrer Zeit, wie der deutsche Kaiser Wilhelm II. und der britische König Eduard VII. Ihre Einladungen waren begehrt. Verständlich, daß sie seinerzeit als „Fixstern“ des europäischen Hochadels galt.

Die Porträts vermitteln einen Eindruck vom Leben der extravaganten Fürstin in den durch Wohlstand geprägten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Aufgezeigt werden jedoch auch andere Seiten der Fürstin, die beispielsweise Projekte im Sozial- und Gesundheitswesen in und um Waldenburg initiiert hat. Während des Ersten Weltkrieges engagierte sie sich als Rotkreuzschwester. Daisy verließ Schloß Fürstenstein und starb verarmt im schlesischen Waldenburg, nahe der einstigen Residenz.

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog mit Bildern und Texten in Englisch und Polnisch erschienen. Eine deutsche Fassung ist in Zusammenarbeit des OSLM mit den englischen Partnern erarbeitet worden.

(KK)

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