Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1239.

Farbe und Faltung, Schicht und Schichtung

Mit eigener Technik schließt Gabriele Hornig die Oberfläche des Bildes auf für das freie Spiel der Assoziationen

Das Haus Schlesien, gegründet als Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, wurde 1980 von Dr. Herbert Hupka feierlich eingeweiht. In der wunderschönen Umgebung von Königswinter-Heisterbacherrott gelegen, war es als Begegnungsstätte der im Westen lebenden Schlesier gedacht und bildete eine West-Ost-Brücke über die DDR-Mauer hinweg zu den Landsleuten in der alten Heimat. Hier wurde auch den westdeutschen Bürgern Geschichte und Kultur des einstigen Deutschen Reiches vermittelt.

Vorträge, Konzerte, Tagungen u.a. wurden veranstaltet, und im Museum für Schlesische Landeskunde werden Zeugen jahrhundertealter Kunst- und Kulturgeschichte aufbewahrt und periodische Ausstellungen veranstaltet.

Die Ausstellungsliste 2007 kündigt an: eine Fotoausstellung „Waldenburg und die historische Industrieregion“, eine Ausstellung zum 150. Todestag Joseph von Eichendorffs, in deren Rahmen das romantische Spiel mit Klavierbegleitung nach „Aus dem Leben eines Taugenichts“ aufgeführt wird, ferner eine Schau zu „Textilproduktion und Tuchhandel in Schlesien“. Die Ausstellung des schlesischen Impressionisten Artur Wasner wurde von Breslau übernommen und wird im dortigen Rathaus präsentiert (vgl. S. 22). Auch eine Ausstellung zum weihnachtlichen Brauchtum Schlesiens ist zur gegebenen Zeit geplant.

Bis zum 13. Juni stellt nun Gabriele Hornig ihre „Hommage an Schlesien“ mit dem Untertitel „Von Mimerle bis Gerhart Hauptmann – Faltungen auf Leinwand“ im Eichendorffsaal des Museums aus.

In Altweistritz geboren, behielt die Schlesierin als bildende Künstlerin ihren Mädchennamen Hornig. Die Schriftstellerin und Redakteurin des WDR ist als Gabriele Grützbach bekannt. Nach der Flucht gemeinsam mit ihrer Mutter bereitete sich die junge Frau ausgiebig für ihre facettenreiche Laufbahn vor: Sie studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften. 1979 erhielt sie den Preis des Erzählerwettbewerbs der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, zwei Jahrer danach wurde sie Stadtschreiberin von Bad Harzburg. Seit 30 Jahren widmet sie sich als Autodidaktin der bildenden Kunst, und die Erfolge blieben nicht aus. Ihre Kunst zeigte sie schon in 40 Ausstellungen – von Ostfriesland bis Baden-Baden, 1994 auch in Breslau, Görlitz, Ratibor, Glogau sowie in Moskau.

Vor zwei Jahren verließ Gabriele Grützbach-Hornig die Redaktion des Westdeutschen Rundfunks, um sich ganz ihrem künstlerischen Schaffen zu widmen. Die jüngste Ausstellung ist nicht nur ein Zeugnis erfreulichen Fleißes, sondern auch von Phantasie und gestalterischer Professionalität in der präzisen Beherrschung einer außergewöhnlichen Technik – sie wünschte man manchen ihrer Kollegen, die als „Wilde“ mit Zufällen operieren und dabei nur Zufälligkeiten produzieren. Die Exponate offenbaren, daß auch die Schriftstellerin bei der Entstehung der Ausstellung Pate gestanden hat. Die Bilder haben unmittelbare Bezüge zu schlesischen Dichtern: Gerhart Hauptmann, Martin Opitz, Jakob Böhme, Andreas Gryphius, Joseph von Eichendorff. Auch Käthe Kruse und ihre Mimerle-Puppen, das Kloster Leubus und das Riesengebirge stehen im thematischen Hintergrund. Texte, Worte und Abbildungen in Manuskripten und Publikationen ihrer klassischen Kollegen hat Gabriele Hornig kopiert und glattgestrichen oder als Faltungen in ihre Ölbilder eingearbeitet. „Durch diese Faltungen“, sagt sie, „eingebettet in Öl- oder Acrylmalerei, gebe ich meinen Bildern zusätzlichen, vermeintlich fremdbestimmten und doch eigenen Ausdruck.“ Die Collagen mit dem Wappen Schlesiens, Käthe-Kruse-Puppen und gezeichneten Porträts der Dichter eröffnen einen Freiraum für Assoziationen.

Die gegenständlichen Motive werden vor einen abstrakten Hintergrund gesetzt. Selbst das Schwarz-Rot-Gold, eher -Gelb, erscheint dadurch soweit entfremdet, daß jeder Anflug eines Verdachts auf nationalen Überschwang dieser „Hommage“ von vornherein vermieden wird. Was zählt, ist die künstlerische Komposition – und ihr freies Spiel, bei dem der Betrachter weidlich mitspielen kann.

Günther Ott (KK)

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