Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1374.

Flucht vor Luthers Frucht

Ausstellung zu religiösen Wanderungsbewegungen in Stuttgart

Beileibe nicht immer und nicht alle waren und sind sich einig im Zeichen des Kreuzes Bild: Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Beileibe nicht immer und nicht alle waren und sind sich einig im Zeichen des Kreuzes
Bild: Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Ende Oktober eröffnete das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart eine Ausstellung anlässlich des Reformationsjubiläums: Täufer, Schwenckfelder und Pietisten können bis zum 8. Juni 2017 in ihrer unsteten Entwicklung zwischen dem deutschen Südwesten und dem östlichen Europa verfolgt werden.

Ehe sich die neue Glaubenslehre endgültig etablierte, tobten heftige Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern unterschiedlicher theologischer Richtungen. Anpassung, Märtyrertod oder Emigration – vor dieser Wahl standen Gläubige, deren Vorstellungen nicht mit der jeweils anerkannten Lehre konform gingen. Einzelne Gruppierungen entschlossen sich zum Auswandern, bestimmte Regionen entwickelten sich zu attraktiven Fluchtpunkten. Dabei spielte Südwestdeutschland eine herausragende Rolle.

Den Schwenckfeldern, Täufern und später den Pietisten gingen die Lutherschen Ideen nicht weit genug. Für den Schlesier Caspar Schwenckfeld von Ossig wurde der deutsche Südwesten nach dem endgültigen Bruch mit Wittenberg zum Rückzugsort – heimisch wurde der Querdenker dort nie. Die Täufer realisierten in Böhmen ihre Utopie einer Gesellschaftsform, die weder Familienstrukturen noch Privateigentum kannte; die Pietisten verließen 300 Jahre nach der Reformation ihre Heimat und suchten am Ararat die Rettung vor dem Weltuntergang.

Die Ausstellung „Flucht vor der Reformation“ konzentriert sich auf diese drei Beispiele für Wanderungsbewegungen zwischen Südwestdeutschland und dem östlichen Europa. Sie präsentiert Mandate und Verordnungen, die zeigen, wie die Herzöge Christoph und Ulrich versuchten, das Glaubensleben in Württemberg zu vereinheitlichen. Sie lässt die Besucher an einer Hörspiel-Station zu Zeugen der Verurteilung des Täufers Michael Sattler werden, und sie macht die strapaziöse Reise der Pietisten gen Osten per Touchscreen nachvollziehbar. Sie lädt dazu ein, sich mit dem Fremd-Sein zu beschäftigen.

(KK)

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