Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1243.

Für selbstauferlegte „Breslauer Verpflichtungen“

Der Historiker Arno Herzig wird als erster deutscher Gelehrter mit einer Festschrift polnischer Historiker und Germanisten geehrt

Mit Professor Dr. Arno Herzig aus Hamburg wurde erstmals ein deutscher Historiker von polnischen Historikern und Germanisten mit einer Festschrift geehrt. Am 23. Juni 2007 überreichten in einer Feierstunde die Herausgeber Dr. Krzysztof Ruchniewicz und Professor Dr. Marek Zybura in der Breslauer Akademie für Musik und Literatur Arno Herzig aus Anlaß seines 70. Geburtstages diese Schrift, an der sich 23 Wissenschaftler beteiligt haben. Der Titel „Z Gorzanowa w swiat szeroki (Von Grafenort in die weite Welt)“ nimmt Bezug auf den Ort, in dem Arno Herzig bis 1946 gelebt hat, eine Gegend, die ihn mit ihrem Reichtum an Geschichte in jungen Jahren wesentlich geprägt hat. Die Laudatoren – Prof. Dr. Roscislaw Zerelik für das Historische Institut  und Prof. Dr. Marek Halub für das Germanistische Seminar – hoben die fruchtbare Zusammenarbeit von Professor Herzig und den Mitarbeitern ihrer Institute hervor:

„Professor Arno Herzig ist einer der wenigen Historiker, die sehr schnell die Zusammenarbeit mit den polnischen Historikern und Germanisten und Kunsthistorikern aufgenommen haben. Dies fand auch Ausdruck in seiner Teilnahme am 16. Kongreß der polnischen Historiker in Breslau 1999  und den vielen anderen polnischen Wissenschaftskonferenzen. Professor Herzig hat für die schlesische Kulturgeschichte unumgänglich notwendige Sensibilisierung aufgebracht. … Seine Forschungstätigkeit ist der beste Beweis dafür, daß der Vorwurf des ‚Dialoges der Taubstummen‘ zwischen den deutschen und polnischen Wissenschaftlern abgelehnt werden muß. … Gerade in der heutigen Zeit, in der die deutsch-polnischen Wechselbeziehungen in den Medien beider Länder mit Begriffen wie ‚Versöhnungskitsch‘, ‚kalter Krieg‘ und ‚Neurose‘ umschrieben werden, erscheint der Einsatz von Arno Herzig auf diesem Gebiet – ohne zu übertreiben – als imponierend und beispiellos.“ Darauf wies auch der deutsche Generalkonsul Dr. Helmut Schöps in seiner Ansprache bei der Ehrung hin.

Die Festschrift enthält ein Verzeichnis der Veröffentlichungen von Arno Herzig. Es umfaßt 19 Monographien, die Herausgabe und die Redaktion von 18 Sammelbänden sowie 159 Aufsätze. Nicht wenige der Veröffentlichungen befassen sich mit Schlesien und der Grafschaft Glatz. Dabei muß erwähnt werden, daß Arno Herzig seine Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg auch auf die Geschichte Osteuropas im Kontext der europäischen Geschichte sowie Ostmitteleuropas als Geschichte eines auch durch Deutsche geprägten Kulturraumes ausrichtete, womit er auch bei seinen Hamburger Studenten das Bewußtsein für die Geschichte Schlesiens weckte.

In diesem Zusammenhang entstand 1996 sein Buch „Refomatorische Bewegungen und Konfessionalisierung. Die habsburgische Rekatholisierungspolitik in der Grafschaft Glatz“. Besonders hervorgehoben werden muß jedoch das Buch „Geschichte des Glatzer Berglandes“, das Arno Herzig  2006 zusammen mit Malgorzata Ruchniewicz herausbrachte und das in deutscher und polnischer Sprache erschien. Die polnische Ausgabe war bereits nach kurzer Zeit vergriffen – inzwischen erschien eine zweite Auflage. Daran wird deutlich, wie groß das Interesse der heutigen Bevölkerung Schlesiens an der Geschichte des Landes ist, das nun ihre Heimat ist. Das dokumentiert aber auch, wie wichtig es ist, das historische Wissen weiterzugeben, so wie es Arno Herzig neben zahlreichen Veröffentlichungen ebenso in einem Zyklus von Lehrveranstaltungen und Vorlesungen am Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Breslau getan hat.

Nicht nur in Polen weiß man die Verdienste von Professor Arno Herzig zu würdigen. Bereits 2003 erhielt er für seinen Einsatz um den wissenschaftlichen Austausch zwischen den Universitäten Hamburg und Prag die Gedenkmedaille der Prager Universität.

Im Namen der Breslauer Germanisten sagte Professor Marek Halub in seiner Laudatio abschließend: „Trotz Ihres 70. Geburtstages werden Sie sich sicher, lieber Herr Professor Herzig, von den ‚Breslauer Verpflichtungen‘ nicht befreien können… Ihre Gastvorträge sind eine wichtige Bereicherung unseres Lehrprogrammes.“

Angelika Marsch (KK)

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