Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1333.

Für Vergangenes, gegen Vergehen

Das Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus feiert 50 Jahre

Für-vergangenesWer die Meilensteine in der Entwicklung des Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Hauses Revue passieren lässt, dürfte erkennen, dass diese in Nordrhein-Westfalen längst etablierte kulturelle Institution des West-Ost-Dialoges ihre Aufgaben über alle Umbrüche in der deutschen und europäischen Geschichte hinweg stets wahrgenommen hat. In diesem Jahr begeht die wohl älteste und traditionsreichste Einrichtung ihrer Art in der Bundesrepublik Deutschland ihren 50. Geburtstag. Am 12. Juni 1963 öffnete das damalige Haus des deutschen Ostens und heutige Gerhart-Hauptmann-Haus erstmals seine Tore in der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt.

Bereits 1957 war laut Beschluss der damaligen Landesregierung unter Ministerpräsident Fritz Steinhoff die Stiftung gegründet worden. In zweieinhalbjähriger Bauzeit wurde auf einem Trümmergrundstück an der Bismarck-Straße ein multifunktionales Gebäude mit Tagungs-, Veranstaltungs- und Bibliotheksräumen errichtet. Dr. Winfrid Halder, Direktor des Hauses an der Bismarck-Straße, resümiert: „Unser Haus hat sein ‚Gesicht‘ bewahrt und zeigt damit noch heute, dass die Entscheidung der damals Verantwortlichen richtig war: Nämlich den Zweck der Erinnerung an den historischen deutschen Osten nicht in einer künstlich rückwärts gewandten ‚Hülle‘ umzusetzen, sondern schon rein äußerlich zu unterstreichen, dass dieser Zweck zur Gegenwart gehört.“

Der Festakt „50 Jahre Haus des Deutschen Ostens/Gerhart-Hauptmann-Haus“ fand am 22. Juni statt und wurde am Vortag von einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche eingeleitet. Zu den Honoratioren, die aus diesem Anlass Grußworte und Ansprachen hielten, zählten Helmut Harbich, Vorstands-Vorsitzender, und Reinhard Grätz, Kuratoriums-Vorsitzender der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Carina Gödecke MdL, Präsidentin des Landtags von Nordrhein-Westfalen, und Hans-Günther Parplies, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, sowie Professor Dr. Friedhelm Farthmann, Staatsminister a. D. Das Programm der Feierstunde wurde durch musikalische Darbietungen des Duos DeJuna umrahmt.

Mit Blick auf die Herausforderungen erklärte Dr. Winfrid Halder: „Es ist auch heute eine Erinnerung erforderlich, die nach Westen und nach Osten zugleich blickt, um den Wert des Gegenwärtigen wirklich erkennen zu können. Dazu wollen wir auch in Zukunft beitragen, über den 50. Geburtstag unseres Hauses hinaus – in zeitgemäßer, moderner Form, dem Bleibenden der Vergangenheit verpflichtet.“

Wie nicht anders zu erwarten war, hat die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus anlässlich des Jubiläums auch Freunde des Hauses eingeladen, sich gemeinsam mit ehemaligen und aktuellen „Akteuren“ an die Höhepunkte der Tätigkeit zu erinnern.

Neben zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik und Kultur Nordrhein-Westfalens, die im Kuratorium und im Vorstand mitgewirkt haben, wurde die Arbeit des Hauses insbesondere von den verantwortlichen Direktoren geprägt. Unter dem Motto „50 Jahre GHH – Persönlich gesehen“ erhielten die beiden ehemaligen Direktoren Oskar Böse und Dr. Walter Engel Gelegenheit, über ihre Erfahrungen und Eindrücke zu sprechen.

Oskar Böse, geboren 1924 im böhmischen Reichenberg, übernahm als vierter Direktor die Leitung des Hauses 1967. Als er nach Düsseldorf kam, hatte er bereits umfangreiche Erfahrungen in der Bildungsarbeit sammeln können, unter anderem auf dem Heiligenhof, der Bildungsstätte des Sudetendeutschen Sozialwerks in Bad Kissingen. Der im Jahre 1942 im Banater Deutschsanktmichael geborene Walter Engel studierte in Temeswar und war an der dortigen Universität als Dozent tätig.  1980 verließ Engel Rumänien, kam in die Bundesrepublik Deutschland und promovierte an der Universität Heidelberg. 1988 wurde er zum Nachfolger Oskar Böses als Direktor des HDO bestellt. Seine Amtszeit (bis 2006) fiel zusammen mit den tiefgreifenden politischen Umbrüchen in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa. Dies blieb nicht ohne Folgen für die Arbeit des Hauses, das neue Akzente im grenzüberschreitenden Dialog setzte.

An dem von Dr. Joachim Sobotta, dem langjährigen Chefredakteur der „Rheinischen Post“, moderierten Podiumsgespräch nahm auch Rüdiger Goldmann, geboren 1941 in Gablonz an der Neiße, teil, der bereits als Student im Haus tätig war, um später als Geschichtslehrer in Düsseldorf zu arbeiten und mehrfach Mandate im nordrheinwestfälischen Landtag zu versehen.

Dieter Göllner (KK)

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