Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1389.

„Ganz echte Deutsche“

Das Donauschwäbische Zentralmuseum horcht Martin Opitz nach

Die Sonne bringt es an den Tag – und ins Bild: Dorflandschaft von Georg Haller
Bild: Museum, aus der Ausstellung

Als der Barockdichter Martin Opitz auf der Flucht vor dem Dreißigjährigen Krieg an den Fuß der Karpaten gelangte, wunderte er sich, fern der Heimat „ganz echte Deutsche“ anzutreffen: Es war die gut organisierte deutschsprachige Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen. Fakt ist: So mancher, der heute durch das Land um den Karpatenbogen reist, könnte ähnlich überrascht sein. Der Grund: Hier leben immer noch Siebenbürger Sachsen, Banater und Sathmarer Schwaben, Landler, Zipser, Buchenland-, Bergland- und Dobrudschadeutsche. Ihre Vorfahren kamen zu unterschiedlichen Zeiten aus verschiedenen Gebieten in das heutige Rumänien.

Ihnen widmen das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien und die deutsche Botschaft in Bukarest eine umfassende Ausstellung. Bildreich und informativ umspannt sie einen Zeitraum vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die lebensweltliche Vielfalt, das Gemeinwesen und das reiche Kulturerbe der Minderheit sind dabei ebenso Thema wie ihre Rolle als Vermittler in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Ein Teil deutsch-rumänischer Geschichte spiegelt sich übrigens in der Sammlung des Donauschwäbischen Zentralmuseums wider. Mitgenommenes und Zurückgelassenes, als Erinnerung Aufbewahrtes und zum Abschied Geschenktes, leidenschaftlich Gesammeltes und zufällig Erhaltenes kam über teils verschlungene Wege in das Museum. Eine Auswahl davon wird nun erstmals ausgestellt.

Zeitgleich mit der Vernissage der Hauptausstellung am 19. Februar – bei der Esther Kretzinger (Sopran) und Georges-Emmanuel Schneider (Violine) für die musikalische Umrahmung sorgten – wurde im DZM Ulm auch eine Ausstellung zum Werk des Künstlers Georg Haller eröffnet.

Georg Haller ist einer der wenigen sathmarschwäbischen Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. In seinen Bildern hielt er ländliche Szenen im Stil der zeitgenössischen Genremalerei fest. Dorfgassen, Einsiedlerhöfe, Weiden, Wälder und winterliche Szenen waren seine Motive. Haller war ein hervorragender Grafiker und Aquarellist, seine Werke zeugen von sicherem Können, Selbstdisziplin und Offenheit. 1914 besuchte er die ungarische Künstlerkolonie in Nagybánya/Baia Mare. Inspiriert durch die jungen Künstler dort wurden seine Bilder dynamischer, farbenfroher, mutiger.

Georg Haller kam 1883 in dem von Schwaben bewohnten Dorf Terem im ungarischen Komitat Sathmar in einer bäuerlichen Familie zur Welt. Nach dem Gymnasium in Sathmar (Satu Mare, heute Rumänien) studierte er an der Königlichen Kunsthochschule in Budapest. Später arbeitete er als Kunstlehrer am Piaristengymnasium und wohnte bis zu seinem frühen Lebensende 1934 in dem deutsch geprägten Dorf Kleinteting nahe Buda.

Seine Werke befinden sich heute im Besitz seiner Tochter Maria Haller, die in Budapest lebt. Für die Ausstellung stellt sie dem DZM eine Auswahl seiner Gemälde zur Verfügung, wodurch das Werk des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlers erstmals einem deutschen Publikum zugänglich wird.

In der Folge sind zahlreiche begleitende Veranstaltungen vorgesehen. Führungen mit Rita Siegmund (Siebenbürgen/Ulm) gibt es immer sonntags, 14 Uhr (11. und 25. März, 8. und 22. April, 13. und 27. Mai. Für den 11. April ist das Expertengespräch „Doppelte Identität? Französische Schwabendörfer im Banat“ mit dem Journalisten Ernst Meinhardt (Deutsche Welle, Berlin) geplant. Am 19. April findet eine Lesung und ein Gespräch zum Thema „Die Spitzen-Elf / Primul unsprezece – junge Lyrik aus Rumänien“ mit dem Herausgeber Bogdan Cosa (Bukarest) und dem Verleger Thomas Zehender (danubebooks Verlag Ulm) statt. Für den 19. bis 21. Mai sind die Heimattage der Banater Schwaben in Ulm, „Nach dem Fest das Fest“, anberaumt.

D. G. (KK)

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