Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1327.

Gemeinsamkeit als Willensfrage

„Ost–West. Europäische Perspektiven“ mit Schwerpunkt Tschechien

„Fremder Nachbar? Die Tschechische Republik“ heißt die neue Ausgabe der Zeitschrift „Ost–West. Europäische Perspektiven“. Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, sowie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken geben diese Schrift seit dem Jahr 2000 heraus. Zur Präsentation luden zusätzlich die Ackermann- Gemeinde und die Tschechische Mission München ein. Neben der Vorstellung durch Dr. Christof Dahm stand ein Gespräch zum Thema der Broschüre im Fokus der Veranstaltung in der Tschechischen Mission.

Mit einigen Gedanken über „Mission“ sowie kurzen Ausführungen über die Geschichte seiner Einrichtung begrüßte der Hausherr Pfarrer Bohuslav Svehla die Gäste, wobei er darauf hinwies, daß heute die offizelle Bezeichnung „Sprachgemeinde“ sei. „Wir wollen unseren Glauben gemeinsam ausüben“, faßte er zusammen. Das im März 2013 sein 20jähriges Bestehen feiernde Hilfswerk Renovabis und dessen Aufgaben stellte Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert vor. „Die Kenntnis vom Nachbarn im Osten vertiefen und verbreiten, denn auch 20 Jahre nach der Wende bestehen noch viel Unkenntnis und Vorurteile“, konkretisierte der Geschäftsführer die Ziele. Als Tätigkeitsschwerpunkte nannte Albert die „Unterstützung kirchlichsozialer Strukturen“, so etwa in den Bereichen Bildung und sozial-karitative Aufgaben. Zur Erreichung dieser Ziele arbeitet Renovabis mit vielen Partnern – wie zum Beispiel der Ackermann-Gemeinde – zusammen.

Die viermal im Jahr erscheinende, jeweils 80seitige Zeitschrift „Ost–West. Europäische Perspektiven“ stellte der Redakteur vom Dienst Dr. Christof Dahm vor. Die Publikation, die im 13. Jahrgang vorliegt, trat die Nachfolge des früheren „Ost-West-Informationsdienstes“ an. In den bisherigen 52 Ausgaben haben ca. 300 Autoren geschrieben, meist ausgewiesene Fachleute zu den Themenschwerpunkten. Einige Autoren des neuen Tschechien-Heftes konnte Dahm unter den Gästen begrüßen.

Einigen Aspekten des neuen Heftes widmete sich auch das von Matthias Dörr, dem Bundesgeschäftsführer der Ackermann- Gemeinde, moderierte Gespräch. Verbindende bzw. trennende Aspekten zwischen Deutschen und Tschechen illustrierte die in München studierende und aus Cesky Krumlov/Krummau stammende Marie Talirová – vor allem im Hinblick auf Geschichte und Mentalität. Sie sprach von „Trennung, um das Eigene zu bewahren“, sah aber auch die „Gewinnung einer anderen Perspektive durch die Unterschiede, eine Erweiterung des Blickes“. Die Notwendigkeit beider Aspekte betonte der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Joachim Unterländer. „Aus dem nationalen Blickwinkel ist das nachvollziehbar, auch zur Aufarbeitung der Geschichte“, meinte der Abgeordnete, der aber auch auf den kritischen Dialog hinwies. Die Präsenz des „sudetendeutschen Phänomens auf höchster politischer Ebene“ im zwischenstaatlichen Verhältnis betonte Josef Hlobil, der Generalkonsul der Tschechischen Republik. Mit Verweis auf die Bayerische Landesausstellung von 2007 in Zwiesel, „Bayern – Böhmen. 1500 Jahre Nachbarschaft“, verdeutlichte der Generalkonsul, daß man die Geschichte nicht nur auf die Zeit des Krieges und der Vertreibung reduzieren könne. „Was geschehen ist, kann nur interpretiert und nicht geändert werden“, stellte Hlobil fest. Er gestand auch ein, daß in tschechischen Schulen nur wenig über die jüngste Geschichte vermittelt wird, was auch Marie Talirová bestätigte.

Weitere Themen des Gesprächs waren das aktuelle bayerisch-tschechische Verhältnis und die Kenntnisse über Tschechien. Joachim Unterländer sprach über die Schirmherrschaft Bayerns über die Sudetendeutschen sowie die gemeinsame Arbeit an Zukunftsprojekten nach den Besuchen von Ministerpräsident Seehofer in Tschechien. „Je weiter man von der bayerisch-tschechischen Grenze entfernt ist, desto geringer sind die Kenntnisse“, erkannte Generalkonsul Hlobil, der in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einen Schwerpunkt sieht.

Dabei sind für ihn die Sprachkenntnisse und der Verkehrsausbau (Zugverbindungen) die drängendsten Aufgaben. Wenig Kenntnisse über Tschechien bescheinigte Marie Talirová den jungen Deutschen, während junge Tschechen mehr über Deutschland wissen.

Als wichtiges Feld für gegenseitige Kontakte nannte Joachim Unterländer kirchliche Gruppen und Verbände, da hier auch die Wertestruktur verbindet. Hlobil betonte die Verbindungen auf kommunaler, kultureller und wirtschaftlicher Ebene. „Wir warten auf den Gegenbesuch des tschechischen Ministerpräsidenten in Bayern“, blickte er in die Zukunft. „Die Beziehung zwischen Bayern/ Deutschland und Tschechien ist die beste in der Geschichte“, faßte der Generalkonsul zusammen.

Das Heft beinhaltet folgende Themen: Historischer Abriß zu Tschechien, Entwickung seit 1989, Euregio Egrensis, Situation der Kirchen, Verhältnis Tschechen – Sudetendeutsche, neuere tschechische Prosaliteratur, Interview mit Dominik Kardinal Duka, Portrait Karel Schwarzenberg, vier Erfahrungsberichte von Deutschen und Tschechen in verschiedenen Feldern.

Markus Bauer (KK)

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