Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1266.

Geographisch, historiographisch, dialogisch

Kulturzentrum Ostpreußen Ellingen und Westpreußisches Landesmuseum Münster beleben die Kulturszene von Graudenz

Zwei Sonderschauen waren im Museum der Stadt Graudenz in Westpreußen zu sehen. Zahlreiche originale historische Landkarten und Stadtansichten enthält die Sonderschau „Entlang der Weichsel und der Memel“ des Ellinger Kulturzentrums Ostpreußen. Gleichzeitig beherbergte das Museum die Ausstellung „Auf zu neuen Ufern – 25 Künstler im Dialog mit der Danziger Tapisserie“ des Westpreußischen Landesmuseums Münster.

Die in deutscher und polnischer Sprache gestaltete Landkartensammlung wurde mit einer Projekthilfe des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zusammengestellt. 2007 wurde sie zuerst im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, danach im Westpreußischen Landesmuseum in Münster und 2008 im Schloßmuseum auf der Marienburg und im Museum in Elbing gezeigt. Zwei Monate lang war die Landkartenschau jetzt auch im Museum von Graudenz in Westpreußen zu sehen.

Erstmals im Jahre 1339 enthält eine handgezeichnete italienische See- und Landkarte Ortsnamen im Preußenland – Godansce für Danzig, Elbingana für Elbing und Turon für Thorn sind dort verzeichnet. In den Ländern des Deutschen Ordens wurden 1258 die ersten Vermessungen durchgeführt, seit 1365 sind hauptamtliche Landvermesser nachgewiesen. Stadtbilder existieren etwa seit dem Jahr 1500 in der Form von Druckansichten. Üblich war das sogenannte „Abkupfern“, Kupferstecher übernahmen die Zeichnungen von anderen Karten und druckten diese nach, um entsprechende Recherchen und Kosten zu sparen. Die Landkartenschau ist ein umfassender, qualitativ hochwertiger Querschnitt der kartographischen Entwicklung von Darstellungen des Preußenlandes und seiner Nachbarstaaten sowie Drucken von Stadtansichten, ergänzt durch historische und moderne Atlantenwerke. So sind Original-Kupferstiche von Matthäus Merian, Gerard Mercator, Caspar Henneberger und Johann Baptist Homann zu sehen.

Zeitgleich mit der Ellinger Ausstellung wurde im Graudenzer Museum die Sonderschau „Auf zu neuen Ufern – 25 Künstler im Dialog mit der Danziger Tapisserie“ des Westpreußischen Landesmuseums in Münster-Wolbek eröffnet. „Auf zu neuen Ufern“ ist ein deutsch-niederländisch-polnisches Projekt zwischen der Kulturbrücke Emsdelta e.V. in Emden, der Kulturreferentin für Westpreußen, Magdalena Oxfort, und dem Westpreußischen Landesmuseum in Münster-Wolbeck.

Sie verbindet 16 bildende Künstler der Kulturbrücke Emsdelta aus Deutschland und den Niederlanden mit neun bildenden Künstlern aus Westpreußen im Dialog mit der Tapisserie des Danziger Bürgermeisters Eggert von Kempen (Bürgermeister von 1618-1636). Sie setzen sich künstlerisch mit diesem herausragenden Kunstwerk aus dem Bestand des Westpreußischen Landesmuseums auseinander.
Die Tapisserie entstand im Jahr 1620. Hergestellt aus Wolle und Seide, mißt sie 142 Zentimeter in der Höhe und 547 Zentimeter in der Breite. Der Inhalt des Bildprogramms der Tapisserie bezieht sich auf zwei bedeutende Danziger Patrizierfamilien und deren Aktivitäten für bzw. in Danzig.

Zur Landkarten-Ausstellung, die ab dem 6. Dezember auf ihrer Wanderung im Regionalmuseum in Preußisch Stargard/Westpreußen zu sehen ist, gibt es einen 60seitigen farbigen deutsch-polnischen Ausstellungskatalog, in dem viele Karten abgebildet sind und jeweils die Geschichte der Karte bzw. des Kartenkünstlers erklärt ist. Dieser Katalog kann zum Preis von 7,50 Euro (zuzüglich Versand) beim Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, Schloßstraße 9 (www.kulturzentrum.ostpreussen.de) erworben werden.

Das Kulturzentrum Ostpreußen stellt derzeit einen Teil seiner Räume für die Geschichte Ellingens zur Verfügung. „Juden in Ellingen 1540 bis 1938“ heißt die Sonderschau, die zur Erinnerung an die Reichspogromnacht eröffnet wurde. Die in Zusammenarbeit mit dem „Freundeskreis Barockstadt“ gestaltete Sonderschau fand bei ihrer Eröffnung mit über 200 Besuchern großes Interesse. Sie ist bis zum 1. Februar 2009 geöffnet.

Manfred E. Fritsche (KK)

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