Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1363.

Geschichte geschieht immer wieder

Sogar Zeitgenossen bemühen sich nach Kräften darum

Am 18. Juni 2015 jährte sich die Schlacht von Waterloo oder Belle Alliance zum zweihundertsten Male. Napoleon war von seinem Verbannungsort, der Insel Elba, nach Frankreich zurückgekehrt und nahm den Kampf gegen die Alliierten, darunter Russland, Österreich, Großbritannien und Preußen, wieder auf. Seine Herrschaft der 100 Tage sollte in Waterloo zu Ende gehen, hier sollte er „sein Waterloo erleben“. s17

Zuvor war es am 16. Juni zur Schlacht von Ligny gekommen, die Napoleon gegen die Preußen unter dem 72jährigen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher gewann. Die Preußen zogen sich unter ihrem „Marschall Vorwärts“ – am 3. Juni 1814 von König Friedrich Wilhelm III. zum Fürsten von Wahlstatt ernannt und mit dem Gut Krieblowitz beschenkt – in Richtung Brüssel nach Wavre zurück, wo die preußische Nachhut am 18./19. Juni abermals eine Schlacht gegen die Franzosen verlor. Die Hauptarmee der Preußen schwenkte jedoch in einem Bogen nach Westen und konnte so am Spätnachmittag noch rechtzeitig in die Schlacht von Waterloo eingreifen, die die britisch-niederländischen Truppen unter Herzog Wellington beharrlich führten. Gemeinsam besiegten Blücher und Wellington den Kaiser der Franzosen in einer für beide Seiten äußerst blutigen Schlacht.

Nach keinem Schlachtenort wurden mehr Dörfer und Städte, Bahnhofsstationen, Flüsse und Berge, eine Universität usw. benannt als nach jener bei Waterloo. An die gefallenen preußischen Soldaten erinnert ein von Karl Friedrich Schinkel entworfenes Denkmal beim nahen Plancenoit; weitere deutsche Denkmale sind der Braunschweiger Löwe, das Hannoveraner Ehrenmal und das Denkmal des Grafen von Schwerin.

Auch zum zweihundertsten Jubiläum wurden Szenen der Schlacht von historisch kostümierten und eingewiesenen Darstellungsgruppen nachgestellt, ein sogenanntes Reenactment. Daran beteiligten sich fast 6200 Personen, darunter über 300 Reiter. Die meisten Teilnehmer kamen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien und der Tschechischen Republik, einzelne Personen etwa aus Uruguay, der Mongolei, Südafrika, insgesamt aus 47 Ländern. Sie verkörperten in originalgetreuen Uniformen die unterschiedlichsten Truppen und Regimenter, die miteinander und gegeneinander marschierten und das historische Schlachtfeld in Pulverdampf hüllten; über das Internet konnte man live dabei sein.

Von den deutschen Truppen beteiligten sich Formationen der Hannoveraner, Braunschweiger, Nassauer, Österreicher, Badener, Bayern, Sachsen, der Rheintruppen und natürlich auch der Preußen an der Schau. Von schlesischen Truppen wurden dargestellt die Schlesischen Husaren, das 1. Schlesische Landwehr Infanterie-Regiment/III., das 47. Infanterie-Regiment von Grawert (Festung Glatz), das Schlesische Grenadier-Bataillon und das Schlesische Schützen-Bataillon. Es beteiligte sich auch der Verein Schlesische Landwehr Schkeuditz. Am beliebtesten ist jedoch das 5. Schlesische Landwehr-Infanterie-Regiment, das von der Blankenburger Traditionsgemeinschaft e. V., einer Gruppe aus Maxen in Sachsen, dargestellt wurde – und von einer Gruppe aus Polen! Völkerverständigung über Preußen auf dem Schlachtfeld von Waterloo.

Doch ist Waterloo auch ein europäischer „Erinnerungsort“? Briefmarken sind offizielle Erinnerungzeichen, und so zeigt der belgische Block in der Reihe der Feldherren auch Blücher, gedenkt der britische Block des 4. Korps des 15. Preußischen Infanterie-Regiments. In Deutschland gab es kein offizielles Erinnern, keinen Dank des Vaterlandes. Immerhin schaffte es die deutsche Botschaft in Brüssel, pünktlich zum Jubiläum die deutschen Denkmale zu renovieren, darunter auch das preußische.

Ulrich Schmilewski (KK)

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