Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1318.

Geschichte ist immer wieder neu

Daß sie auch immer wieder neu gesehen wird, dafür sorgt Joachim Sobotta nicht nur sein Berufsleben lang

Sooft die Wiederaufbauleistung der Vertriebenen in der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt wird, werden Wirtschaftsstatistiken herangezogen. Das ist legitim, aber so einfach sollte man es sich nicht machen. Natürlich haben jene unglücklichen Menschen ihr Glück in der Flucht nach vorn gesucht, also in der handfesten Arbeit, sie haben nach Kräften angepackt, um nach dem Verlust der Heimat wenigstens wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Etwas anderes aber haben die Träger von Leid und Erinnerung ebenfalls geleistet: Die von ihnen schmerzlich erfahrene Geschichte haben viele in wissenschaftlicher oder künstlerischer Form in den Erfahrungsschatz deutscher Kultur eingebracht und so die nach der Katastrophe bitter nötige Bewußtseinsund Herzensbildung gefördert.

Joachim Sobotta ist einer von denen, die Kindheit und einen Teil der Jugend noch im historischen deutschen Osten verbracht haben und dessen Prägung fortleben, obwohl sie dann in der jungen Bundesrepublik herangewachsen sind – und diese mitprägen konnten.

Der 1932 im niederschlesischen Glatz Geborene gelangte 1946 in einem Vertreibungstransport mit seiner Mutter und seinen Schwestern nach Niedersachsen. Da die britische Besatzungsmacht die Zuwanderer den kleinen Gemeinden zuteilte, kam Joachim Sobotta in Quakenbrück aufs Gymnasium. Bald nach dem Abitur 1951 ging der ebenso wißbegierige wie mitteilungsfreudige junge Mann nach Essen zur „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Als Volontär verdiente er zwar sonst nicht viel, sich aber immerhin die journalistischen Sporen.

1960 ging der Ritt nach Bonn zur „Deutschen Zeitung“. 1963 schon übernahm er in der damaligen Bundeshauptstadt die Leitung der örtlichen Redaktion der „Rheinischen Post“. Schon sechs Jahre später wurde er als deren Chefredakteur berufen und stand damit an der Spitze einer der bedeutendsten deutschen Regionalzeitungen. Neben Beruf – und Berufung – hat Joachim Sobotta ein Jurastudium 1972 mit der Promotion abgeschlossen.

Fast drei Jahrzehnte hat sich der Zeitungsmann jenem Aufklärungs-, Informations- und Bildungsauftrag gewidmet, den er auch aus seiner Herkunft und den Umständen seiner Her-Kunft ableitet. 1990 erhielt er dafür den Theodor-Wolff-Preis, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Journalisten. Doch nicht allein die eigene Karriere, sondern auch die Förderung junger Kollegen war ihm stets ein Anliegen. Als er 1997 in den Ruhestand trat, war er der dienstälteste Chefredakteur einer deutschen Tageszeitung.

Daß Dienstalter mit Alter wenig zu tun hat, beweist Joachim Sobotta durch unermüdliche öffentliche und publizistische Präsenz, ob im Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann- Haus oder im Haus Schlesien in Königswinter oder in unserer Zeitschrift ebenso wie in den Organen unserer Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR, in deren Vorstand er bis vor einem halben Jahr aktiv war. So feiert er auch seinen 80. Geburtstag, indem er seine vielfältige und sehr persönlich geprägte Sammlung von Zeugnissen aus dem historischen deutschen Osten, auf dem langen Weg durch die Jahrzehnte, die Länder und Städte zusammengetragen „zur Selbstvergewisserung, aber auch zur Information anderer, insbesondere der Jugend“, im Haus Schlesien zeigt.

Ihm und uns wünschen wir, daß er uns noch viel zeigt und sagt.

(KK)

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