Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1355.

Geschichte zukunftstauglich machen

Der Breslauer Stadtmuseograph Maciej Łagiewski

Geschichte-zukunftstauglichDie polnisch-deutsche Verständigung ist ohne das jahrzehntelange Wirken des Direktors der Breslauer städtischen Museen, Dr. Maciej Łagiewski, undenkbar. Geboren wurde er am 8. Mai 1955 in Breslau/Wrocław, zu einer Zeit und an einem Ort, da an derlei gar nicht zu denken war. Nach seinem Jurastudium an der Universität Breslau wandte er sich als akademischer Lehrer der Rechts-, Kunst- und Kulturgeschichte sowie der Ethnographie zu. 1983 wurde er Adjunkt und später Kustos im Architekturmuseum Breslau.

In dieser Zeit initiierte und leitete er auf dem Breslauer Alten Jüdischen Friedhof die dringende Renovierung, die auch von deutscher Seite gefördert wurde. Ziel war es, den Friedhof als Kulturdenkmal wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierfür war ein Höchstmaß an Einsatzbereitschaft und Sachkunde erforderlich, weil dieser Friedhof weit mehr als eine Begräbnisstätte ist. Er ist ein Zeugnis der alten Stadt Breslau, ein Stück schlesischer und deutsch-jüdischer Geschichte. Aufgrund seiner hervorragenden Arbeit wurde Łagiewski 1991 Direktor des Historischen Museums der Stadt.

In den Jahren des demokratischen Wandels in der Volksrepublik Polen gehörte er der Solidarnosc-Bewegung an. Ein  Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung führte ab 1987 zu zahlreiche Kontakten in die damalige Bundesrepublik Deutschland und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu einer beispielhaften Verständigungsarbeit. Bei dem Zustandekommen der Partnerschaft des Landes Niedersachsen und der damaligen Woiwodschaft Wrocław im Jahre 1992 war er ein unverzichtbarer Katalysator. Diese Partnerschaft besteht nun seit 23 Jahren und ist ein herausragender Beleg für die ständig wachsende deutsch-polnische Verständigung.

Als der vom Land Niedersachsen 1977 gestiftete Kulturpreis als Zeichen der Verbundenheit des Landes Niedersachsen mit den in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Schlesiern ab 1991 zu einem deutsch-polnischen Kulturpreis weiterentwickelt wurde, war Dr. Łagiewski erster polnischer Preisträger. Ein Jahr später wurde er aufgrund seiner Sachkunde und seines Einsatzes für die Erhaltung des verbliebenen deutschen Kulturgutes vom niedersächsischen Innenminister zum Mitglied der Jury des Preises ernannt. Diese Tätigkeit übt er seitdem ununterbrochen aus.

Seine beispielhaft positive Haltung im deutsch-polnischen Verhältnis war schon 1995 erkennbar, als er die Forderung erhob: „Uns ist sehr wichtig, dass in den westlichen und nördlichen Landesteilen Polens ein neues historisches Bewusstsein entsteht. Es ist ein Hauptanliegen, die polnische Tradition und die Kulturgüter der früheren Bewohner zusammenzuführen.“

In Anerkennung seiner vorbildlichen Leistungen wurde Dr. Łagiewski 1999 zum Direktor der Städtischen Museen in Breslau berufen. In dieser Zeit und den folgenden Jahren waren die bauliche Wiederherstellung des Breslauer Königsschlosses, die Herrichtung als Museum und die Vorbereitung der Dauerausstellung „1000 Jahre Wrocław/Breslau“ seine Hauptaufgaben, die er mit Hingabe löste. Das wird auch in dem Führer durch die Ausstellung deutlich, in dem er bekennt: „Es war die Intention der Ausstellungsmacher, zum ersten Mal eine Ausstellung frei von politischen Emotionen und ohne einseitigen Kommentar zu schaffen, die ausschließlich auf authentischen Objekten basiert … Die Vergangenheit kann die Gegenwart nicht vergiften – sie kann nur authentisch sein. … In Breslau, an dem Ort, an dem wir uns heute befinden, definieren wir Geschichte und deformieren sie nicht.“

Wegen dieser immer von größter Objektivität getragenen Haltung und Verständigungsarbeit wurde er nicht selten von rückwärtsgewandten Kräften kritisiert, viel öfter aber wurde er geehrt. Hohe polnische und deutsche Auszeichnungen sind der Beweis. Beide Länder haben ihm viel zu verdanken.

Horst Milde (KK)

 

Vom 28. bis zum 30. April 2015 treffen sich in Klausenburg/Cluj (Rumänien) Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen (Soziologen, Philosophen, Historiker, Politologen, Kommunikationswissenschaftler, Literaturwissenschaftler u. a.), um im Rahmen einer dreitägigen Konferenz über das brisante und derzeit in Rumänien hochaktuelle Thema „Minderheitenpolitik und Wertewandel“ zu diskutieren. Die Konferenz wird von der Deutschen Gesellschaft e. V. Berlin in Kooperation mit der Fakultät für Europastudien und dem Institut für deutschsprachige Lehre und Forschung an der Universität Babes-Bolyai Klausenburg realisiert.

(KK)

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