Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1326.

Geschichtswissen als Medium der Freundschaft

Baltisches Studenten-Seminar in Karlshof/Karlamuiza

In diesem Jahr fand das Baltische Studenten-Seminar wieder in Karlshof/Karlamuiza statt, einem zum Hotel umgebauten Nebenhaus des ehemaligen Gutes der Familie von Koskull. Teilnehmer waren Deutsche, Letten, Esten und Russen aus Estland. Silke Berndsen leitete das Seminar, Babette von Sass übernahm die Finanzen und half mit.

Silke Berndsen gab zunächst einen groben Überblick über die Geschichte des Baltikums. Dann sprach Professor Dr. I. Misans (Riga) über Altlivland im Mittelalter. Schon am Nachmittag begann das Einüben der baltischen Tänze (Venerka, Troika, Francaise) unter der Leitung von Nadine von Freytag. Der Tag wurde mit dem ersten Nationalitätenabend beschlossen. Jede Gruppe gestaltete einen Nationalitätenabend, in dem sie ihr Land und ihre Kultur vorstellte.

Die täglichen Vorträge mit anschließend lebhaften Diskussionen wurden fortgesetzt durch Dr. M. Jakovleva (Riga) über die polnische und schwedische Herrschaft im Baltikum (1561–1795). Silke Berndsen referierte über das Zarenreich und die Entstehung des Nationalismus im Baltikum (1561–1795). In zwei Vorträgen, in die  die Studenten einbezogen wurden, schilderte Dr. M. Saapakk (Reval/Tallinn) sehr anschaulich das Leben und die Kultur auf den Gutshöfen. Sie stellte mit Hilfe verschiedener Auszüge deutschbaltische Literatur vor.

Dr. K. Kangeris (Riga) berichtete über die Revolution und die Freiheitsbestrebungen der Letten (1905–1920). Das Thema Reformation behandelte Dr. Gintere (Riga). Ihr Vortrag wurde durch einen Film über Martin Luther lebendig ergänzt. Die Republiken Estland und Lettland und die europäische Minderheitenfrage übernahm Dr. R. Ceruzis (Riga), Dr. J. Keruss (Riga) referierte über den Zweiten Weltkrieg und das Geschichtsbewußtsein der lettischen Gesellschaft. Im Mentzendorff-Haus Riga berichtete Nora Rutka (Büroleiterin des Vereins) über die Arbeit von Domus Rigensis (Deutschbaltisch-Lettisches Begegnungszentrum). Dr. A. Audere, Direktorin des Museums, erklärte die Geschichte des Hauses und seine musealen Sammlungen. Prof. Dr. H. Simkuva informierte über die Minderheiten in Lettland.

Bei einer Führung im Okkupationsmuseum durch Professor Dr. V. Nollendorfs erfuhren die Studenten viel über die Okkupationszeiten in Lettland und über die Umsiedlung der Deutschen 1939. Eine weitere Fahrt führte die Gruppe nach Wenden/Cesis zur Burg des deutschen Ordensmeisters (1220), die von Rittern des Schwertbrüderordens erbaut wurde.

Ebenfalls besichtigt wurden die Johanniskirche (1281–1284), die Hauptkirche des Deutschen Ordens, und ein neues interessantes Museum in der Burgruine. Die dritte Exkursion führte die Studenten nach Ruhenthal/Rundale, dem größten Schloß Lettlands (Herzog Biron). Dort wurden die Studenten vom Direktor Dr. I. Lancmanis
empfangen und geführt.

Nach einer Mittagspause im Schloß-Restaurant begann ein Arbeitseinsatz der Studenten. Auf den riesigen Rosenfeldern hinter dem Schloß wurden mit großem Eifer die welken Rosenblüten abgeschnitten.

Das Baltische Studenten-Seminar 2012 endete mit einem Grillabend, an dem die eingeübten Tänze getanzt, Spiele gespielt und rege kommuniziert wurde. Die Studenten aus den verschiedenen Ländern, die vorher keine Kontakte zueinander gehabt hatten, waren zu einem großen Freundeskreis zusammengewachsen. Diese Seminare bringen junge Menschen zusammen, die in ihrer Heimat keine Beziehungen zueinander haben, sie meistens auch gar nicht wollen. Sie werden über die eigene Geschichte informiert und lernen ihre Nachbarn kennen.

Babette von Sass (KK)

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