Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1266.

Glasklare Jubiläen Steinschönauer Gedenkens

In Rheinbach wird die Glasfachschule 60 und das von den „Freunden edlen Glases“ gegründete Glasmuseum 40 Jahre alt

Mit der Ansiedlung deutscher Glasveredler aus Nordböhmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben worden waren, begann sich Rheinbach als „Stadt des Glases“ zu entwickeln. Es entstand ein wirtschaftlicher Schwerpunkt der Glasindustrie, der im Jahre 1948 die Eröffnung der Glasfachschule in Rheinbach – heute Staatliches Berufskolleg Glas, Keramik und Gestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen – und des Glasmuseums im Jahre 1968 zur Folge hatte. Die Glasfachschule wurde somit 60 und das Glasmuseum 40 Jahre alt. Aus diesem Anlaß wurde ein Festakt organisiert, eine Sonderausstellung im Glaspavillon „Hans-Schmitz-Haus“ eingerichtet und eine Jubiläumsschrift veröffentlicht.

Die sudetendeutschen Vertriebenen brachten aus ihrer nordböhmischen Heimat rund um die Glasstädte Steinschönau und Haida ein Drei-Säulen-Modell ins Rheinland. Zum „lebensfähigen Glaszentrum“ gehören die Veredlungswerkstätten, eine Glasfachschule, die den Nachwuchs für Industrie und Handwerk ausbildet, und ein Museum als hochwertige Mustersammlung und Schaufenster der Glaskunst.

Die Eröffnung der Glasfachschule im Jahre 1948 war vor allem den Heimatvertriebenen aus dem tschechischen Steinschönau zu verdanken, die sich im Voreifelstädtchen niederließen. Vor 40 Jahren gründeten rund 100 Rheinbacher Bürger den Verein „Freunde edlen Glases“, dessen Aufgabe die „Einrichtung und Unterhaltung einer Sammlung edlen Glases aller Zeit- und Kulturepochen“ war. Wenige Monate später konnte das bundesweit erste „Spezialmuseum für nordböhmisches Hohlglas“ eröffnet werden. 1989 bezog das Glasmuseum den Neubau im Ensemble des Himmeroder Hofes. Heute umfaßt das von der gebürtigen Siebenbürgerin Dr. Ruth Fabritius geleitete Museum Exponate vom Barock bis zum zeitgenössischen internationalen Studioglas und bietet einen Überblick über die Kunst böhmischer Glasherstellung und -veredlung.

Schule und Museum haben eine gemeinsame Jubiläumsausstellung eingerichtet, an der sich ehemalige und derzeitige Lehrer sowie Absolventen beteiligten. Derzeit ist im Glaspavillon „Rheinbacher Glas“ zu sehen – das aus Deutschland und aus der Schweiz kommt. Viele der in Technik und Materialauffassung unterschiedlichen Arbeiten wurden eigens für diese Schau angefertigt.

Innerhalb der „klassischen“ Glasgestaltungsaufgaben „Gefäß“ und „Glasbild“ (ob autonom oder architekturgebunden) reicht das Spektrum von Tradition bis Avantgarde. Mit ihren Objekten und Skulpturen reihen sich die Teilnehmer dieser Ausstellung selbstbewußt in die deutsche und internationale Glaskunstszene ein. Präsentation und Katalog sind thematisch gegliedert und umfassen Schwerpunkte wie „Menschliches-Allzumenschliches“, „Figuration, Abstraktion, Konzept“, „Im Block“, „Bilder und Wandobjekte“, „Architekturgebundenes“ und „Schmuckdesign“. Neben Vasen und Schalen in verschiedenen Techniken sind u. a. der „Pharosbecher“ von Josef Welzel, der Ranftbecher „Hexenturm“ von Thomas Schmickler und der Überfangbecher „Magnolien“ von Silvia Bardenheuer ausgestellt.

(KK)

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