Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1281.

Gottes Wege jenen weisen, die an ihnen zweifeln

Das ostpreußische Waisenkind wurde zur geistlichen Vaterfigur der vertriebenen Sudetendeutschen: Norbert Schlegel

Pater Norbert Schlegel ist am 29. August in Oberaudorf/Oberbayern nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Der Prämonstratenser hat sich mit seinem vielfachen Engagement für die Anliegen der Sudetendeutschen einen Namen gemacht. Auch in den Medien war Schlegel wegen seiner vielen Verpflichtungen und Aufgaben ständig präsent.

Geboren 1940 in Allenstein/Ostpreußen, verlor Norbert Schlegel 1945 in den Wirren der Flucht seine Mutter. Sein Vater war schon 1940 gefallen. Mit dem Kreuzer „Leipzig" gelangte der Junge nach Flensburg. Volksschule und Gymnasium besuchte er in Gutmadingen bei Donaueschingen, das Abitur legte er am Abendgymnasium in Mainz ab. 1966 trat er in den Prämonstratenser-Orden ein, und 1971 wurde er in Königstein/Taunus zum Priester geweiht. 1983 übernahm er das Amt des Priors im Prämonstratenserstift Tepl-Villingen. In Villingen/Schwarzwald hatten sich die meisten der aus dem Sudetenland vertriebenen Mönche aus Tepl gesammelt. Sie gründeten auch eine Prämonstratenser-Gemeinschaft in Mananthavady in Indien und verlegten 1987 ihren deutschen Hauptsitz in das ehemalige Oblatenkloster Obermedlingen in Bayerisch Schwaben. Allerdings wurde der Hauptsitz des Klosters Tepl-Obermedlingen 2007 nach Mananthavady verlegt.

P. Norbert Schlegel wurde 1991 Vertriebenenseelsorger der Diözese Augsburg, 1993 übernahm er den Vorsitz des Sudetendeutschen Priesterwerks. Er war Mitglied des Landesvorstands der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Visitator für die Sudetendeutschen. Am Sitz des Sudetendeutschen Priesterwerks in Brannenburg organisierte und leitete Pater Norbert Schlegel Tagungen, die weit über die Region hinaus einen guten Ruf hatten.

Gerade wegen seiner bitteren Erlebnisse in der Kindheit hat Norbert Schlegel sein Wirken als einen Aufruf zur Friedfertigkeit verstanden. In seiner Osterpredigt im Jahre 2005 sagte er: „Auch heute, 60 Jahre nach unserer Vertreibung, leiden viele von uns an dem erlittenen Unrecht. Viele Herzen sind leider immer noch verhärtet und viele Wunden immer noch offen. Menschlich gesehen ist so vieles verständlich. Doch als Christen … sollten wir uns sagen lassen, daß Gottes Wege andere sind als unsere."

Erich Pawlu (KK)

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