Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1323.

Gottes Wort und Breslaus Beitrag

Das geistliche Erbe der schlesischen Universität strahlt in Regensburg

Im letzten Jahr feierte die Universität Breslau ihr 200jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum beging sie mit einem internationalen Symposium sowie einer Ausstellung, die nun als Wanderausstellung in Deutschland unterwegs ist. Seit dem 13. Juli kann sie in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg besichtigt werden, ergänzt mit einer Übersicht zu katholischen Priestern, die dort ausgebildet wurden und dann im Bistum Regensburg wirkten. Zur Ausstellungseröffnung referierte Professor Dr. Dr. h. c. Jan Harasimowicz von der Universität Breslau
über „200 Jahre Universität Breslau 1811– 2011“. „Es ist uns eine Freude, diese Ausstellung auch hier zu zeigen“, stellte Archivund Bibliotheksdirektor Monsignore Dr. Paul Mai in seiner Begrüßung fest. Er verwies auf die eine Wurzel der Universität
Breslau, die 1702 gegründete Jesuitenhochschule „Leopoldina“, und auf die „zwei Wellen, daß Breslauer Priester ihre Heimat verlassen mußten“ und in das Bistum Regensburg kamen: den Kulturkampf im 19. Jahrhundert und die Zeit Ende des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegsjahre, wo bei Flucht und Vertreibung auch Geistliche aus Schlesien eine neue Heimat in der Diözese Regensburg fanden und hier den Priestermangel ausglichen. „In Breslau ausgebildete Theologen bekamen später Lehrstühle in Regensburg“, erwähnte Monsignore Mai. Der emeritierte, 1932 in Leobschütz geborene langjährige Professor für Religionspädagogik an der Universität Regensburg, Dr. Wolfgang Nastainczyk, war übrigens unter den Gästen.

In seinem Vortrag nannte Harasimowicz zunächst mehrere Initiativen aus dem 16. und 17. Jahrhundert zur Gründung der Universität Breslau. „Der vierte Versuch war erfolgreich“, damit meinte der Referent die Errichtung der Jesuitenhochschule im Jahr 1702. Die neuen Ansätze zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Wilhelm von Humboldt – Forschungs- und Bildungsauftrag von Universitäten) führten dann zur Vereinigung der Universität Frankfurt/Oder („Viadrina“, gegründet 1506) mit der Jesuitenhochschule zur preußischen Universität Breslau, die über fünf Fakultäten verfügte – darunter je eine für katholische und evangelische Theologie.
Der Referent nannte Professoren, die sich 1848 für die Revolution einsetzten und daher ihre Lehrstühle verloren, aber auch in ihren Fächern namhafte Dozenten, von denen einige sogar Nobelpreisträger waren (z.B. Wilhelm Dilthey, Theodor Mommsen, Robert Bunsen). Die meisten Studenten kamen aus Nieder- und Oberschlesien, gefolgt von den Studierenden aus Großpolen. „Die Breslauer
Alma mater war eine durch und durch schlesische Hochschule, es gab durchaus
Verschmelzungen mit dem territorialen Hintergrund“, faßte Harasimowicz zusammen.

Als Dank für die Zusammenarbeit mit seiner Universität überreichte Harasimowicz Erinnerungsmedaillen an Dr. Klara Kaczmarek- Löw (Weißenburg), Professor Dr. Gundolf Keil (Würzburg), Professor Dr. Dietmar Peil (München) und Professor Dr. Thomas Wünsch (Passau).

Für das Bistum Regensburg sprach der Offizial Domkapitular Prälat Dr. Josef Ammer ein Grußwort. Er erinnerte daran, daß die Priester aus den früheren deutschen Ostgebieten bis in die 60er Jahre verpflichtet waren, eine Messe in den Anliegen ihrer Heimatgebiete zu feiern. Während 1946 noch 43 Priester aus Schlesien in der Diözese wirkten, nahm der Anteil seither ständig ab. Heute wird in den Unterlagen nur noch einer geführt – Prof. Dr. Wolfgang Nastainczyk.

Die Ausstellung stellt die Geschichte der Universität Breslau und ihrer Fakultäten auf 40 Schautafeln anschaulich dar. Besonders hingewiesen sei auch auf die speziellen Tafeln zum Thema „Ehemalige Breslauer Theologiestudenten im Bistum Regensburg“ mit den Namen und teilweise auch Bildern der aus Breslau bzw. Schlesien stammenden und in der Diözese Regensburg wirkenden Priester.

Markus Bauer (KK)

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