Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1322.

Hanse und Herrenhäuser

Baltische Projekte im Ostpreußischen Landesmuseum

„Es geht los.“ Im Ostpreußischen Landesmuseum war während der Hansetage nicht nur starkes Besuchergedränge der vielen gut gelaunten Gäste aus aller Welt, sondern schon deutlich Aufbruchsstimmung zu spüren. Anläßlich der weithin Aufmerksamkeit erregenden Ausstellung „Vertraute Ferne“ zur historischen Hanse besuchten Ende Juni hochrangige diplomatische Vertreter der drei baltischen Länder Lettland, Estland und Litauen das Ostpreußische Landesmuseum.

Ihr Blick richtete sich auf die neu zu begründende deutschbaltische Abteilung des Museums, die jetzt als weltweit erstes Museum für Kultur und Geschichte der Deutschbalten und damit eine neue und bedeutende Brükke ins Baltikum konkrete Gestalt annimmt. Denn die Hanse-Ausstellung zeigt mit ihren fast 200 mittelalterlichen Exponaten Leihgaben aus sieben Ländern und bildet damit nahezu den gesamten Hanseraum ab. Naturgemäß liegt ein Schwerpunkt aber im europäischen Osten. In der neuen deutschbaltischen Abteilung wird die Hanse eine wichtige Rolle spielen, da z. B. mit Riga, Reval (Tallinn) und Dorpat (Tartu) bedeutende Hansestädte im Baltikum lagen. Denkt man zusätzlich noch an die alten preußischen Städte wie Danzig, Elbing, Königsberg und Thorn, mächtige Hansestädte des Deutschordens-Staates, wird deutlich, welch wichtige historische Klammer die Hanse für das Lüneburger Museum darstellt.

Entsprechend bildet diese Ausstellung zur historischen Hanse einen ersten Baustein der neuen Abteilung. Ein weiterer folgt bereits im Herbst mit der sich anschließenden Sonderausstellung „Glanz und Elend. Mythos und Wirklichkeit der Herrenhäuser im Baltikum“, die der neue Osteuropahistoriker Dr. Eike Eckert betreuen wird. 2014 schließlich – mit dem Abschluß des Modernisierungs- und Erweiterungsbaus des Ostpreußischen Landesmuseums – wird die deutsch-baltische Abteilung ein fester Bestandteil der Dauerausstellung sein, die in enger Kooperation mit der in Lüneburg ansässigen Deutschbaltischen Kulturstiftung, aber auch mit dem Nordostinstitut als dem zentralen Forschungsinstitut für das Baltikum geschaffen wird.

Die hohen Gäste zeigten sich von dem Vorhaben wie auch von der Hanse-Ausstellung begeistert. Schließlich präsentiert das Museum nicht nur ungewöhnliche archäologische Funde, sondern z.B. auch den überaus prächtigen Revaler Codex lübischen Rechts von 1280 aus dem Staatsarchiv Tallinn.

Derart hochwertige Leihgaben zeugen von den guten Kontakten und Kooperationen des Ostpreußischen Landesmuseums mit Museen und Archiven nicht nur in Polen und Rußland, sondern jetzt auch in den baltischen Ländern. Auf die neue Abteilung, auf weiter wachsende länderübergreifende Kooperationen, auf gegenseitigen regen Austausch und auf den wichtigen Beitrag der Kulturgeschichte zu einem friedlichen Europa stießen Vertreter des Museums mit dem lettischen Botschafter Ilgvars Klava, dem litauischen Botschaftsrat Ernestas Mickus sowie dem Gesandten der estnischen Botschaft, Carl Eric Laantee Reintamm, und Kulturattaché Harry Liivrand an. Breite Unterstützung für das ambitionierte Projekt wurde zugesichert.

(KK)

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