Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1332.

Hätte Napoleon das gewusst

Sein großmächtiges Ansinnen verhalf schließlich Preußen zu neuem Selbstbewusstsein, kann man in Ratingen lernen

Die neue Sonderausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel knüpft thematisch an eine erfolgreiche Präsentation des Hauses an, die Friedrich dem Großen gewidmet war. Preußens König ist auch gleich zu Beginn des Rundganges durch die sich auf rund 500 Quadratmetern erstreckende Schau „Das Vaterland ist frey – 200 Jahre Befreiungskriege“ zu entdecken.

Hätte-NapoleonAusgehend von den Verhältnissen am Ende der friderizianischen Zeit werden die Entwicklungen der napoleonischen Ära sowie die unterschiedlichen Sichtweisen darauf gezeigt. Der Fokus liegt dabei auf der Region Schlesien und den Impulsen,  die 1813 von dort ausgingen. Ein Höhepunkt dürfte in diesem Sinne der berühmte Aufruf des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. sein, der aus Breslau sein Volk zum Kampf gegen Napoleon anfeuerte.

Die Ausstellung behandelt die Ereignisse von der napoleonischen Eroberung Preußens 1806/07 bis zur Abdankung Napoleons und der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress im Jahr 1815. Zahlreiche herausragende Exponate in- und ausländischer Leihgeber veranschaulichen diese Zeit des Auf- und Umbruchs. Insgesamt baute das Team von Direktor Dr. Stephan Kaiser rund 500 Ausstellungsstücke von über 30 Leihgebern auf.

Die Ölmalerei „Gold gab ich für Eisen“ von Richard Knötel, das Rohr eines preußischen Sechspfünders um 1770, die handschriftlichen Entwürfe des Aufrufes von König Friedrich Wilhelm III. „An mein Volk“, die Rheinbundakte von 1806, die Ratifikationsurkunde des Tilsiter Friedens von 1807 mit Napoleons Unterschrift und das Schlussdokument des Wiener Kongresses von 1815 sind Höhepunkte der Präsentation.

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner vom BKM, der bei der Ausstellungseröffnung als Vertreter des Schirmherrn Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien, eine Ansprache hielt, verwies darauf, dass die preußischen Reformen von 1813 prägend für Deutschland gewesen sind. Auch die Farben des Landes, Schwarz–Rot–Gold haben dort ihren Ursprung. Diese und viele weitere nationale Bezüge des Themas seien ausschlaggebend gewesen, dass Kulturstaatsminister Neumann gerne die Schirmherrschaft über die Sonderschau übernommen habe.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist der Rezeptionsgeschichte gewidmet. Hier nimmt die Breslauer Jahrhundertausstellung von 1913 eine Sonderposition ein. Die damalige Präsentation anlässlich der Jahrhundertfeier der Freiheitskriege in den Pavillons des Architekten Hans Poelzig vereinte fast 9000 Exponate. In Ratingen sind einige der seltenen Gegenstände, Malereien und Dokumente zu sehen, die seinerzeit in Breslau ausgestellt waren. Es geht unter anderem um Konvolute offizieller Druckschriften zur Breslauer Ausstellung, die als Leihgabe der Universitätsbibliothek Breslau zur Verfügung gestellt worden sind. Neben der Ehrenbürgerurkunde für Herzog Viktor II. von Ratibor aus der Sammlung Herzog von Ratibor, Corvey, sind auch Kataloge zur Breslauer Ausstellung aus den Beständen der hauseigenen Sammlung sowie aus der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne zu entdecken.

Die Ausstellung ist im OSLM von Ratingen-Hösel bis zum 27. Oktober zu besichtigen.

Dieter Göllner (KK)

«

»