Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1251.

Heilsame Entbehrung

Im allgäuischen Oberstaufen ist die Erinnerung an Lindewiese in Österreich-Schlesien als Entstehungsort der Schroth-Kur lebendig

In der Pfarrkirche St. Peter und Paul von Oberstaufen erinnert eine große weiße Steintafel an die St. Wenzel-Kirche in Lindewiese im Tal des Altvatergebirges. Viele Vertriebene aus  Lindewiese (Dolny Lipova) im einstigen Österreich-Schlesien kommen heute ins Allgäu, um sich dort an ihren Landsmann Johann Schroth zu erinnern, der durch die nach ihm benannten Kuren ihren Heimatort bekannt und reich gemacht hat.

Schroths Vorfahren waren vor fünfhundert Jahren  aus dem damals armen Schwaben nach Osten gezogen. Sein Urenkel Walter kam nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin zurück, blieb aber glücklos. Ein neues Zentrum der Schrothkur baute nicht er, sondern der letzte deutsche Chefarzt der Schrothschen Kuranstalt in Lindewiese, Dr. Hermann Brosig, auf. Er hatte in Prag studiert und promoviert. Nach Oberstaufen war er gekommen, weil seine Frau als Vertriebene dort gestrandet war. Mindelheim hatte eher als Oberstaufen den Wert der Schrothkur erkannt und bemühte sich, den 1947 aus britischer Gefangenschaft gekommenen Brosig zu sich zu holen. Dessen Frau aber entschied sich letztlich für Oberstaufen, und schließlich fanden  sich die damals armen Bergbauern nach langem Zögern bereit, erste Unterkünfte für Kurgäste einzurichten. Der sudetendeutsche Arzt wurde für Oberstaufen zum Glücksfall. Ungefähr 1,3 Millionen Übernachtungen werden jetzt jährlich gezählt.

Oberstaufens Kurdirektor staunte nicht schlecht, als er noch vor der Wende ein Paket vom Balneologischen Institut in Marianski lazne erhielt, in dem sich eine verwitterte und brüchige Dachplatte befand. Die tschechischen Kollegen hatten ihm geschickt, was von dem wegen Baufälligkeit abgerissenen Geburtshaus von Johann Schroth (1798–1856) übriggeblieben war.

„Feuchte Wärme heilt Stein und Bein“, hat Johann Schroth an sich selbst erfahren, nachdem ihn ein Pferd getreten hatte. Gegen alle Widerstände setzte der zunächst als Kurpfuscher Verschriene seine Heilmethode von Wickeln und Fasten durch. „Ohne Entbehrung kein Genuß“, heißt die Devise.

Norbert Matern (KK)

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