Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1397.

Heimat als Antwort auf Fragen der Zeit

Hartmut Koschyk stellt sein Buch in Oppeln vor

Zwischen Heimeligkeit und Urbanität, zwischen Heimat und Globalisierung müssen nicht Widersprüche gesucht, sondern Perspektiven gefunden werden – wie Armin Stern in seiner Stadtlandschaft
Bild: Exil-Sammlung Thomas B. Schumann, Edition Memoria

Mit dem im EOS-Verlag der Benediktiner-Erzabtei St. Ottilien erschienenen Buch „Heimat – Identität – Glaube. Vertriebene – Aussiedler – Minderheiten im Spannungsfeld von Zeitgeschichte und Politik“ versucht Hartmut Koschyk zeitgeschichtliche Zusammenhänge, politische Entwicklungen, aber auch ganz persönliche Überzeugungen und Sichtweisen zu verbinden. Der ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und frühere Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bayreuth-Forchheim präsentiert in der Publikation eine Art politisch-persönlicher Bilanz.

Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Gesellschaften in Polen (VdG), Bernhard Gaida, hatte in seiner Eigenschaft als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (AGDM) in der Föderation Europäischer Nationalitäten (FUEN) in das Ambiente des Museums des Oppelner Schlesien zu einer Autorenlesung mit Hartmut Koschyk eingeladen. In seinem Grußwort dankte er Urszula Zajaczkowska, der Direktorin des Gastgeberhauses, für die Möglichkeit, die Autorenlesung in dieser bedeutenden Kulturinstitution zu veranstalten. Das Programm wurde durch die Mitarbeiterinnen des VdG-Büros – insbesondere Monika Wittek und Maria Neumann – vorbereitet.

Der Auftritt in Oppeln ist übrigens für den Buchautor fast ein „Heimspiel“. Es ist zum einen die Heimatstadt seiner Mutter, zum anderen stammt sein Vater aus der Gemeinde Simsdorf bei Zülz/ Woiwodschaft Oppeln. In der Region leben auch heute noch Verwandte.

Musikalisch wurde die Lesung durch die aus der deutschen Minderheit stammende junge Geigen-Virtuosin Martyna Magosz mit zwei Kompositionen von Johann Sebastian Bach stimmungsvoll eingeleitet.

Unter den Ehrengästen der Veranstaltung waren u. a. die deutsche Konsulin Birgit Fisel-Roesle, der ehemalige VdG-Vorsitzende Heinrich Kroll, die Vorsitzenden der Sozialkulturellen Gesellschaften im Oppelner Schlesien, Rafal Bartek, und der Woiwodschaft Schlesien, Martin Lippa, sowie Repräsentanten der katholischen und der evangelischen Kirche. Die Moderation des Leseabends übernahm Dr. Magdalena Lemanczyk, Soziologin aus Danzig und Regionalkoordinatorin des VdG für Nordpolen.

Dr. Lemanczyk stellte dem Publikum Koschyks Buch vor. Sie hatte den Band übrigens bereits in einer Publikation der Polnischen Akademie der Wissenschaften ausführlich besprochen.

Als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen legte Koschyk in seiner Arbeit immer einen Schwerpunkt auf den Dreiklang von „Heimat – Identität – Glaube“. Heimat stellt für ihn das entscheidende Fundament für die eigene Identität dar und ist die notwendige Antwort auf die zunehmende Globalisierung. Ein in sich ruhendes Heimatbewusstsein, verbunden mit gesicherter Identität und lebendigen Glaubensüberzeugungen, ist die Voraussetzung für ein gedeihliches und respektvolles Zusammenleben mit anderen Nationen, Kulturen und Religionen. Heimat, Identität und Glaube helfen den Menschen, die Herausforderungen der Globalisierung zu meistern und ihnen weltoffen zu begegnen, ohne entwurzelt zu werden.

Fehlt einer dieser Töne, geht nach Koschyk die Harmonie verloren, was insbesondere beim Blick auf das leidvolle Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen, der in der angestammten Heimat verbliebenen deutschen Volksgruppen in Mittel- und Osteuropa, der in die ehemalige Sowjetunion deportierten Deutschen sowie der in die Bundesrepublik Deutschland ausgereisten Spätaussiedler, aber auch in Bezug auf die vier autochthonen Minderheiten in Deutschland deutlich wird.

Im Rahmen eines Interviews am Rande der Lesung konnte Magdalena Lemanczyk den Autor für persönliche Bekenntnisse im Zusammenhang mit der Entstehung seines Buches gewinnen. Es ging aber im Gespräch auch darum, dass er interessante Erinnerungen aus seiner jahrzehntelangen Verbundenheit mit der deutschen Minderheit in Polen wachrief, die 1989 in seiner damaligen Funktion als Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen begonnen hatte. Koschyk sprach sich im Interview auch entschieden für weitere Anstrengungen der deutschen Bundesregierung und der polnischen Regierung für die Wahrung und Weiterentwicklung der muttersprachlichen und kulturellen Identität der deutschen Minderheit in Polen aus.

In Deutschland müssten Politik und Gesellschaft noch viel stärker bewusst machen, dass „die deutschen Minderheiten in Europa und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion untrennbar zur deutschen Kulturnation gehören“, betonte Koschyk.

(KK)

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