Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1336.

Heimat für Bücher

In Herne wird das zwischen Buchdeckeln bewahrte Wissen um das deutsche Kulturerbe des Ostens allgemein zugänglich vorgehalten

Heimat-für-BücherDass in der Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) umfangreiche Literatur rund um das Leben und Werk des im Jahre 1597 in Bunzlau geborenen Historiographen und schlesischen Barockdichters zu entdecken ist, dürfte selbstverständlich sein. Martin Opitz lebte und wirkte unter anderem – auch literarisch ertragreich – in Siebenbürgen, Thorn und Danzig, wo er 1639 als Historiograph im Dienste des polnischen Königs starb.

Die Bibliothek wurde 1989 vom Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Herne unter finanzieller Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland als Stiftung errichtet. Bei ihrer Gründung übernahm sie die Bestände der Bücherei des deutschen Ostens. Die Bibliothek wird heute von der Stadt Herne und zu ca. 70 Prozent vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterstützt die MOB mit einem jährlichen Zuschuss.

Die Spezialbibliothek sammelt die schriftliche Überlieferung zur Geschichte und Kultur der Deutschen im gesamten Raum Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa. Schwerpunkt sind die Regionen im heutigen Westen Polens, dem historischen Ostdeutschland. Wertvolle Sonderbestände gelangen durch die Übernahme von Nachlässen sowie ganzen Sammlungen in die Martin- Opitz-Bibliothek und werden oftmals erst auf diese Weise zugänglich gemacht. Die Bibliothek des Historischen Vereins für Ermland, das Galiziendeutsche Archiv oder das Archiv der Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien gehören zu den übernommenen Sammlungen. Darüber hinaus beherbergt die Martin-Opitz-Bibliothek u. a. auch die Bibliothek der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher und unterstützt den Verein Digitales Forum Mittel- und Osteuropa durch Lieferung von Digitalisaten seltener Periodika.

Das Haus wird von Dr. Hans-Jakob Tebarth geleitet, einem Spezialisten in Sachen Fachinformation Nordosteuropa und GUS sowie Ost- und Westpreußen mit Danzig.

Heimat-für-Bücher2Einen Sammelschwerpunkt bilden die historischen preußischen Ostprovinzen (Schlesien, Pommern, Ost- und Westpreußen, Ostbrandenburg). Umfangreiche Bestände besitzt die Bibliothek darüber hinaus zu allen Gebieten in Süd- und Nordosteuropa, in denen Deutsche neben anderen Nationalitäten gelebt haben – so beispielsweise Böhmen, Mähren, Siebenbürgen, Banat, dem Baltikum, Russland.

Thematisch geht es insbesondere um Geschichte, historische Landeskunde, Orts- und Familiengeschichte sowie Kirchen- und Religionsgeschichte (ein Gutteil Judaica). Dazu kommt die Belletristik deutschsprachiger Autoren aus den genannten Regionen einschließlich der einschlägigen germanistischen Forschung. Zu erwähnen ist auch der Sammelschwerpunkt Migrations- und Minderheitenforschung, der die Flucht, Vertreibung und Integration der deutschen Vertriebenen sowie die Integration von Zuwanderern dokumentiert. Ergänzt werden die Bestände durch Literatur aus unterschiedlichen Wissensgebieten, wie europäische Ethnologie, Kunst, Geographie und Genealogie.

Mit rund 300 000 Titeln, 10 000 Periodika und 5000 Landkarten ist die Bibliothek die größte einschlägige Einrichtung in Deutschland. Sie übernimmt für das regionale Sammelgebiet die Funktion einer Zentralbibliothek. Das Haus versteht sich als Service-Einrichtung und bietet einen zeitgemäßen Digitalisierungsservice an. Seit Ende letzten Jahres ist die Einrichtung Mitglied des eBooks on Demand-Netzwerkes. Die Grundidee dieses Projektes liegt darin, den Nutzern zu ermöglichen, gemeinfreie Bücher nach Wunsch digitalisieren zu lassen.

Die Martin-Opitz-Bibliothek leiht Bücher und gebundene Periodika aus, die wichtigsten Nachschlagewerke sind allerdings nur als Präsenzbestand frei zugänglich. Die Einrichtung nimmt am Fernleihverkehr der Bibliotheken teil. Leser mit Wohnsitz in Deutschland, die keine der Fernleihe angeschlossene Bibliothek in der Nähe haben, können auch direkt auf dem Postweg Titel aus Herne entleihen.

Die Martin-Opitz-Bibliothek agiert als Gastgeber verschiedener Kulturveranstaltungen und beteiligt sich zum anderen häufig an Programmen anderer Institutionen. Hier einige Termine: Am 17. Oktober präsentiert Michael Majerski seinen Film „Oberschlesien – Hier, wo wir uns begegnen“, am 28. November liest Jan Cornelius sein „Narrenstück oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt“, und am 12. Dezember erzählt Ulla Lachauer in „Paradiesstrasse“ die Geschichte eines Bauernhofs an der Memel im 20. Jahrhundert.

Dieter Göllner (KK)

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