Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1308.

Heimatverbundener Kosmopolit

Klaus Weigelt zum 70.

Am 14. Mai 2011 beging Klaus Weigelt, der Präsident der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR, seinen 70. Geburtstag. Er wurde 1941 in Königsberg als Sohn eines schlesischen Vaters und einer ostpreußischen Mutter geboren und wuchs in Hamburg auf, wo er nach der Vertreibungskatastrophe eine zweite erlebte, die Flutkatastrophe 1962, bei der er als Soldat im Rettungseinsatz helfen konnte.

Seine theologischen, pädagogischen, wirtschaftlichen und soziologischen Studien führten ihn nach Tübingen und Freiburg und dann als Stipendiat zur Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Augustin. Ihr blieb der Diplom-Volkswirt sein gesamtes Berufsleben hindurch verbunden, zunächst als Seminarleiter, dann als Studien- und schließlich als Akademieleiter in Schloß Eichholz bei Wesseling. Von dort führte sein Weg über Caracas/Venezuela, als Landesbeauftragter, nach Brüssel als Leiter des Europabüros der Adenauer-Stiftung. Anschließend wurden ihm die Zuständigkeit für den Internationalen Bereich Europa, Japan und USA sowie die Leitung des Vorstands- und Kommunikationsbereichs der Adenauer- Stiftung übertragen. Von 2002 bis 2006 wirkte er dann als Außenstellenleiter in Budapest/Ungarn. Den Ruhestand, der allerdings mit Ruhe wenig zu tun hat, verlebt er in Regensburg.

Bei allem kosmopolitischen Elan, den eine solche Karriere voraussetzt, ist Klaus Weigelt seiner Heimat Ostpreußen eng verbunden, obwohl er sie als kleiner Junge verlassen mußte und nicht kennenlernen konnte. So wie es bei Immanuel Kant fast unbegreiflich ist, daß er nie aus seiner Heimat Ostpreußen und speziell aus Königsberg herausgekommen ist und doch als Weltweiser gelten muß, so steht sein Landsmann und Bewunderer Klaus Weigelt als Zeuge dafür, daß man es genau umgekehrt machen kann, daß man in der ganzen Welt zu Hause und dennoch vielfältig und ertragreich tätig sein kann und dabei auch die Heimat nicht vergessen muß. Als Vorsitzender der Stiftung Königsberg im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg, Mitglied der Ostpreußischen Landesvertretung, Mitglied des Vereins Freunde und Förderer des Ostpreußischen Landesmuseums und des Vereins der Freunde und Förderer des Museums Stadt Königsberg steht Klaus Weigelt in ständigem Kontakt zu Ostpreußen und besucht das Land immer wieder. Seine besondere Zuneigung gilt dem Werk Ernst Wiecherts, was sich in so manchem literarhistorischen Beitrag äußert, so in „Der Dichter und die Zeit. Verantwortete Zeitgenossenschaft. Ernst Wiechert“.

Aber Klaus Weigelts Blick ist keineswegs auf Ostpreußen eingeengt. In seiner Zeit als Leiter der Politischen Akademie der Adenauer-Stiftung in Eichholz (1981–1992) verstand er es, weite Kreise für die umfassende Problematik „Heimat und Nation“ und die Vertriebenenschicksale zu interessieren. Bruno Heck, Erwin K. Scheuch, Michael Stürmer und vor allem Jörg Bernhard Bilke sowie eine Reihe von Bundestagsabgeordneten, an ihrer Spitze Herbert Hupka, wurden von ihm zur Zusammenarbeit herangezogen. Tagungen wurden durchgeführt, Sammelbände von ihm herausgegeben, darunter „Flucht und Vertreibung in der Nachkriegsliteratur“ (Forschungsbericht 51/1986) – bis heute ein immer wieder nachgefragtes „Standardwerk“.

Seit dem 8. November 2010 hat Klaus Weigelt das Amt des Präsidenten der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR inne, und ein Rundschreiben vom 23. März 2011 zeigt, daß er mit Engagement und einfallsreichen Initiativen an der Arbeit ist. Als langjähriges Kuratoriumsmitglied ist er mit den Problemen der um die ostdeutsche Kultur bemühten Institutionen bestens vertraut und legt besonderen Wert auf die Umsetzung dessen, was die Bundesregierung in ihrem Bericht vom 23. Dezember 2009 zur Sprache bringt. In einem Grundsatzartikel in der „Kulturpolitischen Korrespondenz“ 1304 vom 25. Januar 2011 hat Klaus Weigelt das auf den Punkt gebracht: „Nach dem massiven Rückschlag im Jahre 2000 wird nun … das ‚visionäre Kernanliegen‘ des § 96 BVFG erkannt und der ‚Brückenschlag zwischen nationaler kultureller Identität und europäischem Bewußtsein‘ zum Grundanliegen erklärt. Dem ,vielschichtigen Kulturerbe‘ der Deutschen im östlichen Europa wird nunmehr eine ,Schlüsselrolle‘ zuerkannt.“

Dieses Grundanliegen bewußt zu machen und es in konkreter Aktion wirksam werden zu lassen, ist der Präsident in seiner jugendlichen Tüchtigkeit bestrebt. Dazu wünschen ihm Vorstand, Kuratorium und Beirat der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR vollen Erfolg und gratulieren ihm zu seinem Geburtstag in der Verbundenheit dieses Anliegens.

Roswitha Wisniewski (KK)

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