Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1320.

Heimgang

Gerhard Steffen wurde in seiner ermländischen Heimatkirche beigesetzt

Der Verstorbene hatte sich eigentlich nur gewünscht, in der Heimaterde begraben zu werden, und hatte deswegen behutsam den befreundeten Taddeus Rudzinsky, Pfarrer von Pettelkau, gefragt, ob auf dem Friedhof von Pettelkau Platz für ihn sei. Doch der lehnte ab, nein, für ihn sei da kein Platz. Und auf die Rückfrage antworte der Pfarrer: „Nein, du kommst nicht auf den Friedhof, sondern als Wiedererbauer der Kirche hast du das Recht, in der Kirche begraben zu werden.“ Das genehmigte auch Dr. Edmund Piszcz, der damalige Erzbischof von Ermland, und so ließ Gerhard Steffen schon einmal vorsorglich eine Grabplatte für die Wand und eine Gruft darunter herstellen.

Auch die Überführung des Sarges nach Ostpreußen hatte er vorbereitet, und der Bestattungsunternehmer aus Braunsberg musste mit dem Sarg erst einmal vom Wohnort Oberursel zum polnischen Konsulat nach Köln fahren, damit er kontrolliert wurde. Zur Beisetzung in Braunsberg reiste dann die Großfamilie des Verstorbenen an.

Nachdem bereits ein Requiem in Oberursel stattgefunden hatte, begannen die Trauerfeierlichkeiten in Braunsberg mit einem weiteren Requiem in der nach den Zerstörungen des Krieges wiederaufgebauten gotischen Pfarrkirche St. Katharina mit dem prächtigen Sternengewölbe. In dieser Kirche war der Verstorbene noch im Krieg Meßdiener gewesen.

Außer der Familie des Verstorbenen waren der Braunsberger Bürgermeister mit Ratsherren, der ehemalige Landrat mit Frau, die Schwestern des Klosters der Katharinerinnen, eine Abordnung der Feuerwehr und natürlich Manfred Ruhnau, der Nachfolger des Verstorbenen im Amt des Kreisvertreters Braunsberg, mit Schriftführer, einige Angehörige der deutschen Minderheit und einige polnische Bürger anwesend.

Der inzwischen pensionierte Erzbischof Dr. Edmund Piszcz nahm die Beisetzung zusammen mit seinem Nachfolger Dr. Adalbert Ziemba und fünf weiteren Priestern der Diözese Ermland vor. In seiner Predigt auf deutsch stellte Erzbischof Piszcz fest, daß Gerhard Steffen ein Mensch mit tiefem Glauben und tiefer Hoffnung war und aus dieser Haltung heraus bewußt sein Leben gestaltet hat. Auch ging er auf den Lebensweg Gerhard Steffens ein, der mit 16 Jahren Braunsberg verlassen mußte, weil er als Flakhelfer eingesetzt wurde. Kurz vor Kriegsende kam er dann zur Wehrmacht, geriet in russische Gefangenschaft und kehrte 1948 krank und ausgezehrt zur Familie zurück, die inzwischen in Niedersachsen eine vorläufige Bleibe gefunden hatte. Ja, er hätte einen Groll haben können, auch auf die Polen, doch sein Glaube habe ihm gesagt, daß er das Böse durch das Gute besiegen müsse. Aus dem Glauben heraus war er eben ein Mensch des Friedens, so der pensionierte Erzbischof.

Von der Kirche fuhr ein Autokorso über die alte sogenannte Panzerstraße nach Pettelkau, wo die Beisetzung in der Kirche stattfand. Und ein Zerm, also ein Begräbnismahl, gab es natürlich auch – für alle, die teilnehmen wollten.

(KK)

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