Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1397.

Herbstlichkeit, zeitlose

Das ganze Jahr über ernten die Museen, jetzt lassen sie sich in ihre üppig gefüllten Körbe und Kammern blicken

Einer Orgel sieht man die Pracht ihres Klanges an wie dieser im banatischen Orawitza
Bild: Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm

Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm
Mit einem Kirchenkonzert in der Martin-Luther-Kirche Ulm wurde die neue Ausstellung „Banater Orgeln und Orgelbauer – Bilder einer europäischen Orgellandschaft“ im Donauschwäbischen Zentralmuseum eröffnet. Das Programm bestritten Franz Metz an der Orgel und Franz Tröster an der Trompete. Hintergrund des Ausstellungsprojektes ist, dass im Dezember 2017 die UNESCO den Orgelbau und die Orgelmusik zum immateriellen Weltkulturerbe erklärte.

Das historische Banat ist eine an Orgeln reiche Kulturlandschaft, in der sich 350 Orgeln in katholischen, evangelischen und reformierten Kirchen sowie in Synagogen befinden. Die Ausstellung im DZM hebt Aspekte der Geschichte von Orgeln und Kirchenmusik in einer Region hervor, in der bis heute Menschen vieler Konfessionen gemeinsam leben. Die Schau im DZM Ulm wird in Zusammenarbeit mit dem Gerhardsforum Banater Schwaben e. V. gezeigt und ist bis zum 6. Januar 2019 geöffnet.

Ein weiterer Veranstaltungshöhepunkt ist die Programmreihe „Donauschwäbische Zeitzeugen erzählen“. Vorgestellt werden Ergebnisse eines internationalen Zeitzeugen-Projektes, das 2017 startete. In Filmdokumentationen schildern 21 Menschen aus fünf Ländern Aspekte aus ihrem Leben und sprechen über ihre donauschwäbische Identität.

Die Protagonisten sind Personen zwischen 22 und 92 Jahren, die donauschwäbische Wurzeln haben und in Deutschland, Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien leben. Die Interviews können noch bis zum 1. November auf der hauseigenen Internetseite www.dzm-museum.de und auf YouTube aufgerufen werden. Die Titel der Filme sind: „Verlust – Kindheit im Krieg“, „Auf der Suche – Neuanfänge nach 1945“, „Gehen oder Bleiben – Leben im Kommunismus“ und „Blick nach vorn – Die nächste Generation“.

Am 15. November findet im DZM die Buchpräsentation „Donauschwaben – Deutsche Siedler in Südosteuropa“ mit den Autoren Gerhard Seewann und Michael Portmann sowie Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa, statt. Auf 400 Seiten haben die Historiker Seewann und Portmann ein Handbuch verfasst, das den aktuellen Forschungsstand zur Geschichte der Donauschwaben von der Ansiedlung bis in die Gegenwart wiedergibt. Das Buch behandelt alle Siedlungsgebiete und ordnet die Geschichte der Deutschen zwischen Budapest und Belgrad in die großen politischen und gesellschaftlichen Strömungen der letzten drei Jahrhunderte ein.

Handfest und gerade deshalb schön: Walken ist keine Kunst, kann aber, wie hier, Kunst ergeben, wenn Pfefferkuchen gebacken werden
Bild: Oberschlesisches Landesmseum Ratingen

Oberschlesisches Landesmuseum Ratingen
Am 28. Oktober ist das Oberschlesische Landesmuseum von Ratingen-Hösel darauf eingestellt, zahlreiche Besucher zu empfangen. Am diesjährigen Herbstmarkt ist Handwerkskunst aus Oberschlesien und aus dem Rheinland wie etwa schlesische Stickereien, Trachtenpuppen und Bunzlauer Keramik zu erleben. Hinzu kommen kulinarische Köstlichkeiten, darunter Ratinger Honig, Marmeladen „Von Hösel“, schlesische Kuchen und Brote der Traditions-Bäckerei Artur Müller aus Schwelm sowie leckere Wurstspezialitäten der Metzgerei Piecha aus Hagen. Kinder können am traditionellen Lebkuchenbacken teilnehmen.

Während des Herbstmarktes werden Kuratorenführungen durch die Sonderausstellungen des Museums angeboten. Zu besichtigen sind die Werkschau der Bildhauerin Jutta Osten und die Präsentation rund um die Gärten Peter Joseph Lennés zwischen Schlesien und Pommern sowie die seit kurzem eröffnete Ausstellung „Schaukelpferd und Zinnsoldaten. Kindheit und Jugend in Schlesien“.

Höhepunkt ist die Vernissage der neuen Sonderausstellung „Pfefferkuchen – Eine Reise der Sinne“, die bis zum 10. März 2019 geöffnet bleibt. Neben der Kulturgeschichte des Pfefferkuchens stehen bei dieser Schau aus dem Haus Schlesien in Königswinter auch die Zutaten und die Produktion des würzigen Gebäcks sowie die regionalen Besonderheiten im Mittelpunkt. Schlesien blickt übrigens auf eine 700-jährige Tradition dieses Handwerks zurück. Der Herbstmarkt ist eine Veranstaltung des Kulturreferenten für Oberschlesien, die aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt und in Zusammenarbeit mit dem Oberschlesischen Landesmuseum durchgeführt wird.

Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg
Am 3. und 4. November 2018 ist in Lüneburg unter dem Motto „Tradition trifft Modernes“ der Museumsmarkt zu erleben. Am Kunsthandwerkermarkt in der neu eröffneten Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums mit Deutschbaltischer Abteilung präsentieren Aussteller aus ganz Deutschland und aus dem östlichen Europa ihre Arbeiten und bieten auch praktische Vorführungen an.
Am 15. November findet um 18 Uhr der Themenabend „Ostpreußen im Ersten Weltkrieg in der Literatur“ statt. Die Veranstaltung beleuchtet in zwei Vorträgen, wie sich Schriftsteller mit dem Ersten Weltkrieg in Ostpreußen literarisch auseinandergesetzt haben. Es handelt sich um einen Beitrag von Professor Dr. Miroslaw Ossowski, Gdansk/Danzig, sowie um einen Vortrag von Klaus Weigelt, „Der Erste Weltkrieg im Werk von Ernst Wiechert“.

Anschließend liest Arno Surminski einige Ausschnitte aus seinen Romanen und Erzählungen, welche die Kriegsgeschehnisse im Ostpreußen 1914–1918 zum Thema haben.

Rhythmen und Bewegungen malen, das konnte Alexander Camaro, schließlich war er auch Balletttänzer: Die Landschaft ist gefroren, die Musik taut sie auf
Bild: Schlesisches Museum zu Görlitz

Schlesisches Museum zu Görlitz
Bis zum 10. März 2019 ist im Schlesischen Museum zu Görlitz die neue Sonderausstellung „Alexander Camaro und Breslau – Eine Hommage“ zu besichtigen. Die Präsentation wurde von der Berliner Alexander und Renata Camaro Stiftung initiiert, die das Werk des Künstlers seit 2009 verwaltet und ausstellt.
Alexander Camaro (Breslau 1901 – Berlin 1992) ist ein maßgeblicher Vertreter der Berliner Nachkriegsmoderne mit Breslauer Wurzeln. Künstlerisch prägte ihn vor allem der Expressionist Otto Mueller. Camaro gilt heute als sein erfolgreichster Schüler.

Auf Initiative der Camaro Stiftung entstand diese Sonderausstellung vertiefend zur derzeit in Berlin präsentierten Schau „Maler. Mentor. Magier. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau“. Die Leihgaben aus dem Berliner Camaro Haus stellen vor allem die besondere Beziehung des Künstlers zu seiner Heimatstadt in den Mittelpunkt. Dort verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Die Erinnerungen an die Atmosphäre der Stadt und die idyllische Oderlandschaft inspirierten Camaro als Maler, Bühnenkünstler, Literat und Filmemacher zeitlebens.

Es ist für viele Kunstkenner erstaunlich, wie sich die Eindrücke sowohl aus der schlesischen Heimat als auch aus der Zeit der Lehrjahre beim Expressionisten Otto Mueller an der Breslauer Akademie in Camaros Werken offenbaren. Einige von Nostalgie geprägten Schriftzeugnisse thematisieren die Jugend im Breslauer Vorort Morgenau: Camaro beschreibt seine Liebe zur Natur, die außerdem in vielen geheimnisvoll verschlüsselten Bildmotiven wiederkehrt. Mit 16 Jahren erlernte er das Geigenspiel und zog mit einer wandernden Artistentruppe umher. Die Erlebnisse aus dieser Welt sind in seinen frühen Bildern zu entdecken.
Die Ausstellung wird durch eine reich bebilderte zweisprachige Publikation (deutsch-polnisch) ergänzt.

D. G. (KK)

«

»