Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1368.

Historiker der Geistesfreiheit

Peter Mast ist gestorben

Erst jetzt wurde bekannt, dass Peter Mast schon im Sommer 2015 in München verstorben ist. Als im Jahr 2000 einem halben Dutzend ostdeutschen Kultureinrichtungen, darunter der heute in der Bonner Kaiserstraße ansässigen Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, die staatliche Förderung entzogen wurde, ging er als Rentner nach München, wo er jetzt im Alter von 74 Jahren gestorben ist.

Geboren wurde Peter Mast am 15. Januar 1941 in Berlin-Lichterfelde. Während der seite17-KK1368immer schwereren Bombenangriffe auf die Reichshauptstadt wurden die Eltern Herbert und Ilse Mast mit den vier Kindern nach Apolda in Thüringen evakuiert, wo Peter im Elternhaus der Mutter aufwuchs und 1948 auch eingeschult wurde. Im Herbst 1953 kehrten Eltern und Kinder nach Berlin zurück und wohnten zunächst im Sowjetsektor, in Berlin-Mahlsdorf.

In Berlin-Lichtenberg besuchte er auch die 1912 gegründete Immanuel-Kant-Oberschule, wo er im Juni 1960 das Abitur ablegte. Im September 1960 flüchtete die Familie Mast nach Westberlin und wurde von dort in die Bundesrepublik ausgeflogen. Im April 1961 bestand Peter Mast am Goethe-Gymnasium in Frankfurt/Main die Ergänzungsprüfung zum DDR-Abitur.

Im Sommersemester 1961 nahm er in München ein naturwissenschaftliches Studium auf, wechselte aber schon ein Jahr später zur Philosophischen Fakultät, wo er die Fächer Geschichte und Germanistik wählte. Die akademischen Lehrer, die ihn dort vornehmlich geprägt haben, waren die drei Germanisten Hermann Kunisch, Walter Müller-Seidel und Helmut Motekat, der Autor einer „Ostpreußischen Literaturgeschichte“. Von dem Historiker Hans Rall wurde Peter Mast im Februar 1978 mit einer Arbeit über „Künstlerische und wissenschaftliche Freiheit im Deutschen Reich. 1890–1901“ promoviert (in Buchform veröffentlicht 1980). Von 1978 bis 1984 war er wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Mainz, wo er an seiner Habilitationsschrift „Allgemeinbildende Schulen in Preußen. 1817–1840“ arbeitete, die aber nicht abgeschlossen werden konnte, weil ihm, dem ehemaligen DDR-Bürger, der Zugang zum Staatsarchiv in Merseburg verwehrt wurde.

Seit Herbst 1984 war er freiberuflich tätig, veröffentlichte mehrere wissenschaftliche Abhandlungen und zog im Oktober 1986 von Mainz nach München. Dort wurde er Referent an der Volkshochschule und am Katholischen Kreisbildungswerk in Bad Tölz-Wolfratshausen. Seit dem Wintersemester 1987/88 nahm er einen Lehrauftrag für Neuere und Neueste Geschichte an der Fachhochschule München wahr.

Die letzten zehn Jahre seines Berufslebens verbrachte er in Bonn, wo er als Referent für Literatur in der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen arbeitete. Hier war er zuständig für das Jahrbuch „Ostdeutsche Gedenktage“ und einige Jahre auch für die literaturwissenschaftlichen Fachtagungen. Unter seinen Büchern über Thüringen, Mecklenburg und Vorpommern und die Hohenzollern ragt der Band „Ost- und Westpreußen“ in der OKR-Studienbuchreihe „Vertreibungsgebiete und vertriebene Deutsche“ heraus.

Jörg Bernhard Bilke (KK)

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