Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1392.

Ihm ging es ums Amt, nicht um dessen Inhabe

Ausstellung zu Hans von Held in Schloss Caputh

Die Verfolgung und Inhaftierung von Journalisten und Publizisten aufgrund kritischer Berichterstattung ist in vielen Ländern der Welt auch heute ein hochaktuelles Thema. An diese Problematik wird jährlich am 3. Mai mit dem Tag der Pressefreiheit erinnert.

Als ein früher Vorläufer im Kampf um Meinungsfreiheit, der für die gerechte Sache Strafversetzungen und selbst Festungshaft in Kauf nahm, kann der preußische Beamte Hans von Held (1764–1842) angesehen werden. Wegen seiner politischen Schriften zählte er in seiner Zeit zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Spätaufklärung in Preußen.

Berüchtigt war er vor allem durch seine Anklagen gegen die preußische Staatsverwaltung Ende des 18. Jahrhunderts und seine öffentliche Kritik am preußischen Vorgehen nach der Zweiten und Dritten Teilung Polens (1793/1795).

Der in Schlesien geborene Hans von Held studierte an den Universitäten Frankfurt an der Oder, Halle an der Saale und Helmstedt Rechts- und Staatswissenschaften. Zunächst als Sekretär der niederschlesischen Akzise- und Zolldirektion in Glogau/Głogów und Küstrin/Kostrzyn tätig, wurde er 1793 nach Posen/Poznan versetzt, in das nach der Zweiten Teilung Polens Preußen zugeschlagene Gebiet.

Als Zollrat der neuen Provinz Südpreußen war er mit der Korruption unter hohen Beamten, der Bereicherung des Adels und der Ausbeutung der Bevölkerung konfrontiert. Von der Gedankenwelt der Aufklärung beeinflusst und von den Ereignissen der Französischen Revolution beflügelt, setzte sich Held für Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit ein. Er machte die Missstände in einem schwarzgebundenen Buch publik, das als „Schwarzbuch“ bekannt wurde.

Vor dem Hintergrund der Französischen Revolution und der polnischen Aufstände in den Teilungsgebieten war der preußische König bemüht, kritische Stimmen zu unterdrücken. Anstatt Helds Vorwürfe untersuchen zu lassen, ordnete er dessen Strafversetzung an. Helds publizistischer Kampf, den er von Brandenburg an der Havel und Berlin aus fortsetzte, endete schließlich mit Festungshaft in Kolberg, heute Kołobrzeg.

Die zweisprachige Wanderausstellung (deutsch/polnisch) „Wortgewalten. Hans von Held. Ein aufgeklärter Staatsdiener zwischen Preußen und Polen“ und ein dazugehöriges Begleitbuch vermitteln anhand der Lebensgeschichte von Hans von Held ein lebendiges Bild der Geschichte Ostmitteleuropas in den Jahrzehnten um 1800. Neben dem Wirken von Hans von Held wird auch das konfliktreiche Verhältnis zwischen Preußen und Polen-Litauen sowie die Entwicklung in den neuen preußischen Provinzen dargestellt.

Die Ausstellung wurde von Anna Joisten und Professor Dr. Joachim Bahlcke vom Historischen Institut der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa realisiert und wird vom Deutschen Kulturforum östliches Europa in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg bis zum 15. Juli im Schloss Caputh gezeigt.

(KK)

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