Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1369.

Illusionslos illuminieren

Klaus Weigelt zum 75. Geburtstag

Klaus Weigelt, der Präsident der Stiftung deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR, feierte am 14. Mai 2016 seinen 75. Geburtstag – ein Anlass, ihm herzliche Seite-7-KK1369Glückwünsche und Dank zu sagen für die vielfältigen Leistungen, die er hier wie in so manchen anderen Bereichen des politischen und kulturellen Lebens erbringt. Der seiner Heimat eng verbundene Königsberger lässt sich gern als „heimatverbundenen Kosmopoliten“ bezeichnen. Das kennzeichnet die nachhaltige Verflechtung seiner breiträumigen intensiven Auslandstätigkeit mit der fortwährenden Sorge für die Pflege und Bewahrung des Kulturgutes in den ehemals deutschen Gebieten im östlichen Europa.

Klaus Weigelt übernahm das Amt des Präsidenten des OKR im Jahr 2010, in einer Zeit schwierigster Veränderungen für alle Einrichtungen, die sich der vielfältigen Belange der deutschen nach 1945 Vertriebenen und ihres kulturellen Erbes annahmen. Denn im Jahr 2000 erfolgte durch die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder die verhängnisvolle Umgestaltung der Kulturarbeit gemäß Paragraph 96 des BVFG. Klaus Weigelt gehört bis heute zu den unermüdlichen „Rufern in der Wüste“, die die Hoffnung auf politische Einsicht und Lösungsüberlegungen noch nicht aufgegeben haben (vgl. KK 1366).

Zum Forum für die Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der von ihm geführten Stiftung wurde für Klaus Weigelt die hauseigene Zeitschrift „Kulturpolitische Korrespondenz“ (KK). Hier dokumentiert er die wichtigsten Ereignisse der fünfundsechzigjährigen Geschichte der Stiftung, die bis 2008 den Namen Ostdeutscher Kulturrat führte und die Abkürzung OKR traditionswahrend weiterführt. Er nennt die beachtlichen Publikationen, Publikationsreihen, die Schallplatten und die Veranstaltungen, verweist vor allem aber auch auf wichtige Formulierungen und Verständnishinweise wie etwa die des Bundespräsidenten Karl Carstens (KK 1353).

Diesen historischen Abriss führt Weigelt in Heft 1364 der KK weiter mit den Beschreibungen des Wirkens seiner Vorgänger als Präsidenten der Stiftung. Der Gründungspräsident Herbert von Bismarck, Urenkel des Bruders von Reichskanzler Otto von Bismarck, in Kniephof bei Naugard, dem Familiensitz der Bismarcks, geboren, später Landrat des Kreises Regenwalde, ging als Abgeordneter und Staatssekretär nach Berlin, wurde dort alsbald von den Nationalsozialisten in den Ruhestand versetzt, engagierte sich nach der Flucht für die Vertriebenen und war von 1948 bis 1952 erster Vorsitzender der Pommerschen Landsmannschaft. Es wird so manchen mit Pommern Verbundenen erfreuen, dass zwischen dem OKR und Pommern eine besondere Beziehung besteht. Diese vertiefte sich noch, als Professor Dr. Hans Joachim von Merkatz, 1905 in Stargard geboren, Präsident des OKR wurde und diesen in bisher längster Amtszeit leitete, obwohl er in mehreren Kabinetten Konrad Adenauers als Bundesminister Würde und Last zu tragen hatte.

Mit Georg Graf Henckel von Donnersmarck, geboren 1902 in Grambschütz, war zuvor ein Schlesier an die Spitze des OKR getreten. lhm folgte als vierter OKR-Präsident Dr. Götz Fehr, 1918 in Budweis geboren, ein hochangesehener Publizist, der die Erinnerung an Böhmen und die böhmische Sprache wachzuhalten wusste. 1968–1979 wurde ihm die Leitung von lnter Nationes anvertraut und damit die weltweite Vermittlung deutscher Kultur. Dr. Herbert Hupka, 1915 auf Ceylon geboren, muss als Schlesier gewertet werden, denn er wuchs in Ratibor auf und war Schlesien eng verbunden. Das äußerte sich nicht zuletzt in seinen journalistischen Beiträgen und in seinen Büchern mit Bezug zu dieser Kulturlandschaft. Er war Mitglied des Deutschen Bundestags und trug die schwere Entscheidung des Fraktionswechsels von der SPD zur CDU mit. Als Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien formte er diese zu einem überaus wichtigen Faktor der Vertriebenenarbeit. Ebenfalls Schlesier (1929 in Neusalz geboren) und ebenfalls ein Vertreter der geisteswissenschaftlichen Richtung in der Vertriebenenarbeit war Professor Dr. Eberhard Günter Schulz. Als Professor an der Universität Duisburg–Essen widmete er sich weithin ausstrahlend dem Werk des Königsberger Philosophen lmmanuel Kant und seiner Bedeutung für die moderne Auffassung vom Menschen und dessen Achtung vor der Würde des anderen – ein grundlegender Gedanke auch für die Fragen um Vertreibung und Unrecht.

Klaus Weigelt resümiert: „Sechs Präsidenten des OKR in sechs Jahrzehnten aus Schlesien, Pommern und Böhmen – was für eine Vielfalt der Lebensperspektiven, was für ein Reichtum der Lebensleistungen“.

Der jetzige Präsident Klaus Weigelt widmet sich mit großer Leidenschaft dem literarischen Werk von Ernst Wiechert. In seinen Arbeiten über diesen bedeutenden Königsberger Autor erweist sich das literaturwissenschaftliche Können Weigelts und seine Bereitschaft, sich drängenden Fragen der Auseinandersetzung mit sichtbaren, aber auch mit verborgenen Zeitströmungen und Verhaltensformen zu stellen. In seinem Artikel über die „ungeheure Kluft zwischen Wort und Leben“ (KK 1359) zeigt er auf, dass Wiechert unter der Erkenntnis litt, dass – mit dessen Worten – „nach dem Sieg der Waffen und dem Ende der Nazi-Zeit nichts oder nur wenig gewonnen worden war“. Weigelt verweist auf Wiecherts Deutung, dass das Spiel der Politik und der Kunst, der Weltanschauungen und der Worte erneut begann. Namentlich der Roman „Missa sine nomine“ kann als eine Warnung vor den überall gegenwärtigen Verlockungen scheinbar richtiger Verkündigungen und vertretbarer Verhaltensweisen verstanden werden, wie Weigelt eindrucksvoll nach- und damit dem Werk Wiecherts eine sehr grundsätzliche Bedeutung zuweist.

Es ist zu wünschen, dass Klaus Weigelt die Stiftung deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR noch lange mit Tatkraft und Einfallsreichtum in eine Zeit hineinführt, die neue, bisher unbekannte Probleme in sich birgt.

Roswitha Wisniewski (KK)

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