Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1258.

Im Namen des Prinzen und des Dichterfürsten

Der britische Thronfolger Prinz Charles und der Mihai Eminescu Trust unter seiner Schirmherrschaft bewahren siebenbürgisches Erbe

Es war bereits das siebte Mal seit 1997, daß Prinz Charles Rumänien besuchte. Und erneut reiste der britische Thronfolger während seines viertägigen Privataufenthalts in diesem Frühjahr nach Siebenbürgen. Während die vorangegangenen Bukarester Gespräche mit Staatspräsident Traian Basescu und Ministerpräsident Calin Popescu-Tariceanu das Pflichtprogramm darstellten, bildete die Besichtigung von Dörfern und Baudenkmälern der ungarischen Szekler und der Siebenbürger Sachsen die Kür.

nsbesondere die Kirchenburgen, die mittelalterlich anmutenden Städte und die idyllischen Dörfer der Sachsen haben es dem traditionsbewußten Architekturliebhaber aus dem Hause Windsor angetan. Ja man kann getrost sagen, er habe sein Herz an Siebenbürgen und dessen deutsche Bewohner verloren.

Während seines jüngsten Besuchs stellte er Spekulationen darüber an, daß ihm die Region „wahrscheinlich im Blut“ liege, da seine Ur-Ur-Urgroßmutter, Gräfin Claudia Rhedey, von dort stamme.

So stattete er diesmal ihrem Grab im siebenbürgischen Sangorgiu de Padure im Kreis Mieresch (Mures) unweit der von den Szeklern gegründeten Stadt Neumarkt am Mieresch (Targu Mures) einen Besuch ab. Des weiteren standen die sächsischen Dörfer Keisd und Deutsch-Weißkirch mit seiner besonders malerischen Kirchenburg auf dem Programm.

Prinz Charles ist Schirmherr des 1987 in London gegründeten britischen „Mihai Eminescu Trust“, der nach dem bedeutendsten rumänischen Dichter aus dem 19. Jahrhundert benannt ist. Diese Stiftung hat sich der Erhaltung des Kultur- und Naturerbes in Rumänien verschrieben und unter anderem größere Summen für Vorhaben in Sachsendörfern wie Deutsch-Weißkirch, Meschendorf, Radeln, Bodendorf, Klosdorf, Rauthal, Neudorf, Birthälm und Arkeden bereitgestellt. Man möchte diese und andere von ihren angestammten deutschen Bewohnern weitgehend verlassenen Dörfer mit neuem Leben erfüllen. Hunderte alter Bauernhäuser und mehrere Kirchen konnten dank der segensreichen Initiativen der Stiftung und ihrer Vorsitzenden Jessica Douglas-Home (aus der Familie des früheren britischen Premierministers Sir Alec Douglas-Home) bereits restauriert werden.

Die Vorliebe des 59jährigen Prinzen für die letzten heimatverbliebenen Sachsen und deren vom Zerfall bedrohte Kultur hatte die Lektüre einer 1997 verfaßten Broschüre seines Landsmanns William Blacker geweckt. Neben architektonischen Sanierungsmaßnahmen in den Dörfern bewegen ihn vor allem die Bewahrung des „nahezu unberührten“ Hochgebirges der Karpaten, die Rettung des märchenhaften Eichenwaldes auf dem Hochplateau der „Breite“ bei Schäßburg, die Pflege des althergebrachten Handwerks, Perspektiven eines sanften Tourismus sowie nicht zuletzt Vorhaben im ökologischen Landbau.

Die Eminescu-Stiftung ist in puncto Biolandwirtschaft unter anderem durch den Ankauf von Ackerflächen im Bereich der sächsischen Ortschaften Malmkrog und Lasseln aktiv geworden, wo chemische Düngemittel bisher kaum eingesetzt wurden und wo etwa 400 seltene Pflanzenarten zu finden sind, die anderswo als längst ausgestorben gelten.

Im abgelegenen Malmkrog bei Schäßburg, dem Lieblingsdorf des Thronfolgers, hat die mit über 300 Projekten in Siebenbürgen und der Marmarosch (Maramures) aktive Stiftung nicht nur einen Bio-Apfelgarten erworben, sie engagiert sich auch für die aus dem 14. Jahrhundert stammenden kunstgeschichtlich bedeutenden Fresken in der örtlichen Kirche und konnte im Oktober 2007 nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten die Einweihung des Herrensitzes der Adelsfamilie Apáfi begehen. Dank der Gelder aus London verwandelte sich die Ruine des ins 15. Jahrhundert zurückgehenden Baus in ein edel eingerichtetes Gästehaus (Apáfi Manor) mit Bibliothek und Vortragsräumen. Zusammen mit einigen ebenfalls von der Stiftung instandgesetzten alten Sachsenhäusern, die über Ferienwohnungen verfügen, erschließt dies dem malerisch gelegenen Ort, in dem die wohl vitalste sächsische Gemeinschaft der ganzen Region überdauert hat, neue touristische Einnahmequellen.

Neben Prinz Charles, der Eminescu-Stiftung und Organisationen aus der Republik Ungarn tun sich in Siebenbürgen vor allem die als „Gemeinschaften“ firmierenden landsmannschaftlichen Verbände der Siebenbürger Sachsen in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich hervor sowie die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Hanns-Seidel-Stiftung, das Bundesland Bayern und darüber hinaus der UNESCO-Weltfonds für Baudenkmäler, die Weltbank und das Großherzogtum Luxemburg.

An der Grundproblematik der Sanierungsbestrebungen können all diese mit viel Idealismus und zunehmend Geld ausgestatteten Hilfsmaßnahmen allerdings nichts ändern, denn die Auswanderung jener Menschen, die die betreffenden Orte noch bis zur lawinenartigen Aussiedlung der Jahre 1990/91 zum großen Teil bewohnt und gepflegt bzw. sich mit den Repräsentationsbauten und den Kirchenburgen besonders identifiziert haben, läßt sich nicht rückgängig machen. Viele der nunmehr verwaisten insgesamt noch etwa 200 Kirchenburgen und auch etliche andere erhaltenswerte Gebäude werden auf Dauer kaum zu retten sein. Aber es sollte wenigstens soviel wie möglich von dieser faszinierenden Kultur erhalten bleiben, um späteren Generationen einen anschaulichen Eindruck des über 800jährigen deutschen Erbes in Siebenbürgen zu vermitteln.

Weitere Informationen: Mihai Eminescu Trust, 63 Hillgate Place, GB-London W8 7SS, Tel. 0044-2072297618, www.mihaieminescutrust.org

Martin Schmidt (KK)

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