Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1216.

In Bildern lesen

…um zu erkennen, was die Welt zusammenhält: Für den 70jährigen Grafiker Eckard Alker jedenfalls ist es immer noch der Zeichenstift

Nach fast 70 Jahren der Abwesenheit von Ratibor, wo er am 21. Februar 1936 geboren worden ist, stellte Eckard Alker im Museum der Stadt vom 29. Mai bis zum 30. Juni 2004 seine Grafiken aus und dedizierte fünf Arbeiten dem Museum. Der Titel der Ausstellung lautete: „Wo ist noch Erinnerung“. Ein Titel, der gleich zu vielen Fragen und ebenso vielen Antworten anregt. Das Erinnern an Ereignisse, Gesichter, Landschaften, Ort, Tag und Stunde sind nicht Alkers Welt. Es sind bei ihm erdachte, erfundene, geträumte Landschaften, in denen Pflanzen, Steine, irgendwelche Objekte ihren Platz zugeordnet bekommen. Aber auch diese Objekte sind nicht gerade realitätsgetreu.

Die Titel von zwei Mappen mit Zeichnungen sprechen von dieser wirklich unwirklichen Welt, in der Eckard Alker lebt und von der er uns mitteilen will: „Labyrinthe Blätter“ und „Landschafts Ereignisse“. Man ist nicht nur eingeladen, die Zeichnungen, die man ruhig mit dem Stichwort „surrealistisch“ kennzeichnen darf, anzuschauen und zu bewundern, sondern man ist behutsam aufgefordert, in den Zeichnungen zu lesen, aus den Zeichnungen Gewolltes und Gekonntes herauszulesen, wird aber zugleich durch die Zeichnungen dazu angeregt, mit Eigenem zu antworten.

In Köln und im rheinischen Umkreis ist der gebürtige Oberschlesier heute zu Hause. Mit 35 Jahren wurde er mit dem Förderpreis des Kulturpreises Schlesien des Landes Niedersachsen ausgezeichnet. In vielen Ausstellungen, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, ist er, der heute in Bergisch Gladbach lebt, präsent als einer, auf den man sehr stolz ist.

Es überrascht – vielleicht ist dieser Ausdruck gar nicht angemessen würdigend –, daß Eckard Alker sich seit seinen grafischen Anfängen, und dies mit 25 Jahren als freischaffender Künstler, treu geblieben ist. Es gibt im Lebenslauf und Werk keine Umbrüche, Neuanfänge. Selbstverständlich spricht immer wieder die Phantasie das gewichtige Wort, und belebt die Welt, des Künstlers eigene Welt neu. Aber die Handschrift, ein Gütezeichen, ändert sich nicht. Das hat zur Folge, daß der Betrachter und Leser der Bilder, hat er sich erst einmal mit Eckard Alker vertraut gemacht, sich in dieser eigenen Welt gern zurechtfindet.

Voraussetzung all dessen, was gerade angedeutet worden ist: zeichnen können. Wir haben einen Meister des Zeichenstiftes vor uns. Angefangen hat Eckard Alker mit einer Lehre als Maler und daraufhin als Malergeselle gearbeitet. Dann ging es aber auf die Kölner Werkschulen, und die erste Position, die er gewinnen konnte, war die als Zeichner am Römisch-Germanischen Museum in Köln. Das Zeichnen nach vorgegebenen Objekten ist längst nur eine Notiz im Lebenslauf, denn der hervorragende Zeichner will nicht Vorgegebenes wiedergeben, sondern mit dem Zeichenstift neue Schöpfungen, bisher Ungesehenes, Unabgebildetes in die Welt setzen.

Das Plakative, das Vordergründige, das den Bildbetrachter überrascht, ist seine Sache nicht. Er ist, so darf man es wohl sagen, verliebt in diese erfundene Welt, ist in ihr seit Jahr und Tag zu Hause, spielt mit dem Inhalt der eigenen Welt und freut sich darüber, daß seine Bilder in ihrer keineswegs aufregenden Behaglichkeit gefallen, zum Nach-Denken, zum Mit-Denken anregen, ein Schlüsselerlebnis sind.

Das Leise, das Unaufdringliche ist des Künstlers Schaffensmelodie. Die unbekannte Macht des Schattens hat man in seinen Bildern zu entdecken geglaubt. Es ist wohl angemessener, an Eckard Alkers eigener Welt der Phantasie und der Gedanken, die den Betrachter immer wieder zum Lesen in den Bildern herausfordert, das Spielerische bis zum Verspielten als das mit dem Zeichenstift Gewollte, als Charakteristikum seiner Kunst zu rühmen.

Herbert Hupka (KK)

«

»