Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1401.

„Insbesondere denen so hieran gelegen“

Die Carl-Schirren-Gesellschaft fand bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Aufgeschlossenheit für ihr archivarisches Anliegen

Im „May 1733“ befleißigte sich der Chronist für die ersten zwei Zeilen der Druckschrift, um in akkurater Schreibschrift fortzufahren – eine reizvolle Herausforderung für jeden Leser
Bild: Carl-Schirren-Gesellschaft

Seit Anfang der 1950er Jahre werden in der Carl-Schirren-Gesellschaft (CSG) Archivalien mit Bezug auf die Geschichte der Deutschbalten sowie ihrer Herkunftsregionen in Estland und Lettland gesammelt und der Forschung zugänglich gemacht. In den über sechs Jahrzehnten seither ist der Gesellschaft wertvolles Archivgut übergeben worden.

Das Archiv der CSG ist ein Sammlungsarchiv, das Schriftgut verschiedenster Art aus der Geschichte der Deutschbalten vor und nach der Umsiedlung 1939/41 sammelt, dauerhaft bewahrt und der Öffentlichkeit, insbesondere der wissenschaftlichen Forschung, zur Verfügung stellt. Darüber hinaus ist es auch das Archiv des eigenen Hauses (CSG, DKS) und landsmannschaftlicher Kreise. In ihrer archivarischen Arbeit dient die CSG dem Schutz wertvollen, weil einmaligen Kulturguts.

Die bisher herrschenden beengten räumlichen Verhältnisse im Brömsehaus sowie die schwierige Personalsituation erschwerten die Erschließung und Verzeichnung der Archivbestände sowie ihre Lagerung und Benutzung.

Um diese Situation grundlegend zu verbessern, beschloss der Vorstand der CSG, die Bestände neu zu bearbeiten und übersichtlich zu lagern. Dabei sollte es vor allem darauf ankommen, die Erfahrungen und Leistungen der zumeist jahrzehntelangen bewährten ehrenamtlichen Mitarbeiter – an ihrer Spitze seit über 30 Jahren Renate Adolphi, die Leiterin des Archivs – mit den im Archivwesen üblichen Standards zu verbinden, um so der Öffentlichkeit, insbesondere den interessierten Forschern, den größtmöglichen Nutzen zu gewährleisten.
Der Vorstand fand bei der zuständigen Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung (BKM), Staatsministerin Monika Grütters, große Aufgeschlossenheit. Eine von ihr eingesetzte Expertengruppe kam zu dem Ergebnis, dass die Archivbestände „kulturhistorisch überaus wertvoll und […] für die Kultur und Geschichte der Deutschbalten relevant“ seien. Es stehe außer Frage, dass alles getan werden müsse, dieses Kulturgut für die Zukunft zu bewahren und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diesem Anliegen diente ein jetzt abgeschlossenes und durch die BKM gefördertes Vorprojekt, auf das sich ein Hauptprojekt stützen wird, das mehrere Jahre laufen soll.

Das Archiv gliedert sich in verschiedene Beständegruppen. Deren umfangreichste und bedeutendste bilden die Nachlässe deutschbaltischer Persönlichkeiten (Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler, Politiker u. a.). Besondere Erwähnung verdient auch die Beständegruppe „Archive deutschbaltischer studentischer Korporationen“. Hingewiesen sei auf einige historisch gewachsene gesonderte Sammlungen von Urkunden, Manuskripten, Landkarten, Graphiken, Photographien, Postkarten und ähnlichem.

Diese Bestände umfassen ca. 250 laufende Regalmeter. Sie gliedern sich nicht nach Sachthemen oder möglichen Fragestellungen (Pertinenz), sondern nach den „Bestandsbildnern“ wie Gesellschaften, Vereine, natürliche und juristische Personen, Familien etc. (Provenienz). Wegen der oben beschriebenen Umstrukturierung des Archivs können zur Zeit nur die Beständegruppen genannt werden, nicht die einzelnen Bestände: CSA 100 Nachlässe, CSA 110 Sammlungen, CSA 120 Korporationen, CSA 130 Schulen, CSA 140 Vereine, Gesellschaften, Institutionen, CSA 150 Familienarchive, Firmenarchive, CSA 160 Kleine Erwerbungen, CSA 170 Karten, Pläne, Veduten, CSA 180 Carl-Schirren-Gesellschaft, CSA 181 Deutschbaltische Kulturstiftung, CSA 182 Deutschbaltischer Jugend- und Studentenring, CSA 183 Deutschbaltische Studienstiftung, CSA 190 Deutschbaltische Landsmannschaft/Deutschbaltische Gesellschaft, CSA 200 Dienstakten des Archivs.

Die Benutzung ist nach schriftlicher Anmeldung bei der CSG möglich. Anfragen werden im Rahmen der personellen Möglichkeiten beantwortet. Xerokopien können wegen der Personalsituation nur in begrenztem Umfang und gegen Rechnung bestellt werden. Bis zum Abschluss der erwähnten Umstrukturierungsarbeiten kann es zu Verzögerungen in der Bearbeitung von Anfragen bzw. zu Einschränkungen in der Benutzbarkeit der Bestände kommen.

Die Carl-Schirren-Gesellschaft hofft, ihr Archivprojekt mit Förderung durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien fortführen und bald schon über neue Forschungsmöglichkeiten zur Geschichte der Deutschbalten berichten zu können.

Peter Wörster (CSG – KK)

«

»